(Grundschul-)Kinder brauchen "Nebenfächer"
In der modernen Wissens- oder Informationsgesellschaft, in einer globalisierten Welt, herrscht der Druck einer marktorientierten Produktivität. In der Grundschule erhalten ausschließlich die "Kernfächer" Deutsch und Mathematik von der Kultusbürokratie Aufmerksamkeit. Um der Bedeutung des Unterrichts im musischen und sportlichen Bereich Nachdruck zu verleihen, lud die GEW Hessen zur Grundschulfachtagung mit dem Titel "Umfassende Bildung = Unterricht nur in Kernfächern?" ein.
15.05.2007 Hessen Pressemeldung GEW HessenNach der Begrüßung durch den hessischen GEW-Vorsitzenden Jochen Nagel und Rosemarie Farnkopf vom Vorsitzendenteam der Landesfachgruppe Grundschule hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst Gelegenheit, thematische Schwerpunkte mit namhaften Referenten in Arbeitsgruppen zu diskutieren.
Professor Dr. Volker Scheid ging dabei der Frage zum Bereich Sport nach, "Bewegt sich die Schule?" Veränderte Lebensbedingungen wirken sich negativ auf die kindliche Bewegungswelt aus, Leistungsfähigkeit und Sportengagement nehmen ab. Seine Arbeitsgruppe gelangte zu dem Ergebnis, dass das Konzept der "Bewegten Schule" ein gutes Konzept ist, um Entwicklungsförderung durch Bewegung und Spiel zu betreiben.
Die Arbeitsgruppe von Dr. Magnus Gaul stellte sich im Bereich Musik die Frage, ob Musikunterricht in der Grundschule ein verzichtbarer Luxus sei oder eine Notwendigkeit. Seine Arbeitsgruppe beantwortete diese Frage eindeutig: Musikalische Elemente in der Grundschule sind wichtig für die Entwicklung der Kinder und Musik bereitet ihnen Spaß. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse würden aber im schulischen Alltag durch Fachkräftemangel und Zeitnot zu kurz kommen.
Die dritte Arbeitsgruppe "Weg von der Bilderfabrik" unter Leitung von Professor Dr. Dietrich Grünewald beschäftigte sich mit dem Kunstunterricht. Seine Arbeitsgruppe hielt fest, dass es im Kunstunterricht nicht um die Vermittlung starrer Techniken gehe, sondern um die Entwicklung von Bildkompetenz. "Alle Kinder", so Grünewald, "können zeichnen, malen und modellieren". In der Grundschule gelte es, diese Fähigkeiten möglichst im Kontext sozialer Erfahrungen weiter zu entwickeln.
Professor Dr. Annedore Prengel ging in ihrem Referat "Kinder und das Recht auf grundlegende Bildung" zunächst auf die historische Perspektive von Bildung ein. Sie nahm in ihre Betrachtungen auch die Aktion "No child left behind" der USA, die UN Kinderrechtsdeklaration und den Bericht des Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Prof. Muñoz, auf. Selektive Schulsysteme beeinträchtigen das Recht auf Bildung und gefährden so die Chancengleichheit der Kinder. Lernausgangslagen und Bildungsstandards zu erheben, machen nach ihrer Auffassung nur Sinn, wenn entsprechende pädagogische Unterstützungen und Ressourcen für eine gezielte Förderung bereit gestellt werden. Denn, so Frau Prof. Prengel, "grundlegende Bildung ist immer individuelle Bildung", so Professor Prengel abschließend.
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