Bayern

Ethikunterricht – Werteerziehung zweiter Klasse?

Der Bayerische Elternverband e. V. (BEV) unterstützt die gestern auf dem [Ethik-Gipfel in München](http://www.philosophie.uni-muenchen.de/aktuelles/ethikgipfel14/index.html) vorgestellte Ethik-Agenda für eine Professionalisierung der Ethiklehrerausbildung in Bayern. Die Ethik-Agenda ist eine Initiative der LMU in Kooperation mit anderen bayerischen Universitäten sowie dem bayerischen Landesverband Ethik e. V.

08.12.2014 Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Ein respektvolles und friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft erfordert allgemein anerkannte Grundsätze des Handelns. Diese Grundsätze sind im Grundgesetz und in der bayerischen Verfassung festgeschrieben. Dennoch bedarf es einer Bildungs- und Erziehungsarbeit, um junge Menschen an ein wertorientiertes Urteilen und Handeln heranzuführen. Diese Arbeit wird von Schule und Elternhaus geleistet.

Einst erfolgte die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten wie selbstverständlich durch das Leben im familiären und kirchlichen Kontext. Heute haben immer mehr Familien keine kirchliche Anbindung, die Zahl der Familien, deren Wurzeln in anderen Kulturkreisen liegen, die andere Wertvorstellungen und eine andere Religion haben, wächst, und überhaupt gibt es immer weniger ´klassische´ Familien.

In der Schule findet die Werteerziehung vorrangig im Religions- oder Ethikunterricht ihren Platz, denn die Lehrpläne anderer Fächer ermöglichen hierfür kaum den notwendigen Freiraum. Gerade in Ballungsgebieten wird es für Schulen immer schwieriger, konfessionsgebundenen Religionsunterricht anzubieten. Die Anzahl der Schüler, die diesen Unterricht besuchen, ist schlicht zu klein, oder es fehlt an Religionspädagogen. Hier droht der einst als Alternative zum Religionsunterricht gedachte Ethikunterricht alternativlos zu werden.

Der immer größer werdenden Bedeutung des Ethikunterrichts trägt das bayerische Kultusministerium bisher nicht Rechnung. Es scheint, als sehe man dort das Fach Ethik wie ein Beschäftigungsprogramm für eine Minderheit von Kindern, die nicht wie ihre Altersgenossen den Religionsunterricht besuchen. Für das Fach Religion werden professionell ausgebildete Lehrkräfte eingesetzt, das Fach Ethik hingegen wird zu 95 Prozent fachfremd unterrichtet, da adäquate Ausbildungsmöglichkeiten und verbindliche Richtlinien hierfür fehlen. So wundert es nicht, dass auch engagierte Lehrkräfte sich mit dem Ethikunterricht schnell überfordert fühlen und die Qualität des Unterrichts zu wünschen übrig lässt. Dabei verlangt gerade der Ethikunterricht eine fundierte didaktische Ausbildung der Lehrenden, da fachliche Kompetenz und deren Vermittlung hierbei vollkommen unterschiedliche Anforderungen an die Lehrenden stellen.

Der BEV sieht hier dringenden Handlungsbedarf. "Wo soll das hinführen, wenn ein immer größerer Teil der Schülerschaft nur eine zweitklassige Grundlagenausbildung für die Entwicklung moralischen Urteilens und Handelns erfährt? – Es verschärft die Probleme in unserer Gesellschaft und stellt letztlich unsere Demokratiefähigkeit in Frage", mahnt Martin Löwe, der Landesvorsitzende des BEV. Der BEV fordert deshalb das Fach Ethik in Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte anderen Fächern gleich zu stellen.


Der Bayerische Elternverband ist der Verband für alle Eltern in Bayern. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden. www.bayerischer-elternverband.de


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