Brandenburg

Erste positive Ergebnisse im Pilotprojekt "Inklusive Grundschule"

Bildungsministerin Martina Münch und Prof. Dr. Nadine Spörer, Professur für Psychologische Grundschulpädagogik an der Universität Potsdam, haben heute in Potsdam gemeinsam die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung zum Pilotprojekt "Inklusive Grundschule" präsentiert. Bildungsministerin Münch zeigt sich erfreut über die ersten Befunde.

27.09.2013 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

"Im Fach Deutsch konnte binnen weniger Monate eine deutliche Lernentwicklung, insbesondere bei leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern, beobachtet werden. Ein ähnliches Bild – wenn auch weniger ausgeprägt – gibt es für das Fach Mathematik. Die Leistungsschere bei der gemeinsamen Beschulung geht also nicht weiter auseinander – im Gegenteil. Das ist ein großer Erfolg", so Münch. "Auch die Lehrerinnen und Lehrer geben nach einem Jahr auffallend positive Rückmeldungen, insbesondere zum Klima im Kollegium und zur Unterstützung durch die Schulleitung. Auch die Fortbildungsangebote werden gut angenommen." Entwicklungsbedarf gibt es hingegen noch bei der Binnendifferenzierung im Unterricht.

Bildungsministerin Münch machte deutlich, dass die Ergebnisse einen ersten Einblick geben, aber noch kein abschließender Befund sind. "Um tiefere und weitgehendere Einblicke zu bekommen, wird die wissenschaftliche Begleitung fortgesetzt, das zweite Untersuchungsjahr läuft bereits", so Münch. "Ich freue mich über diese Ergebnisse, sie decken sich mit den Erfahrungen, die ich bei Besuchen der Pilotschulen mache. Das macht Mut." Ministerin Münch betonte, dass das Land Brandenburg bei der Umsetzung der Inklusion – "Schule für alle" besonders gründlich vorgeht. "Wir nehmen uns Zeit, diskutieren mit allen Betroffenen, schaffen mit dem neuen Lehrerbildungsgesetz und neuen Fortbildungsangeboten Grundlagen bei unseren Lehrkräften, lassen ein Modellprojekt laufen und werten die Erfahrungen wissenschaftlich aus – so intensiv bereitet sich kaum ein anderes Bundesland vor. In den kommenden Wochen werden wir die aktuellen Entwicklungen auf regionalen Fachtagen diskutieren."

Pilotprojekt und wissenschaftlichen Begleitung:

Seit dem vergangenen Schuljahr nehmen 84 brandenburgische Grundschulen und Oberschulen mit Grundschulteil am landesweiten Pilotprojekt "Inklusive Grundschule" teil. Mit dem Pilotprojekt wird erprobt, wie Kinder mit den sonderpädagogischen Förderschwerpunkten `Lernen`, `emotionale und soziale Entwicklung` und `Sprache` zusammen mit anderen Kindern gemeinsam an der Regelschule unterrichtet werden können. Diese Pilotphase wird wissenschaftlich begleitet. Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) und die Universität Potsdam haben dazu Erhebungen an den Pilotschulen durchgeführt zu fachlichen, lernrelevanten und sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, zur Unterrichtsqualität, zu Kompetenzen und Einstellungen der Lehrkräfte sowie zu Fortbildungs- und Beratungsprozessen. Die Universität Potsdam hat insbesondere die pädagogischen Entwicklungen im Blick, das LISUM die Rahmenbedingungen. Im Fokus stehen Aspekte wie:

  • die Analyse der Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler,
  • die Gestaltung des inklusiven Unterrichts in den Kernfächern Deutsch und Mathematik,
  • die Einschätzungen der Lehrkräfte zum inklusiven Unterrichten,
  • die Auswertung des Personaleinsatzes sowie
  • die Evaluation der Beratungs- und Fortbildungsprozesse.

Fachtage "Inklusive Bildung" 2013:

Ab Mitte November 2013 soll auf vier Fachtagen zur inklusiven Bildung über praktische Erfahrungen, Konzepte und Rahmenbedingungen diskutiert werden und darüber, wie die Schulen in die Lage versetzt werden können, allen Kindern und Jugendlichen offenzustehen und sie individuell zu fördern. Die Fachtage finden am 13. November in Frankfurt (Oder), am 21. November in Cottbus, am 28. November in Neuruppin und am 05. Dezember in Werder (Havel) statt. Sie stehen unter dem Motto "Chancen ergreifen – Barrieren abbauen – Herausforderungen meistern" und richten sich an Schulleitungen und Lehrkräfte, aber auch an Eltern- und Schülervertretungen, an die Schulträger und die interessierte Öffentlichkeit. Veranstaltet werden die Fachtage von den Schulämtern gemeinsam mit dem Bildungsministerium und unterstützt von Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats "Inklusive Bildung". In Workshops werden unter anderem die Arbeitsstände zu den neuen Rahmenlehrplänen der Grundschule und der Sekundarstufe I ab dem Schuljahr 2015/16 sowie die Möglichkeiten der Leistungsbewertung in der inklusiven Schule thematisiert. Erörtert wird beispielsweise, wie "Teamteaching" funktioniert, also das gemeinsame Unterrichten von allgemeinbildenden und sonderpädagogischen Lehrkräften. Veranschaulicht werden zudem besondere Strukturen von individueller Förderung an einer Grundschule. Des Weiteren werden gut funktionierende Praxisbeispiele zwischen Schulträgern und Schulen in den Regionen vorgestellt.

Weitere Informationen unter: www.inklusion-brandenburg.de


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