Gesamtschulen ohne Oberstufe?

"Wer die grundsätzliche Abschaffung der Oberstufe an Gesamtschulen fordert, weil sie angeblich zu ineffektiv ist, blendet große Teile der Wirklichkeit bewusst oder unbewusst aus und pauschalisiert", so Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE NRW. "Wie effizient Schulen arbeiten, zeigt sich unter anderem auch daran, wie viele Kinder und Jugendliche sie lange vor dem Erreichen der Sekundarstufe II an andere Schulformen abgeben, statt sie effektiv zu fördern."

24.04.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Der FDP-Vorstoß richtet sich ausschließlich gegen die Schulform Gesamtschule, ohne deren Situation im Schulsystem mit zu beleuchten. Das führt zu Verzerrungen und eingeschränkten Wahrnehmungen. Beispielsweise wird nicht gesagt, dass der überwiegende Teil der Hauptschulabsolventen, der in die Sekundarstufe II übergeht, seinen Bildungsweg an einer Gesamtschule fortsetzt. Darüber hinaus führen die Gesamtschulen eine hohe Zahl von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zum Abitur.

"Die Landesregierung fordert selbst die Erhöhung der Durchlässigkeit des Systems nach oben", so Beckmann. "Es wäre in diesem Zusammenhang angebracht, auch zu veröffentlichen, was die Sekundarstufe II der Gesamtschulen seit ihrem Bestehen dazu beigetragen hat."

Der VBE würde eine breit angelegte wissenschaftliche Studie über die Effizienz des nordrhein-westfälischen Schulsystems sehr begrüßen. Es wäre ausgesprochen sinnvoll, einmal genau zu analysieren, welche Schulformen die meisten Kinder abgeben bzw. warum es überhaupt so viele Schulformwechsler gibt. Im zweiten Schritt sollte dann ein breit angelegter, ergebnisoffener Dialog zwischen Politik, Wissenschaft, Eltern- und Lehrerorganisationen geführt werden.

"Sich auf eine Schulform zu stürzen und diese zu diffamieren, löst ganz sicher nicht die Probleme, die wir in NRW haben", so Beckmann abschließend. "Das trägt weder zur Versachlichung der Diskussion über das beste Schulsystem noch zur Verbesserung des Systems etwas bei. Diese Herangehensweise missachtet außerdem die Leistungen der Lehrerinnen und Lehrer an Gesamtschulen."


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