GEW zum Rahmenkonzept der Schulreform

"Unser Maßstab ist klar: Die Reform muss sich an der besten Schule messen lassen – an der einen Schule für Alle", kommentiert Klaus Bullan das gestern von der Bildungdsbehörde vorgestellte Rahmenkonzept zur Schulreform. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft/GEW Hamburg stellt klar: "Wir unterstützen alle Schritte, die zu längerem gemeinsamem Lernen führen oder führen können, d. h. den Weg dahin offen halten bzw. nicht verbauen. Alles, was frühe Trennung oder soziale Selektion festschreibt oder die Möglichkeit dafür eröffnet, bekämpfen wir."

03.02.2009 Hamburg Pressemeldung GEW Hamburg

Die GEW unterstütze grundsätzlich die Absicht, mit der Einführung der Primarschulen das längere gemeinsame Lernen auf sechs bzw. sieben Jahre zu erhöhen, so Bullan. Dies könne ein Schritt in die richtige Richtung sein, wenn bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt werden:

Bullan: "Das Rahmenkonzept betont die organisatorische und pädagogische Eigenständigkeit der Primarschulen, lässt aber die Möglichkeit der räumlichen Angliederung an weiterführende Schulen ab Klasse 1 bzw. ab Klasse 4 ausdrücklich zu. Auch wenn damit keine Vorentscheidung für die weitere Schullaufbahn intendiert ist, so ist doch aus Sicht der GEW die Gefahr gegeben, dass durch die räumliche Nähe zur weiterführenden Schule eine solche Entwicklung befördert wird. Deshalb ist die auch räumliche Eigenständigkeit aller Primarschulen für uns von höchster Priorität. Weiterhin wird es bei der konkreten Ausgestaltung der Reform darauf ankommen, dass die Aufteilung in leistungsstärkere und leistungsschwächere SchülerInnen grundsätzlich vermieden wird, dass wirklich an allen Primarschulen Gymnasiallehrkräfte unterrichten und dass die Profilbildungen nicht zu Vorentscheidungen über die Schullaufbahn führen. Die Absichtserklärungen dazu im Rahmenkonzept begrüßen wir."

Das Aufnahmeverfahren für die jeweilige Primarschule, Stadtteilschule oder das Gymnasium ist aus Sicht der GEW ungeklärt. Das Wohnortprinzip ist als wichtigstes Kriterium unerlässlich – zumindest wenn die Zahl der Bewerbungen die der Plätze übersteigt. Ebenso bleibt im Rahmenkonzept die Zügigkeit der weiterführenden Schulen offen. Die GEW wird darauf dringen, dass dies in erster Linie nach den pädagogischen Notwendigkeiten und nicht nach anderen Kriterien entschieden wird.

Integrative Schulstrukturen in der Sekundarstufe statt Zwei-Säulen-Modell

Die Aufteilung nach der sechsten Klasse in Stadtteilschulen und Gymnasien lehnt die GEW ab. Bullan: "Wir sind davon überzeugt, dass damit die soziale Selektion nicht aufgehoben und wirkliche Gleichwertigkeit beider Bildungsgänge nicht erreicht werden kann." Die GEW strebe deshalb an, dass in den 22 Schulregionen auch in der Sekundarstufe vorrangig integrative Schulstrukturen eingerichtet werden, d.h. kein Nebeneinander von Stadtteilschulen und Gymnasien entsteht. Schulregionen, in denen künftig nur integrative Bildungsgänge angeboten werden, müssen von der Bildungsbehörde besonders gefördert werden.

Eine entsprechende Aussage für die Priorität integrierter bzw. inklusiver Bildungsgänge fehlt im Rahmenkonzept. Bei der Ausgestaltung von Stadtteilschulen und Gymnasien ist darauf zu achten, dass beide Schulformen alle Bildungsabschlüsse für ihre SchülerInnen offen halten. In diesem Zusammenhang begrüßt die GEW die Absicht, dass alle Stadtteilschulen Bildungsgänge bis zum Abitur nach 13 Jahren anbieten sollen.

Grundsätzlich müssen aus Sicht der GEW die Berufsorientierung sowie die Zusammenarbeit mit den beruflichen Schulen nicht nur vorrangig in den Stadtteilschulen, sondern auch an den Gymnasien angeboten werden, die gleiche Mindestzügigkeit für Gymnasien wie für Stadtteilschulen gelten, Klassenwiederholungen in beiden Schularten grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Bullan: "Wir hätten uns einen expliziten Hinweis darauf gewünscht, dass die Stadteilschulen an den Prinzipien des gemeinsamen Lernens der integrierten Gesamtschulen orientiert sind."

Ansprechpartner

GEW Hamburg

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden