"Grenzen überwinden – Zusammenarbeit organisieren" - Zweitägige Fachtagung der Kultusministerkonferenz zum Übergang Schule – Beruf

Ein erfolgreicher Übergang von der Schule in das Erwerbsleben ist von entscheidender Bedeutung für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe junger Menschen wie auch für die Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland.

29.11.2012 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

Auf einer heute in Hamburg zu Ende gegangenen zweitägigen Fachtagung zum Bereich Übergang Schule – Beruf: "Grenzen überwinden – Zusammenarbeit organisieren" hat die Kultusministerkonferenz den Stand der Entwicklung und die Angebote im Übergang Schule – Beruf bilanziert. So wurden bisherige Erfahrungen mit der Neugestaltung des Übergangs reflektiert, um daraus Folgerungen für die Optimierung der Maßnahmen und Angebote im Übergangsbereich abzuleiten und dabei neue Impulse für die länderübergreifende Zusammenarbeit gesetzt.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe, betonte: "Die zentrale bildungs- und sozialpolitische Herausforderung besteht darin, allen Jugendlichen den Übergang in Ausbildung und Beruf zu ermöglichen. An diesem Ziel müssen alle mitwirken, die in dieser Zeit mit den Jugendlichen arbeiten: Schule, Ausbildungsbetriebe, Kommunen, Jugendhilfe und Arbeitsagentur. Dabei stehen vier Punkte im Vordergrund:

  • Die Berufsorientierung an den allgemeinbildenden Schulen muss so weiterentwickelt werden, dass sie den Jugendlichen einen realistischen Eindruck davon vermittelt, was nach der Schule folgen kann. Sie müssen ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen einschätzen sowie die Realität in den Betrieben kennen lernen. Nur so können sie entscheiden, welche Ziele sie anstreben.

  • Die berufliche Ausbildung (dual und vollzeitschulisch) muss attraktiver werden: Sie muss für leistungsstarke Jugendliche zusätzlich zum beruflichen Abschluss den nächst höheren Schulabschluss und den Anschluss in den Aufstieg anbieten ("Dual plus").

  • Berufsschulische Bildungsgänge dürfen keine Warteschleifen sein. Berufsvorbereitende Maßnahmen für Jugendliche, die nicht den direkten Übergang in eine Ausbildung schaffen, brauchen Bildungsgänge, die ihnen einen Einblick in die berufliche Wirklichkeit verschaffen. Sie müssen in der betrieblichen Praxis verankert sein. Hier werden oft Fähigkeiten von Jugendlichen entdeckt, die in der Schule niemand gesehen hat – daraus entsteht neue Motivation und Leistungsfähigkeit.

  • Für diesen Übergangsprozess sind in Deutschland sehr viele Stellen zuständig. Die von ihnen angebotenen Maßnahmen waren in der Vergangenheit oft nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. So sind Jugendliche durchs Raster gefallen, obwohl gleichzeitig Schule und Jugendhilfe oder Arbeitsverwaltung mit ihnen gearbeitet haben. Hier ist ein zentraler Punkt, um das Übergangssystem zu optimieren. Der Jugendliche braucht einen verlässlichen Ansprechpartner. In Hamburg haben wir uns deshalb dafür entschieden eine Jugendberufsagentur aufzubauen, die den Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt und den Jugendlichen nicht damit beschäftigt, wer gerade für welche Maßnahme zuständig ist."

In sechs Foren wurden zentrale Handlungsfelder zum Übergang Schule - Beruf am Beispiel erfolgreicher Modelle in den Ländern in den Blick genommen, Bedingungen und Erfolgsindikatoren diskutiert und folgende Leitsätze daraus abgeleitet:

  1. Eine professionelle Gestaltung des Übergangs Schule-Beruf ist wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Start in das Berufsleben.
  2. Durch eine dualisierte Ausbildungsvorbereitung werden die Chancen für den direkten Weg in betriebliche Ausbildung erheblich verbessert.
  3. Die Anrechnung nachgewiesener Kompetenz auf eine sich anschließende Berufsausbildung steigert die Motivation und vermeidet redundante Qualifizierungen.
  4. Benachteiligte Jugendliche sind durch ein frühzeitiges Erkennen und die systematische Begleitung im Übergang Schule – Beruf zu unterstützen.
  5. Berufsorientierung, Beratung, Vermittlung und Begleitung der Jugendlichen werden als abgestimmtes System an einem Ort angeboten.
  6. Jedem Jugendlichen eine Chance auf Ausbildung oder Studium – Keiner darf verloren gehen!

Um diese Leitsätze erfolgreich umsetzen zu können, ist es wichtig, dass alle Akteure und Anbieter im Bereich Übergang Schule-Beruf Hand in Hand zusammenarbeiten: Die Kommunen, die Länder und der Bund, genauso wie die Schulen, die Wirtschaft und die Arbeitsagenturen. Nur gemeinsam lässt sich ein passgenaues, effektives und transparentes Übergangssystem für Jugendliche entwickeln, denen der direkte Einstieg in eine Berufsausbildung nach der allgemeinbildenden Schule nicht gelingt.

Die Ergebnisse der Fachtagung werden weiter ausgewertet und im nächsten Jahr von der Kultusministerkonferenz in die Arbeit des Nationalen Paktes für Ausbildung und Fachkräftesicherung 2010-2014 eingebracht.


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