"Die Leute dürfen sagen, wen sie gut finden"

(bikl/ots) - Wie die Welt der Politik in den Augen von sechs- und siebenjährigen Kindern aussieht, haben Politikwissenschaftler vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung herausgefunden und der ZEIT erste Einblicke gewährt: Um Bundeskanzler zu werden, muss man "klug sein, lieb und gewissenhaft", als Kanzler ist man dann "Chef von Deutschland", "gibt den Leuten die Aufgaben" und hat auch mal Zeit, "sich aus dem Fenster die Spatzen anzuschauen".

14.09.2005 Artikel

Die Studie Demokratie leben lernen ist noch nicht abgeschlossen, aber ein Ergebnis steht jetzt schon fest: "Wir haben alle unterschätzt, was Kinder bereits wissen", sagt Jan van Deth, Professor für Politikwissenschaft und Leiter des von der DFG geförderten Projekts. Bei den Umfragen unter 850 Mannheimer Grundschülern kam auch heraus, dass ein guter Kanzler "nett sein und immer eine Krawatte tragen muss".

Politikunterricht in der Grundschule

Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie aus einem Kind ein guter demokratischer Staatsbürger wird und welche Rolle Familie und Schule bei der politischen Sozialisation spielen. Sollte sich nämlich herausstellen, dass die Schule der entscheidende Faktor ist, könnte die Sache brisant werden. Schließlich haben internationale Studien gezeigt, dass deutsche Jugendliche besonders wenig Interesse an Politik haben. Wenn also das politische Interesse bei Sechsjährigen groß sei, bei Sechzehnjährigen aber gering, so van Derth, dann könne man sich fragen "was passiert eigentlich in den zehn Jahren Schule?" Politikunterricht in der Grundschule – das hält seine Mitarbeiterin Julia Schäfer denn auch für einen guten Ansatz.

Gott und die Arbeitslosigkeit

Zu den abgefragten Themen jedenfalls konnten die zukünftigen Wähler bereits eine Menge sagen. Wählen bedeutet, dass "die Leute sagen dürfen, wen sie da gut finden, und dann irgendwie so Zettelchen in so eine große Tonne schmeißen, erklärte eine Erstklässlerin. Und auf die Frage, wer denn Schuld an der Arbeitslosigkeit hätte: Der "Bestimmer", " Gott", "man selbst" oder weiß nicht" war die Antwort eindeutig: Mehr als 40 Prozent machten den Bestimmer dafür verantwortlich, "Gott", so DIE ZEIT "ist dabei gut weggekommen, nicht einmal vier Prozent sagen in ihm den Schuldigen.

Der komplette Artikel erscheint in der morgigen Ausgabe der ZEIT.


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