Flüchtlingspolitik

"Die Qualität unserer Schulbildung darf nicht leiden"

"Die Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit, die insbesondere die bayerischen Bürger in den vergangenen Wochen bei der Aufnahme von zehntausenden Flüchtlingen gezeigt haben, ist beeindruckend", sagt der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm. "Wir müssen allerdings aufpassen und Maßnahmen ergreifen, damit die derzeitige Euphorie nicht bald in Ernüchterung umschlägt."

21.09.2015 Pressemeldung Bayerischer Realschullehrerverband (brlv)

Wenn monatelang der Sportunterricht nicht stattfinden könne, weil Turnhallen belegt sind, wenn sich die Unterrichtsbedingungen verschlechtern würden, weil sich die engagierten Lehrkräfte zusätzlich um die Integration der Flüchtlingskinder bemühen oder wenn die Kommunen anfangen müssen, das Geld für Schulen umzuschichten, um ihren Haushaltsplan zu halten, dann benötige man schnell praktikable Lösungen, um diese Herausforderungen zu bewältigen, so Böhm. Deshalb schließt sich der brlv der Forderung seines Dachverbands VDR an, der auf einen zwischen Bund, Ländern und Kommunen abgestimmten langfristigen Integrationsplan für alle schulpflichtigen asylsuchenden Kinder und Jugendlichen dringt. "Wir müssen mit einem vernünftigen, klar durchdachtem Konzept dauerhafte Lösungen finden, unter dem die Qualität unserer Schulbildung keinesfalls leiden darf", so Böhm.

Die Kultusministerkonferenz, die Kultusverwaltungen der Länder und die Kommunen als Sachleistungsträger müssen eine Strategie erarbeiten, die Lösungen für die folgenden Aufgaben vorsieht:

  • Frühestmögliche Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Unterrichtsangeboten zum Erwerb von Deutschkenntnissen für schulpflichtige Kinder und Jugendliche, aber auch für erwachsene Migranten. An den bayerischen Realschulen sollte dafür das Modellprojekt SPRINT (= Sprachförderung intensiv), das derzeit an zwei Realschulen in Nürnberg und München erprobt wird, deutlich ausgeweitet werden.
  • Vermittlung von sozialen, kulturellen und politischen Grundlagen des europäischen und deutschen Gemeinwesens, um den jungen Menschen die Eingewöhnung und Eingliederung in ihr neues soziales Umfeld bzw. die Arbeitsaufnahme zu erleichtern
  • Verbleib der oft traumatisierten jugendlichen und erwachsenen Migranten in Förderklassen und -gruppen bis zur ausreichenden Beherrschung der deutschen Sprache, um danach eine entsprechende Förderung in leistungsspezifischen Bildungsangeboten und in den entsprechenden Schularten zu ermöglichen
  • Sofortiger Ausbau eines Fort- und Weiterbildungssystems für Lehrkräfte
  • Flankierende Maßnahmen, die den Integrationsprozess unterstützen können: Dazu gehören die Einstellung von Schulpsychologen und Schulsozialarbeitern, aber auch Kontakte ins soziale bzw. gesellschaftliche Umfeld

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