Niedersachsen

Deutscher Lehrerverband Niedersachsen will zweigliedriges Schulsystem

Für die mittelfristige Einführung einer zweigliedrigen Schulstruktur in Niedersachsen hat sich das Präsidium des Deutschen Lehrerverbandes Niedersachsen (DLN) in einer Grundsatzerklärung ausgesprochen.

12.10.2010 Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)

Der DLN, dem der Berufsschullehrerverband, der Philologenverband, der Verband der Lehrer an Wirtschaftsschulen sowie der Verband niedersächsischer Lehrkräfte (vormals Realschullehrerverband), angehören, vertritt zusammen etwa 15.000 Lehrerinnen und Lehrer.

Aufgrund zurückgehender Schülerzahlen und der Wünsche der Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule nach der vierten Klasse sei die bisherige Schulstruktur mit fünf verschiedenen Schulformen im Sekundarbereich I nicht mehr haltbar, erklärte der DLN. Künftig solle es daher nur noch zwei Schulformen nach der Grundschule geben: eine neu zu gestaltende "Oberrealschule" und das Gymnasium.

Diese neue "Oberrealschule" soll nach Auffassung des DLN alle Schüler zusammenführen, die bisher Haupt- und Realschulen besucht haben. Sie soll ein neues Profil erhalten, das einerseits auf die erweiterten Ansprüche von Industrie, Handwerk und Verwaltung vorbereitet, andererseits aber auch Schülern mit entsprechenden Qualifikationen ermöglicht, die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife nach 13 Schuljahren zu erwerben. Das Gymnasium soll sich an den Anforderungen eines Hochschulstudiums orientieren und in 12 Jahren zum Abitur führen.

Die Gesamtschule, ob in integrierter oder kooperativer Form, stellt nach Meinung des DLN-Präsidiums keine zukunftsfähige Alternative dar. Integrierte Gesamtschulen hätten sich bei allen bisherigen Leistungsuntersuchungen trotz aufwendiger Ausstattung als deutlich weniger leistungsfähig als das gegliederte Schulwesen erwiesen. Insbesondere die Einrichtung kleiner, d.h. vor allem dreizügiger Gesamtschulen verschärfe die Gesamtproblematik der zu geringen Leistungsfähigkeit dieser Schulform. Gymnasialfähige Schüler seien in einer solchen Schule in viel zu geringer Zahl vorhanden, um etwa ein differenziertes Fremdsprachenangebot auf entsprechendem Niveau oder andere Wahlpflichtangebote entsprechend den Fähigkeiten und Wünschen der Schüler anzubieten. Schon heute gebe es im ländlichen Bereich Schulen, die sich "Gesamtschule" nennen würden, obwohl es dort kaum Schüler mit Gymnasialempfehlung gebe. Eine vorgebliche gymnasiale Bildung an solchen Schulen laufe eindeutig auf einen Etikettenschwindel hinaus.

Eine Schulstrukturreform, die zu geringerer Leistungsfähigkeit des Schulwesens als bisher führe und damit die Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler wesentlich beinträchtige, könne sich Niedersachsen auf keinen Fall leisten, betonte das DLN-Präsidium. Gleichzeitig begrüßte das Gremium alle Bemühungen, ausgehend von dieser Grundtatsache zu einer einvernehmlichen Lösung bei der Neuordnung der Schulstruktur zu kommen.


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