Flächendeckende Ganztags- und SchuB-Angebote sind Konsens
Dem Erfahrungsaustausch und Erörtern bildungspolitischer Themen diente ein gemeinsames Gespräch der Hessischen Kultusministerin Karin Wolff, mit Markus Römer und Jürgen Röder von den zwei großen Industriegewerkschaften Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und IG Metall heute in der IG-Metall-Bildungsstätte in Bad Orb. Ziel war auszuloten, wo Fragen Politik und Gewerkschaften in der Bildungspolitik künftig enger zusammen arbeiten können.
16.03.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenEinen breiten Raum nahm die Erörterung der Probleme von Hauptschülerinnen und Hauptschülern, insbesondere beim Finden von Ausbildungsplätzen ein. Das von der Ministerin für Hessen favorisierte Konzept der SchuB -Klassen begrüßten die Gewerkschaften als bemerkenswerten pädagogischen Ansatz zum stärkeren Verknüpfen von Schule und Betrieb. Dadurch stiegen die Ausbildungsplatz-Vermittlungschancen für Schülerinnen und Schüler, die SchuB-Maßnahmen durchlaufen haben.
Das von Karin Wolff angekündigte flächendeckende Einführen von SchuB-Klassen für alle Hauptschülerinnen und Hauptschüler stieß auf Zustimmung. Aus Sicht der Gewerkschaften müssen weitere Schritte folgen. Ihre Vertreter plädierten für ein möglichst langes gemeinsames Lernen in integrierten Schulsystemen. So führt Wolf Jürgen Röder als für Bildung zuständiges IG-Metall-Vorstandsmitglied aus: "Auch Hessen wird an den Vorteilen des langen gemeinsamen Lernens auf Dauer nicht vorbei können."
Die von der Landesregierung angestrebte flächendeckende Einführung der Ganztagsschule wurde begrüßt, auch wenn die verschiedenen Konzepte unterschiedlich bewertet werden: Die Schule müsse – in Hessen wie in anderen Bundesländern – ihren Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten. "Damit Familie und Beruf besser vereinbar werden", so Karin Wolff, "gehe ich davon aus, dass bis Mitte des nächsten Jahrzehnts alle hessischen Schulen über ein freiwilliges Ganztagsangebot von 7:30 bis 17:30 Uhr verfügen." Eltern und Gewerkschaften rief sie dazu auf, daran mitzuarbeiten, das hessische Ganztagsangebot mit bereits 406 Schulen qualifiziert weiter zu entwickeln. Die Unterrichtsgarantie – darin waren sich die Gesprächspartner einig – dürfe keinesfalls nur auf dem Papier stehen.
Zweiter Schwerpunkt des Gesprächs waren Fragen der Weiterbildung. "Berufliche Fort- und Weiterbildung hat für die Gewerkschaften einen hohen Stellenwert. Weiterbildung darf jedoch nicht auf berufliche Weiterbildung beschränkt werden", erklärte Markus Römer für die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Politische und kulturelle Bildung seien für die Entwicklung einer Zivilgesellschaft unabdingbar.
Die Staatsministerin und die Industriegewerkschaften betonten angesichts zunehmend geringerer Wahlbeteiligungen die Bedeutung des Förderns der politischen Bildung. IG Metall und die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie begrüßten die hessische Initiative, das lebensbegleitende Lernen ins Zentrum der Politik zu stellen. IG-Metall-Vorstand Wolf Jürgen Röder schlug einen Runden Tisch vor, um Inhalte und Ziele des Systems lebensbegleitendes Lernen gemeinsam zu erarbeiten. Dabei müsse auch die politische Weiterbildung einen wichtigen Stellenwert erhalten.
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