Bayern

Frühstücksprojekt "denkbar" in voller Fahrt

Über 100 Schulen in Bayern haben sich bislang an dem Schulfrühstücksprojekt "denkbar" beteiligt. "Landesweit haben wir über 4.000 Kinder an allen Schularten erreicht und dafür gesorgt, dass sie nicht mit knurrendem Magen im Unterricht sitzen", freut sich die Initiatorin und Vizepräsidentin im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Waltraud Lucic.

04.03.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Sie zog heute, ein gutes Jahr nach dem Start in München, eine erste Bilanz. Der Bedarf sei groß. "Wir könnten noch wesentlich mehr Schulen begleiten, doch wir brauchen dafür erneut Unterstützung." Die zur Verfügung gestellten Kapazitäten seien bald aufgebraucht. "Die Zahl der Kinder, die hungrig in die Schule gehen und nicht ausreichend zu essen bekommen, wächst offensichtlich auch im reichen Bayern", betonte Lucic und appellierte an die Staatsregierung, solche Informationen nicht einfach hinzunehmen, sondern zu handeln. Armut grenze aus - Ausgrenzung dürfe aber in einem christlich-sozialen Bundesland nicht toleriert werden. "Wir waren zwar schon vor Projektbeginn davon ausgegangen, dass in einigen Schulen bis zu 70% der Kinder mit leerem Magen im Unterricht sitzen würden, sind dann aber doch erschrocken, wie konsequent unsere Einschätzung bestätigt wurde." Ziel der "denkbar" sei es, pragmatisch und unbürokratisch zu helfen. Auf den Weg gebracht haben die "denkbar" die Benefizaktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks in Kooperation mit der BLLV-Kinderhilfe. Das Schulfrühstück wird auch vom Bayerischen Kultusministerium in Form von Anrechnungsstunden unterstützt.

Lucic wies jedoch darauf hin, dass das BLLV-Projektteam aufgrund der großen Nachfrage an seine Grenzen stoßen würde. Die Anrechnungsstunden habe das Kultusministerium für kommendes Jahr zwar zugesagt, dennoch sei es jedes Jahr eine Zitterparty, ob das Team weiter arbeiten könne. Die Finanzierung von 680.000 Euro der Benefizaktion Sternstunden sei bald aufgebraucht. "Wir wollen weitermachen und noch mehr Schulen ins Boot holen, dafür brauchen wir aber kontinuierliche und verlässliche Unterstützung", sagte Lucic und appellierte an das Kultusministerium, das wichtige Projekt weiterhin zu unterstützen. "Unser Wunsch wäre es natürlich auch, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen." Der BLLV wolle weiterhin für die Umsetzung verantwortlich sein und stelle Büro und Logistik zur Verfügung.

Derzeit leben rund 150.000 Mädchen und Jungen an der Armutsgrenze - jedes vierte Kind in Bayern. "Viele von ihnen haben nicht genug zu essen und nehmen auch nicht an einem kindgerechten Leben teil, weil es sich ihre Eltern nicht leisten können. Wir wissen, dass Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien anhaltend mangelernährt sind und oft hungrig in die Schule oder in den Kindergarten kommen." Sie seien unkonzentriert und schnitten im Leistungsvergleich deutlich schlechter ab als gut versorgte.

"Wie sich herausgestellt hat, gibt es aber auch viele Kinder aus besser gestellten Familien, die allein gelassen werden und ihren Alltag mehr oder weniger selber bewältigen müssen", betonte Lucic. Das Schulfrühstück "denkbar" wende sich deshalb an alle, die Hilfe brauchen und Hilfe annehmen wollten. "Unser Ziel ist es, eine flächendeckende und schulartübergreifende Versorgung aufzubauen, wobei die Schulen die Freiheit haben, die finanziellen Zuwendungen so einzusetzen, wie es vor Ort am sinnvollsten ist." Armut und Verwahrlosung seien leider in vielen Familien zum Thema geworden - "wir dürfen das nicht ignorieren, sondern stehen in der Pflicht zu helfen."

Umso erfreulicher sei es, dass sich mittlerweile viele Schulen - vor allem Grund-, und Mittelschulen, aber auch einige Förderzentren, Realschulen, Gymnasien und Kinderbetreuungseinrichtungen - an dem Schulfrühstück beteiligen. Die Vorgehensweise habe sich bewährt:

"Die Schulen können Bedarf anmelden und erhalten vor allem konzeptionelle Unterstützung, um allen Kindern, die zu Hause kein Frühstück bekommen, einen gesunden Imbiss anbieten zu können", erklärte Lucic. Wie das Frühstück zubereitet, wo und wann es eingenommen werde, regle die Schule selbst. Begleitet werde das Ernährungsprojekt von "Frühstückslotsen", die vor Ort beim Organisieren helfen, sich um Details kümmern und die Lehrkräfte entlasten. Sie erhalten für ihren Einsatz eine geringe Aufwandsentschädigung. Die Heranwachsenden erhielten Informationen über ganzheitliche Lebensweise. "Von Anfang an wurde den Schulen bei Gestaltung und Durchführung des Schulfrühstücks kein allgemeinverbindliches Patentrezept an die Hand gegeben. Wie sich zeigt, kommen an den geförderten Schulen unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Organisationen und Gruppierungen als Frühstückslotsen zum Einsatz. Senioren, Eltern, Verwandte helfen mit, genauso wie Lehrkräfte, Fördervereine, Kirchen oder Jugendliche, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. Wichtig ist uns lediglich, dass die Kinder einen Bezug zum jeweiligen Frühstückslotsen aufbauen können - nur so werden sie gerne am Schulfrühstück teilnehmen."


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