Früh die Sprache des Nachbarn erlernen

Das seit dem Jahr 2000 im Saarland und im Departement Moselle erfolgreiche Pilotprojekt zur "Qualifizierung und zum Austausch von jungen Erzieherinnen und dem Saarland zur Vermittlung bilingualer und bikultureller Kompetenzen" wird in einer zweiten Phase bis August 2008 fortgesetzt und ausgeweitet.

16.03.2006 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

"In der frühen Förderung des Fremdsprachenerwerbs sind Lothringen und das Saarland europaweit Vorreiter", bekräftigten Philippe Leroy, Präsident des Conseil Général und Kultusminister Jürgen Schreier anlässlich der heutigen (16.3.06) Auftaktveranstaltung des von der Europäischen Union geförderten INTERREG IIIA Programms. Die Projektpartner sind - wie bereits in der ersten Phase - der Conseil Général de la Moselle in Zusammenarbeit mit der Inspection Académique der Moselle und das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft sowie die Christliche Erwachsenbildung Merzig-Hilbringen.

In der zweiten Projektphase sollen die Angebote im Bereich grenzüberschreitender Fortbildung intensiviert werden. Ziel ist es, langfristig eine deutsch-französische Fortbildungsakademie ins Leben zu rufen. Im Rahmen einer Recherche in den Partnerländern über weitere bilinguale Programme zur frühkindlichen Förderung soll neben einer Bestandsaufnahme auch eine Auswertung der bestehenden Angebote erfolgen. Längerfristig ist angedacht, die saarländisch-lothringischen Erfahrungen in einem pädagogischen Konzept zusammenzufassen und dieses auch anderen Grenzregionen zur Verfügung zu stellen.

23 Kindergärten, 18 Ecoles Maternelles und 5 Ecoles Primaires nehmen an dem in dieser Form europaweit einmaligen Pilotprojekt teil. Es wird in Partnerschaft mit dem Département de la Moselle und mit Unterstützung des Saarländischen Kultusministeriums, der deutschen und französischen Arbeitsverwaltung, der Inspection Academique der Moselle, den beteiligten französischen Gemeinden, den Trägern der beteiligten saarländischen Kindergärten und der CEB durchgeführt.

Jürgen Schreier: "Das Projekt hat Vorbildcharakter für das Leben und Arbeiten in der Grenzregion. Kinder, Eltern und Erzieher erlernen die Sprache des Nachbarn und erhalten damit gleichzeitig auch einen Einblick in die jeweils andere Kultur. Das Projekt fördert die bilinguale Erziehung von Kindern und kann damit richtungweisend für andere europäische Grenzregionen sein."

Philippe Leroy fügt hinzu: "Cette action concentre tous les avantages que l'on prête au bilinguisme: il ouvre à une autre culture, il enrichit l'enseignement donné comme l'enseignement reçu, il donne une meilleure formation au personnel, il crée des emplois et donne des emplois. Enfin, il profile notre région jumelle Sarre-Moselle en Europe." ("In diesem Angebot sind alle Vorteile einer zweisprachigen Erziehung konzentriert: Es öffnet den Blick auf eine andere Kultur, bereichert sowohl die Lehrenden als auch die Lernenden, verbessert die Weiterbildung der Fachkräfte, entwickelt Arbeitsmöglichkeiten und schafft neue Arbeitsplätze und gibt letztendlich unserer gemeinsamen Region Saar-Moselle europaweit ein besonderes Profil.")

In den vergangen fünf Jahren haben über 10 000 Kinder im Departement Moselle und im Saarland bereits im Kindergarten die Sprache ihres Nachbarlandes erleben und erfahren können. Kultusminister Jürgen Schreier: "Dieses Projekt lebt den Alltag in einer Grenzregion. Die Erzieherinnen und Erzieher geben als Botschafter ihre eigene Sprache und Kultur im Partnerland bereits an Kleinkinder weiter."

Seit Sommer 2000 wurden deutsche und französische Erzieherinnen und Erzieher im Saarland von der CEB und im Departement Moselle von der Inspection Academique betreut. Sie erlernen die Sprache des jeweiligen Nachbarn und werden in methodischen und didaktischen Fragestellungen geschult, um ihre zukünftigen Chancen auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zu verbessern. Finanziert wurde das Projekt durch das europäische INTERREG IIIA Programm sowie mit Hilfe von Zuschüssen aus dem Saarland und Frankreich.

Die französischen Teilnehmer der berufsbegleitenden pädagogischen Weiterqualifizierung im Saarland erhalten heute ihre Teilnahmezertifikate. Die deutschen Erzieherinnen, die ebenfalls an einer berufsbegleitenden Weiterbildung in Frankreich teilgenommen haben, erhalten ihre Teilnahmezertifikate am morgigen Freitag (17.3.06) in Metz im Rahmen eines Fachforums für deutsche und französische Sprachassistenten aus dem Saarland und der Moselle. Das Zertifikat wird vom Lehrerseminar IUFM de Lorraine ausgestellt. Damit erhalten die deutschen Erzieherinnen die Berechtigung, als Sprachassistenten für Deutschunterricht in Frankreich zu arbeiten.

Ein weiteres Treffen zwischen Kultusminister Jürgen Schreier und dem Präsidenten des Conseil Général, Philippe Leroy, ist für Herbst 2006 im Departement Moselle geplant.


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