Ein Schlag ins Gesicht für junge Gymnasiallehrer
Obwohl sie händeringend gebraucht werden und immer wieder Unterrichtsausfälle zu beklagen sind, kommen viele junge Gymnasiallehrer auch im neuen Jahr nicht zum Einsatz. Trotz der angespannten Situation wird nur rund ein Drittel aller ausgebildeten Referendare eine Planstelle bekommen.
28.01.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V."Das ist für die Betroffenen bitter und angesichts des Lehrermangels an Gymnasien auch nicht nachvollziehbar", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, zu den aktuell bekannt gewordenen Einstellungszahlen. Die Personaldecke sei an vielen Gymnasien derart auf Kante genäht, dass bei Krankheitsfällen Unterricht gestrichen werden muss - manchmal über mehrere Wochen. Während junge, gut ausgebildete Hochschulabsolventen auf die Straße geschickt werden, werden ältere Kolleginnen und Kollegen aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und der steigenden Anforderungen krank und brennen aus. Umsichtige und verantwortungsvolle Einstellungspolitik sieht anders aus." Auch Eltern seien frustriert, weil sie feststellen müssen, dass ihr Kind nicht die Förderung erhält, die sie sich wünschen. "Das bayerische Gymnasium wird seit Jahren systematisch geschwächt. Damit muss endlich Schluss sein", forderte Wenzel. "Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen jede erdenkliche Unterstützung - letztlich profitieren davon die Schüler."
Die personellen Probleme sind nicht an allen bayerischen Gymnasien gleich schlecht, betonte Wenzel. Es gebe durchaus relativ gut aufgestellte Schulen, aber leider auch viele, an denen es denkbar knapp zugehe. Zum Beispiel an einem Gymnasium in Mittelfranken: Hier wird es nach Recherchen des BLLV bei 31 Bewerbern zum neuen Schulhalbjahr gerade einmal 18 Neueinstellungen geben - ein Bewerber hat bei einem Examensschnitt von 1,6 in den Fächern Deutsch, Geschichte und Physik keine Planstelle bekommen. In einem niederbayerischen Gymnasium kommt es zu nur fünf Einstellungen - bei 20 Bewerbern. In einem unterfränkischen Gymnasium erhalten von 23 Bewerbern lediglich zehn eine Planstelle. In München sieht es nicht besser aus: Hier bekommen an einer Schule bei 21 Bewerbern nur sieben eine Planstelle. "Trotz zusätzlicher Angestelltenverträge wird landesweit nur jeder zweite Bewerber in den Schuldienst übernommen werden", sagte Wenzel. Das sei ein Schlag ins Gesicht für viele junge Hochschulabsolventen.
"Obwohl die Klagen vieler Eltern über Unterrichtsausfälle nicht abreißen, werden sie nicht ernst genommen", so der BLLV-Präsident "Sie werden stattdessen als ´Hilfslehrer´ missbraucht. Beispiel Tegernsee: Hier wandte sich Ende 2012 ein verzweifelter Schulleiter an die Eltern und bat sie um Hilfe, weil er nicht mehr wusste, wie er die Unterrichtsversorgung aufrecht erhalten sollte. "In der Regel sind es die Mütter, die nachmittags bei den Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen helfen, oder aber Familien bezahlen individuellen Förderunterricht in Form von Nachhilfe, weil ihn die Schule nicht anbieten kann. Der andauernde Lehrermangel setzt Mechanismen in Gang, die zu Bildungsungerechtigkeit und Selbstausbeutung führt: Das, was Schule nicht mehr leisten kann, wird auf Familien abgewälzt - und auf Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrem Engagement ausgenutzt werden."
Hinzu kommen weitere Probleme, mit denen bayerische Gymnasien zu kämpfen haben und die vom andauernden Lehrermangel verstärkt werden: So ist die durchschnittliche Klassenstärke an vielen Schulen größer geworden, was die Heterogenität der Schülerschaft erhöht und neue Anforderungen an die Lehrer stellt. Auch der Korrekturaufwand steigt stetig an. Er belastet die Lehrkräfte ganz erheblich. Zeit für Vertiefungen und Wiederholungen während des Unterrichts gibt es kaum noch, weil Prüfungsdichte und Lehrplanfülle nach der Umstellung auf das G8 weitgehend weit gehend gleich geblieben sind - gleichzeitig werden die Lehrkräfte mit ständigen Neuerungen wie dem Flexibilisierungsjahr konfrontiert, deren Erfolg mehr als fragwürdig ist. "Es ist kein Wunder, dass viele von ihnen ausbrennen", so Wenzel. "Und dann kommen noch die Folgen der ständigen personellen Unterversorgung hinzu: kranke Lehrer müssen vertreten und der Schulbetrieb insgesamt aufrecht erhalten werden. In der Summe trägt dies nicht dazu bei, für die Schulen eine gute Lern- und Arbeitsatmosphäre zu schaffen", sagte der BLLV-Präsident. "Wenn nun erneut junge Gymnasiallehrerinnen und -lehrer in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, steigern sich die Wut und Enttäuschung auf allen Seiten. Das sollte die Bayerische Staatsregierung bei ihrer Einstellungspolitik stets im Blick haben", warnte er.
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