Diskriminierung im Lehrerzimmer

Weibliche Lehrkräfte schneiden bei dienstlichen Beurteilungen durchweg schlechter ab als ihre männlichen Kollegen. Das hat eine schriftliche Anfrage von Adi Sprinkart, Sprecher der grünen Landtagsfraktion für den Öffentlichen Dienst, zutage gefördert.

07.01.2010 Pressemeldung Bündnis 90/Die Grünen

So haben im Jahr 2009 bei der so genannten Anlassbeurteilung 9,9 Prozent der männlichen Volksschullehrer die besten Bewertungskategorien "herausragend" bzw. "besonders gut" erhalten. Bei den Frauen dagegen erzielten nur 7,8 Prozent die Höchstbewertungen, die meisten Frauen rangieren mit 45,4 Prozent in der mittleren Bewertungsstufe "Leistung, die den Anforderungen insgesamt entspricht". Bei den Realschullehrerinnen und –lehrern ist das Bild nicht anders: Während 5 Prozent der Männer die beiden besten Bewertungsstufen erreichen, sind es bei den Frauen nur 3,9 Prozent, mehr als die Hälfte (52,8 Prozent) bleiben in der mittleren Kategorie. "Frauen werden durch die Beurteilungs-praxis an bayerischen Schulen in hohem Maße diskriminiert", schlägt Adi Sprinkart Alarm. Weil die besten Prädikatsstufen letztlich ausschlaggebend für die Beförderung seien, würden Frauen damit massiv um Karriereperspektiven im Schuldienst beschnitten.

Wie die grüne Anfrage ebenfalls offen legt, herrscht in Bayerns Lehrerzimmern auch eine deutliche Schieflage zwischen Voll- und Teilzeitkräften. So würden an den Volksschulen 9,7 Prozent der Vollzeitkräfte mit "herausragend" bzw. "besonders gut" bewertet, bei den Teilzeitkräften nur 6,1 Prozent. An den Realschulen erhielten nur 3,5 Prozent der Teilzeitkräfte die höchsten Bewertungen, dagegen 5,3 Prozent der Vollzeitlehrkräfte. "Leidtragende sind auch hier überwiegend Frauen, weil sie das Gros der Teilzeit-Arbeitsverhältnisse stellen", so Adi Sprinkart.

Besonders ärgerlich findet Adi Sprinkart, dass das Missverhältnis in der Bewertung von Lehrerinnen und Lehrern kein neues Phänomen ist. Schon 2006 und 2001 hatte der grüne Abgeordnete eine ähnliche Anfrage gestellt: "Immer zieht sich die Benachteiligung von Frauen wie ein roter Faden durch die Statistik. Dabei würde kein Mensch behaupten, dass Frauen grundsätzlich die schlechteren Lehrkräfte sind. Hier liegt der Fehler ganz offenkundig im System und das Kultusministerium sieht seit Jahren untätig zu."

http://www.gruene-fraktion-bayern.de


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