Erstmals mittlerer Bildungsabschluss für hörbehinderte Schüler im Saarland

Hörbehinderte Schülerinnen und Schüler können künftig an der ERS Dillingen ihren mittleren Bildungsabschluss machen. Der Landkreis Saarlouis hat dazu die räumlichen und logistischen Voraussetzungen geschaffen. Zum neuen Schuljahr werden fünf hörbehinderte Kinder aus dem Landkreis Saarlouis im Klassenverbund mit dreizehn nicht behinderten Schülern im Rahmen eines Modellversuches unterrichtet. Kultusminister Jürgen Schreier und Landrätin Monika Bachmann besuchten am heutigen Freitag (8.9.06) die neu eingerichtete Klasse, um sich vor Ort über das Projekt zu informieren.

08.09.2006 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Kultusminister Jürgen Schreier: "Für die hörbehinderten Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern ist diese Modellklasse eine erhebliche Verbesserung. Um ihren mittleren Bildungsabschlusses zu erwerben, mussten diese Schülerinnen und Schüler bislang an ein Internat außerhalb des Saarlandes wechseln."
Hörbehinderte Kinder hatten bislang nur die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss an der Ruth-Schaumann-Schule in Lebach Staatliche Schule für Gehörlose und Schwerhörige zu erwerben, sofern keine Einzelintegration in weiterführenden Schulen möglich war.

In Zusammenarbeit mit dem Leiter der ERS Dillingen, Gerd Gasper, dem Landkreis Saarlouis und dem Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft, konnte ein Modellversuch an der Erweiterten Realschule gestartet werden. Sonderschulrektorin Alexandra Forster arbeitete das Konzept für die Integrierung von hörbehinderten Schülern in den Regelunterricht aus. Schulleiter Gerd Gasper, der sich während seiner Tätigkeit als Schulrat mit der Thematik der Integration von Schülern befasste, bot sich als Partner für den Modellversuch an. Die zentrale geographische Lage der ERS Dillingen und die günstige Verkehrsanbindung spielten bei der Entscheidung für Dillingen eine weitere wichtige Rolle.

Das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft unterstützte den Antrag, hörbehinderte Kinder in der Klassenstufe fünf an der ERS Dillingen im Rahmen des Modellversuches einzuschulen und ihnen damit den mittleren Bildungsabschluss zu ermöglichen. Der Landkreis Saarlouis als Schulträger schaffte die raumakustischen und hörtechnischen Voraussetzungen: Ein Klassensaal musste zur Schalldämmung mit Teppichboden ausgelegt und die Tische der Hörbehinderten- und der Regel-Schüler mit besonderen Mikrophonen ausgestattet werden.

Der Landkreis Saarlouis trägt die Kosten für die Technik der nicht hörgeschädigten Schüler und Schülerinnen in Höhe von 9.500 Euro und die Kosten der baulichen Maßnahmen in Höhe von ca. 12.000 Euro.

Der Verein zur Förderung cochlear-implantierter Kinder im Saarland e. V. in Lebach beteiligt sich an den Kosten für die Technik mit ca. 2.500 Euro. Hörintensive Fächer, wie Deutsch und Fremdsprachen, werden künftig von Sonderpädagogen unterrichtet, die anderen Fächer von Lehrkräften der ERS Dillingen.


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