Aufruf

G8 soll bleiben - mit weniger Unterrichtsstunden

(red) Weniger Pflichtstunden und mehr individuelle Unterstützung für die Schüler – das fordern Bildungsexperten von der Kultusministerkonferenz. Ihr Ziel: Die Rettung des achtjährigen Gymnasiums.

10.06.2014 Artikel
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In einem "Aufruf zur Versachlichung der Debatte um G8 / G9" warnen die Unterzeichner - Hochschulprofessoren, Arbeitgeberfunktionäre, GEW-Vorstandsmitglieder, Schulleiter und ehemalige Minister – vor der Rückentwicklung zum neunjährigen Gymnasium. Dies würde den Schulen noch einmal eine ähnliche Anstrengung wie bei der Umstellung auf G8 abverlangen auf Kosten einer schulinternen Weiterentwicklung von Unterricht und Schulleben.

Stattdessen solle die Kultusministerkonferenz prüfen, wie die Mittelstufe des Gymnasiums entlastet werden könne. Etwa durch die Verringerung der notwendigen Unterrichtsstunden bis zum Abitur von 265 auf 260 Stunden. Jeder Schüler hätte dann in der Mittelstufe rechnerisch eine Stunde pro Woche weniger Unterricht. Die Schulen könnten so den Umfang des Nachmittagsunterrichts deutlich begrenzen oder in den unteren Jahrgangsstufen gegebenenfalls ganz darauf verzichten. Frei werdenden Ressourcen müssten in den Schulen bleiben und könnten für individuelle Angebote genutzt werden, um die zunehmend heterogene Schülerschaft der Gymnasien zu fördern und herauszufordern.

Sie seien sicher, so die Unterzeichner, dass eine solche Initiative der Kultusministerkonferenz den Schulfrieden, die Mobilität in Deutschland, die Vergleichbarkeit, die Standards und die Weiterentwicklung der Qualität schulischer Arbeit sichern könnte. Vor allem aber diene sie den Schülerinnen und Schülern, ihrer Motivation und Lernfreude und guten Leistungsergebnissen.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger hingegen hat den Aufruf kritisiert "als letzten verzweifelten Versuch, das G8 in den alten Bundesländern zu retten". "Schon heute zählt Deutschland zu den drei Ländern unter den Industriestaaten der OECD, die ihren Schülern bis zum Abitur den wenigsten Unterricht bieten, nämlich rund 9.400 Vollzeitstunden gegenüber einem OECD-Mittel von 11.500 Vollzeitstunden. PISA-Begleituntersuchungen haben gezeigt, dass Beschulungsdauer und Kompetenzerwerb sehr wohl in einem Zusammenhang stehen", betonte Meidinger.


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