Elterninitiative erwartet klare Worte von Stoch
Fall "Henri": Zweite Schule in Walldorf lehnt Aufnahme des Jungen mit Down-Syndrom ab und der Kultursminister Baden-Württembergs, Andreas Stoch, SPD, akzeptiert dies sogar.
18.05.2014 Pressemeldung mittendrin e.V.Inzwischen 16 Elternvereine aus Nordrhein-Westfalen haben in einem Offenen Brief die Abgeordneten von SPD und Grünen im Landtag NRW und im Bundestag aufgefordert, bei ihren Parteifreunden in Baden-Württemberg einzugreifen. Der komplette Landesverband "Gemeinsam Leben" aus Hessen hat sich dem Offenen Brief angeschlossen (Offener Brief siehe unten nach der Stellungnahme der Elterninitiative Rhen-Neckar). Auch die Elterninitiative Rhein-Neckar protestiert gegen die Entscheidung der Landesregierung Baden-Württemberg, vor Ort Mehrheitsentscheidungen gegen die Teilhabe von behinderten Kindern zu akzeptieren.
Elterninitiative Rhein-Neckar zu den Vorgängen um die Beschulung Henri Hirts in Walldorf
Nun ist die Katze aus dem Sack: Nicht nur das Gymnasium Walldorf, nein auch die dortige Realschule verweigern per Konferenzbeschluss die Aufnahme eines Schülers mit Down-Syndrom in die 5. Klasse.
Entgegen allen offiziellen Bekenntnissen zum Thema Inklusion und Teilhabe und unter Missachtung geltender Rechts- und Verwaltungsvorschriften ist es also möglich, dass Schulen ihre Türen vor einem Kind mit einer geistigen Behinderung verschließen dürfen. Und dies, obwohl das zuständige staatliche Schulamt ein solches Projekt nicht nur ideell sondern auch durch entsprechende Rahmenbedingungen zu unterstützen bereit ist.
Seit nunmehr fast 30 Jahren setzen wir Eltern uns dafür ein, dass unsere Kinder mit Behinderungen möglichst wohnortnah gemeinsam mit ihren Alterskameraden und Freunden zur Schule gehen können, und wir wissen uns dabei in guter Gesellschaft vieler Wissenschaftler und Praktiker, die erforscht und gezeigt haben, dass und wie der gemeinsame Unterricht gelingen kann.
Es kann und darf nicht ins Ermessen einzelner bzw. kleiner Gruppen gestellt sein, ob sie sich für die nötigen Veränderungen in Gesellschaft und Unterricht öffnen oder sich dagegen verschließen. Also erwarteten wir heute klare Worte des Kultusministers aus Stuttgart, die diesem Vorgehen einen Riegel vorschieben.
Informiert durch Pressemeldungen mussten wir - ebenso wie die Eltern, denen die Entscheidung des Kultusministers vorab nicht mitgeteilt wurde - zur Kenntnis nehmen, dass das Gegenteil der Fall ist. Herr Stoch beschied - natürlich zum Wohle des Kindes - ,dass es für Henri Hirt nicht förderlich sei, eine Schule zu besuchen, an der er nicht willkommen sei. Als Alternativen stehen für ihn nun der Besuch der örtlichen Werkrealschule oder die Umschulung in eine der beiden Gemeinschaftsschulen in Schwetzingen oder St.Leon zur Diskussion. Alle drei Varianten bedeuten den Verlust seiner derzeitigen Schulkameraden oder sogar den Transport in ein völlig neues Umfeld. Beides widerspricht den Wünschen der Eltern und ihrem Erziehungsplan, den zu achten die Schulverwaltung laut Schulversuchsordnung zu respektieren aufgerufen ist. Und ganz offen bleibt die Frage, ob er dort wohl willkommen ist.
Wir sind bestürzt. Müssen Kinder mit Behinderungen und ihre Eltern wieder darum betteln, dazugehören zu dürfen? Inklusion ist kein Gnadenakt. Sie ist ein Menschenrecht.
Rotraut Engler-Soyer, Vorstandsmitglied der Elterninitiative Rhein-Necker, Gemeinsam leben - gemeinsam lernen
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