„Die Kreativität der Kinder nutzen“

(bikl) Apple rückte im vergangenen Jahr vor allem durch sein Lifestyle Produkt, den MP3-Player iPod, wieder ins Licht der Aufmerksamkeit. Apples Aktivitäten im Bereich Bildung sind dagegen bislang eher unbeachtet geblieben.

01.02.2006 Artikel
  • © bikl.de

Doch schon seit mehreren Jahren ist man darum bemüht, sich in Schulen und Hochschulen ein festes Standbein zu erarbeiten. Denn man weiß: die Schüler von heute sind zukünftige Kunden - gemäß Apples Mantra für Mac-PCs: "Wer ihn ausprobiert, liebt ihn".

bildungsklick.de sprach mit Hervé Marchet, Head Of Education, Apple Europe anlässlich der BETT in London.

Herr Marchet, was hat Apple in den letzten Jahren im Bereich Bildung unternommen? Was wird in den nächsten Jahren passieren?

Marchet: Zuerst einmal müssen wir zwei Bereiche unterscheiden, den Schulmarkt und den Hochschulmarkt.

Im Hochschulbereich ging es uns in den letzen zwei bis drei Jahren darum, wieder auf den Campus zu kommen. Die Marke Apple ist stark. Aber wir mussten deutlich machen warum wir im Bildungsbereich relevant sind. Wir haben also viel Zeit darauf verwandt Studenten davon zu überzeugen, unsere Produkte zu nutzen. Denn Studierende, die einen Mac besitzen, werden im Endeffekt bei ihrem IT-Bereich um Support für diese Rechner bitten.

Im Schulbereich geht es uns darum, die Kreativität der Kinder zu nutzen. Denn Kinder sind sehr kreativ. Wir haben also viel Zeit investiert, um Lehrer zu schulen. Wir haben ihnen gezeigt, wie sie unsere Produkte einsetzen können, um die Kreativität der Kinder zu nutzen und zu fördern. Es geht hier somit weniger um IT als vielmehr um Lern-Infrastruktur.

Woran aber liegt es, dass Apple anscheinend Schwierigkeiten hat, in den Schulmarkt vorzudringen? Im Gegensatz zum Hochschulbereich, in dem Apple schon immer ein solides Standbein hatte.

Marchet: Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir den Schulmarkt noch einmal unterteilen. In den Grundschulen funktioniert unser Konzept sehr gut, mit Produkten wie iLife etwa, um die Kreativität der Kinder anzuspornen.

In der Sekundarstufe hingegen hatten wir zum einen das Problem, dass viele Schulen auf die Ausstattung mit möglichst vielen PCs geachtet haben. Somit wurde häufig nach den günstigsten Anbietern gesucht, anstatt sich anzuschauen, wie die Rechner dann auch wirklich genutzt werden.

Zum anderen wollten Schulen lehrplanorientiert Software nutzen. Also haben wir mit den Schulen gesprochen, und ihnen erklärt, dass es schwierig ist, mit Standardsoftware auf jeden Schüler individuell einzugehen. Unsere Idee ist es, Tools in die Hand zu geben, mit denen die Schüler und die Lehrer ihre eigenen Inhalte kreieren können. Unsere mäßigen Erfolge in der Sekundarstufe lagen also vor allem daran, dass es wenig lehrplanorientierte Software für den Mac gab. Immer mehr Lernsoftware wird aber heutzutage webbasiert angeboten, ist also auf dem Mac nutzbar. In Kombination mit den bereits angesprochenen Tools sind wir also gut positioniert, um auch im Sekundarbereich erfolgreich zu sein.

Aber diese selbst kreirten Inhalte werden doch nur bis zu einem gewissen Maß funktionieren. Wie wollen Sie denn zum Beispiel Differentialgleichungen mit "GarageBand" oder "iMovie" lehren? Sie werden doch weiterhin Lernsoftware brauchen.

Marchet: Ganz klar, es geht uns nicht darum, lehrplannahe Software zu ersetzen. Wir wollen einfach unsere Stärken nutzen.

Aber auch sehr komplizierte Sachverhalte lassen sich durch audiovisuelle Darstellungen leichter erschließen. Wenn man zum Beispiel zuerst sieht, wie ein physikalisches Phänomen wirkt und sich im Nachhinein um die mathematischen Hintergründe kümmert.

Wie wichtig ist Deutschland als Markt für Sie und welche Aktivitäten verfolgen Sie dort?

Deutschland ist sehr wichtig für uns, da es nun einmal ein sehr großer Markt ist. Wir gehen hier meist gezielt pro Bundesland vor. Es gibt mehrere Initiativen, in denen wir involviert sind, unter anderem bei D-21 und bei N-21. Außerdem gibt es natürlich auch in Deutschland die ATI (Apple Teacher Institute) und es gibt mehrere Apple Distinguished Educators.

Zu diesem Artikel und zum Thema E-Learning allgemein können Sie den Autor kontaktieren: joscha.diehl( at )bildungsklick.de.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden