Eltern wählen Gesamtschulen - Landesregierung blockiert
Die Gesamtschulen in NRW verzeichnen auch beim diesjährigen Anmeldeverfahren wieder große Überhänge. Sie müssen weit mehr Kinder ablehnen, als sie aufnehmen können. Gleichzeitig behindert oder blockiert die Landesregierung die Gründung neuer Gesamtschulen wie in Hemer im Märkischen Kreis oder in Bonn.
06.02.2009 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen"Die Politik der Ungleichbehandlung wird fortgesetzt", klagt die stellvertretende Landesvorsitzende der GEW, Dorothea Schäfer. Ein solches Umgehen mit dem Elternwunsch "Gymnasium" wäre undenkbar, hier hätte die Landesregierung ganz anders reagiert.
Trotz aller Anstrengungen der Landesregierung, das gegliederte Schulsystem, insbesondere die Hauptschulen, gegen die Gesamtschulen zu stärken, wählen Eltern aber die Gesamtschule. "Nicht zuletzt", so Schäfer, "weil ihnen die verkürzte Gymnasialzeit "G8" viele Sorgen bereitet."
Initiativen für neue Gesamtschulen werden derzeit - so der Vorwurf der GEW - von der Landesregierung mit fragwürdigen Argumenten behindert. Beispiel Hemer im Märkischen Kreis: Dort haben Eltern und Kinder ein Jahr lang für eine Ganztagsgesamtschule gekämpft. Mehr als die Hälfte des Jahrgangs wurden angemeldet. Das Schulministerium verweigerte die Einrichtung des Ganztags. Nach Protesten darf jetzt die Gesamtschule zumindest im Halbtagsbetrieb eingerichtet werden.
Beispiel Bonn: In Bonn ist von vorneherein eine Gesamtschule ohne Ganztag beantragt worden. Unter den 156 Anmeldungen befinden sich 30 Kinder mit "Gymnasial"-Empfehlung. Nach Informationen der Bezirksregierung Köln müssten es aber 38 Kinder sein. Begründung: Die Landesregierung hat eine besondere, nicht im Schulgesetz verankerte Interpretation für "Leistungsheterogenität".
Dazu Dorothea Schäfer: "Allen anderen angemeldeten Kindern ohne Gymnasialempfehlung wird nicht zugetraut, dass sie sich in den nächsten sechs Schuljahren so entwickeln, dass sie auch das Abitur ablegen können. Das widerspricht allen Erfahrungen. Hier wird eine Ideologie auf dem Rücken von Kindern ausgetragen!"
Die Stadt Bonn will, so war zu erfahren, jetzt die Einrichtung der vierten Gesamtschule einklagen.
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