Ferien zur Erholung dringend nötig
Die kommenden Ferien haben die Lehrerinnen und Lehrer des Landes dringend nötig. Der Krankenstand in dieser Berufsgruppe ist neuen Erkenntnissen zufolge in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegen. So lag die Zahl der durchschnittlichen Krankentage im Schuljahr 2008/2009 noch bei 21,5 Tagen und stieg im Schuljahr 2010/2011 auf 30,3 Tage an.
19.06.2012 Pressemeldung GEW Mecklenburg-Vorpommern"Die Ursachen sind aus unserer Sicht ganz eindeutig in der hohen Arbeitsbelastung der Lehrkräfte zu suchen", sagt Annett Lindner, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern. "Es kann nicht ohne Folgen bleiben, wenn von den Kolleginnen und Kollegen wöchentlich bis zu 50 Stunden geleistet werden müssen und dies fast völlig ohne einen ausreichenden Gesundheitsschutz".
So seien die Pädagogen aus zweierlei Sicht besonders gefährdet: Zum einen belastet die Tätigkeit physisch. Hier geht es insbesondere um einen Lärmschutz oder fehlende Erholungsmöglichkeiten und eigene Arbeitsplätze. "Als Lehrer stehen sie förmlich unter Dauerbeschuss. Sie kommen aus dem lauten Klassenraum in ein Großraumbüro, das Lehrerzimmer, und sollen dort an einem Tisch bspw. mit fünf weiteren Kolleginnen und Kollegen die letzte Stunde nach- und die nächste vorbereiten. In ihrem kleinen Briefkasten stapeln sich derweil die Aufgaben, die sie dank der selbständigen Schule ebenfalls noch absolvieren müssen, gemeinsam mit den Angeboten für den nächsten Wandertag oder, oder…". In der Konsequenz nehmen die PädagogInnen die Arbeit mit nach Hause und machen keinen echten Feierabend. Meist käme hier das zweite Problem zum Tragen – die psychische Komponente. Viele der Lehrerinnen und Lehrer schalten nicht mehr ab. Sie haben einen hohen pädagogischen Anspruch an ihre Arbeit und kümmern sich bei wiederkehrenden Problemen der ihnen anvertrauten Kinder auch noch in der Freizeit um mögliche Lösungen.
Der hohe Krankenstand zieht für das Land große Probleme nach sich. Die daraus entstehenden Kosten sind im vergangenen Schuljahr um 20 Prozent (1,639 Millionen Euro in absoluten Zahlen) angestiegen. Viele Stunden fallen aus, weil wegen der ohnehin zu geringen Anzahl von Lehrkräften keine KollegInnen mehr zur Verfügung stehen. "Ein Ende ist hier, trotz des 10-Punkte-Plans aus dem Ministerium, nicht abzusehen", resümiert Annett Lindner. "Dazu sind die Angebote und der Beruf an sich zu unattraktiv in unserem Bundesland".
Sie selbst ist Mitglied in der Arbeitsgruppe Attraktivität des Lehrerberufes. In der bisher nach ihrer Aussage schon viele gute Vorschläge diskutiert wurden. Abschließende Ergebnisse kann die Gewerkschafterin noch nicht nennen, zumindest aber ein erstes Fazit ziehen: "Ohne mehr Geld im System wird es nicht gehen". Die genannten Zahlen würden aber auch Einsparpotential zeigen, wenn man den Gesundheitsschutz verbessere. "Wir fordern deshalb ein Konzept zur Verbesserung der Lehrergesundheit ein", ergänzt Annett Lindner und verweist darauf, dass man hierzu im Gespräch mit dem Ministerium sei.
Darüber hinaus halte man an der Forderung nach einer tarifvertraglichen Regelung der Arbeitszeit fest. Nun sollten sich die Kolleginnen und Kollegen zunächst erholen, um die anstehenden Aufgaben zu meistern. Eine weitere "Großbaustelle" der Bildungspolitik in M-V bleibe die Umsetzung der Inklusion. "Wir fordern das Ministerium auf, diese bedingungslos und einhergehend mit ausgereiften Konzepten, umzusetzen. Auf eine Verwässerung des Inklusionsbegriffes, hin zur "gut gemachten Integration" muss das Ministerium unbedingt verzichten!", ansonsten so befürchtet man bei der Bildungsgewerkschaft, entstünde langfristig wieder ein Flickwerk von Maßnahmen.
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