Brandenburg

Frühere Beschäftigung mit DDR-Geschichte im Unterricht

Ab dem neuen Schuljahr gelten neue Rahmenlehrpläne für die Fächer Geschichte und Politische Bildung in der Sekundarstufe I für alle Schülerinnen und Schüler an Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien im Land Brandenburg. Bildungsminister Holger Rupprecht begrüßt die Überarbeitung beim Thema deutsch-deutsche Geschichte. "Die Nachkriegs- und DDR-Geschichte und die deutsche Teilung sind zwar schon jetzt verbindlich vorgegeben - ich halte ich es aber für unerlässlich, dass sich die Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig und bei geeigneten Themen auch über die Schullaufbahn verteilt mit unserer jüngeren Geschichte auseinandersetzen", so der Minister. Er verwies darauf, dass die Kultusministerkonferenz auf Anregung Brandenburgs im vergangenen Jahr einen Antrag verabschiedet habe, um die Demokratieerziehung an den Schulen zu stärken und die Vermittlung der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts zu intensivieren.

04.08.2010 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

In den überarbeiteten Rahmenlehrplänen für Geschichte und Politische Bildung ist verbindlich geregelt, dass die Schülerinnen und Schüler bereits ab Klasse 7 in unterschiedlichen thematischen Kontexten Kenntnisse zur DDR-Geschichte erwerben. Während der Doppeljahrgangsstufe 7/8 sind im Unterrichtsfach Geschichte themenbezogen historische Entwicklungen zu behandeln, die Bezug auf die DDR nehmen. Geschichtslehrer unter anderem Themen wie 'Schule in der Diktatur und in der Demokratie' oder 'Plan- und Marktwirtschaft' auswählen. Im Fach Politische Bildung sollen Themen wie 'Menschenrechte' oder 'Jugend und Politik' mit Bezügen zur DDR ergänzt werden - durch die Möglichkeit von Vergleichen sollen Schülerinnen und Schüler zu eigenständigen und kritischen Urteilen zur DDR gelangen. Zudem ist künftig auch der Besuch von außerschulischen Lernorten eine verbindliche Vorgabe.

"Bei der Überarbeitung der Rahmenlehrpläne haben wir neben Lehrkräften, Fachberatern und Experten aus Wissenschaft und Verbänden, auch den Landesschulbeirat und die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, einbezogen und Hinweise aufgegriffen", so Rupprecht. "Ich gehe davon aus, dass jeder, der die Schule nach der 10. Klasse verlässt, etwas über die DDR im Unterricht gelernt hat."

Zu Beginn des Schuljahrs erhalten die Schulen in Berlin und Brandenburg zudem neues Material zum Thema DDR. Die Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin e.V. und das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) haben die Arbeitsmappe "Opposition und Repression in der DDR" herausgegeben. Sie zeigt am familienbiografischen Beispiel des Theologen Stephan Bickhardt den engen Zusammenhang von Herrschaft und Alltag in der DDR. Stephan Bickhardt hat in den 80er Jahren aktiv in oppositionellen Gruppen der DDR gewirkt und bekam deshalb staatliche Repressionen zu spüren. Gefördert wurde das Projekt durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

"Die Arbeitsmappe unterstützt Lehrkräfte bei der Ausgestaltung ihres Unterrichts zum Thema DDR-Geschichte", so Berlins Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner und Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht. "Die Publikation nutzt Zeitzeugeninterviews, Akten- und Archivauswertung sowie Interviews und Fotos - dadurch wird die Vergangenheit lebendig präsentiert. Sie ist hervorragend geeignet, um sich mit dem Thema "20 Jahre deutsche Einheit' nicht nur in Geschichte oder Politische Bildung, sondern auch fachübergreifend in Deutsch oder Musik oder im Rahmen einer Projektwoche auseinanderzusetzen."

Außerdem wird den Schulen auf Grund der hohen Nachfrage die Publikation "Friedliche Revolution 1989/1990 - Quellen. Fragen. Kontexte" in einer zweiten Auflage zur Verfügung gestellt. In der vom Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und dem LISUM veröffentlichten Broschüre werden Ursachen und Verlauf des Wandels dargestellt: Von Perestroika bis Maueröffnung, von den Oppositionsgruppen in der DDR bis zu den ersten freien Volkskammerwahlen 1990.


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