GEW zu Baumert-Äußerungen: "Karnevalistisches Getöse eines bildungspolitischen Aschermittwochs"
Die GEW Bremen hat in einem Brief den Bildungsforscher Jürgen Baumert aufgefordert, seine Äußerungen, zitiert im Weser-Kurier am 7.2., zu korrigieren. Sollte Herr Baumert allerdings richtig wiedergegeben worden sein, unterschreite er damit ein intellektuelles Niveau, das selbst in Bremens Bildungslandschaft nicht leicht zu finden sein dürfte. Zusammengefasst lautet seine These: "Bremer Lehrer sind schuld!" Diese Simplifizierung bremischer Bildungspolitik reihe sich ein in die Alt-Kanzler-Linie der "faulen Säcke" und schien längst überwunden. Die von Baumert gezogenen Konsequenzen sind einzuordnen als karnevalistisches Getöse eines bildungspolitischen Aschermittwochs", so die Landesvorstandssprecher der Bildungsgewerkschaft GEW Elke Baumann, Christian Gloede-Noweck und Bernd Winkelmann.
07.02.2008 Bremen Pressemeldung GEW BremenNicht die Schule, sondern die Schulstruktur sowie eine unzureichende frühkindliche Bildung seien das Grundproblem, übrigens nicht nur in Bremen, sondern in der gesamten Republik. Auch das hätte PISA deutlich gemacht. Die frühe Selektion nach Klasse vier, zu große Klassen und eine zu hohe Arbeitsbelastung bei zu wenig pädagogischem Personal seien die Hauptfaktoren für die schlechten Ergebnisse. Diese beförderten in erster Linie den eklatanten Negativ-Zusammenhang von Bildungschancen und sozialer Herkunft, so die Sprecher weiter.
Darüber hinaus fehle es an einem altersmäßigen Mittelbau durch jahrelangen Einstellungsstopp. Dies sei mitverantwortlich für fehlende Innovation an Schulen, neben den immer weiter gestiegenen Arbeitsanforderungen. Die von Baumert geäußerte Kritik an der "Grundhaltung zur Wissensvermittlung" sei perfide, so die Sprecher der GEW. Aufgrund vieler sozialer, familiärer und emotionaler Probleme stünde oftmals eben diese Wissensvermittlung nicht im Vordergrund sondern die Grundlegung von Lernbereitschaft. Gerade dies zeichne viele Lehrkräfte als besonders verantwortungsbewusst aus.
Die einzige Konsequenz aus den von Baumert zum Teil richtig evaluierten Problemen kann aus Sicht der GEW nur der Einstieg in die Schule für Alle mit deutlich kleineren Klassen sein. Diese, so selbst Baumert, befördern den Lernfortschritt. Größere Klassen zu fordern mit noch mehr Unterricht an Samstagen und in Ferien konterkariert nicht nur alle Folgerungen aus PISA, sondern negiert in besonderer Weise die Arbeitsbelastungen von Lehrern und Schülern. Dies klinge mehr nach einem Aprilscherz als nach erstzunehmender Bildungsforschung. Wer sich von Baumert beraten ließe, so die GEW abschließend, ist falsch beraten und zementiere soziale Auslese und Bildungsarmut.
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