Der Lehrerberuf darf nicht zum Risiko werden

Amokläufe wie die von Erfurt oder Emsdetten, aber auch angekündigte und verhinderte Gewalttaten sogenannter Trittbrettfahrer wie am Schrobenhausener Gymnasium oder an der Realschule in Wolfratshausen, lösen großen emotionalen Stress aus - auch bei nicht unmittelbar betroffenen Schülern und Lehrern. Sie führen zu Verunsicherung, Angst und einem Gefühl der Ohnmacht. "Es herrscht zunehmend Ratlosigkeit, da wir nicht wissen, ob es sich bei den Taten um Einzelfälle oder um die Spitze eines Eisberges handelt", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel.

23.11.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Er forderte eine wissen-schaftliche Analyse der Vorfälle, des Täterprofils, der Gefährdungspotentiale und der betroffenen Schulen. "Es wäre sehr wichtig zu wissen, ob sich solche Fälle an großen und anonymen Schulen häufen. Es deutet manches darauf hin, dass in kleineren Schuleinheiten die Gefährdung geringer ist, weil Schüler und Lehrer ein persönlicheres Verhältnis entwickeln können."

"Lehrer und Schüler brauchen jede erdenkliche Unterstützung. Schulen brauchen zudem deutlich mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen. Die Klassen müssen kleiner, individuelle Förderung selbstverständlich werden. Der Lehrerberuf darf nicht zum Risikoberuf, der Schulalltag nicht zum Krisenmanagement werden", erklärte Wenzel. Er sprach sich für Fortbildungen aus, in denen Lehrerinnen und Lehrer lernen können, wie sie sich in solchen Extremsituationen zu verhalten haben. "Lehrer, Psychologen, Ärzte, Therapeuten und Jugendämter müssen noch besser vernetzt werden. Dem Austausch und der Beratung an den Schulen - zum Beispiel über entdeckte Probleme wie vermuteten Missbrauch, Lernstörungen, Radikalisierung - muss mehr Zeit und Raum zur Verfügung gestellt werden.

Die Schule begleitet junge Menschen in ihrer sensibelsten Entwicklungsphase über einen langen Zeitraum hinweg. Der Arbeit von Pädagogen kommt daher eine hohe Verantwortung und Bedeutung zu. Gleichzeitig verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen stetig. Eine große Gefahr stellt aus Sicht des BLLV die schleichende Bürokratisierung der Arbeit der Lehrer dar. Wenzel: "Die für die Pädagogen zentrale Beziehungsarbeit tritt zunehmend hinter ständige Leistungskontrollen, Komprimierung des Unterrichtsstoffes, Nachweispflicht gegenüber der Schulverwaltung und dienstliche Kontrolle zurück. Dies ist eine bedauerliche Entwicklung."


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