Lärm im Klassenzimmer

Gute Akustik muss Schule machen

"Lärm im Klassenzimmer und auf dem Schulgelände ist ein noch vielfach ungelöstes Problem, obwohl er nachweislich die Lern- und Arbeitsbedingungen von Schülern und Lehrern massiv beeinträchtigt." Darauf hat die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Waltraud Lučić, hingewiesen.

23.04.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Über Lärm und seine Folgen sollten wir nicht schweigen", betonte sie und wies darauf hin, dass der Lärmpegel in Klassenzimmern häufig über 80 Dezibel liegt. "Das ist vergleichbar mit dem Lärm eines angeschalteten Staubsaugers oder einer dicht befahrenen Straße." Es sei wissenschaftlich unbestritten, dass Lärmemissionen gesundheitliche Probleme verursachen können. "Sie wirken sich aber auch auf den Lernerfolg der Schüler und ihre Konzentrationsfähigkeit aus, weil sie in ihren Lernleistungen erheblich beeinträchtigt werden." Bei der Fachanhörung "Gute Akustik macht Schule" am kommenden Montag wollen die BLLV- Akustikexperten Ulrike Giradet und Peter Hammelbacher praktische Lösungen aufzeigen. Unter anderem ist ein "Spaziergang" durch die Stieler Grundschule geplant, "weil dort Lärmschutzmaßnahmen vorbildlich umgesetzt worden sind."

Der Arbeitskreis Lärm im BLLV befasst sich seit ca. drei Jahren mit dem Thema. Ihm gehören Experten wie der Diplom-Ingenieur Peter Hammelbacher an; er ist Mitglied im INQA-Arbeitskreis "Lärm in Bildungsstätten". Als ersten Erfolg des BLLV- Arbeitskreises verbucht Lučić den interfraktionellen Beschluss der Stadt München, in den kommenden zehn Jahren eine Million Euro jährlich für Lärmschutzmaßnahmen an Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. "Das ist ein wichtiger und guter Schritt in die richtige Richtung, allerdings reichen diese Gelder nicht aus. Wir haben allein in der Landeshauptstadt 400 Schulen und ebenso viele städtische Kindergärten", erklärte die BLLV -Vizepräsidentin.

Bayernweit gesehen ist es um den Lärmschutz an Schulen unterschiedlich bestellt. "Die Oberpfalz übernimmt die Vorreiterrolle, doch nicht alle Bezirke folgen dem Beispiel: Inzwischen wissen zwar viele am Schulbau Beteiligte, wie der Lärm eingedämmt werden könnte, technische Regeln zur Akustik in Klassenräumen sind jedoch bis heute keine gesetzliche Verpflichtung an den Bauherrn. Sie sind nach wie vor Verhandlungssache zwischen dem Bauherrn und dem Bauunternehmer." Zwar gebe es seit dem Jahr 1968 eine DIN-Norm, sie wurde 2004 verschärft, trotzdem erreichten heute viele Klassenräume nicht einmal die Anforderungen von 1968. "Sie müssen nachgerüstet werden", forderte Lučić. Um exakte Daten über die Lärmbelastung zu erhalten, müssten zunächst raumakustische Messungen durchgeführt werden. Weiterführende Adressen hat der BLLV- Arbeitskreis auf seiner Homepage unter www.akustik.bllv.de zusammengestellt.

"Schulsanierungen und Schulneubauten sollten als Chance für effektiven Lärmschutz begriffen werden", betonte Lučić und appellierte an die Kommunen, die Missstände schnell zu beheben und das dafür nötige Geld zu bewilligen. "Bei der Frage des Lärmschutzes gibt es kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem." Sie forderte die Staatsregierung auch auf, darüber nachzudenken, an bayerischen Schulen das Arbeitsschutzgesetz greifen zu lassen: Danach ist bei einer Überschreitung des Lärmpegels von 100 Dezibel Gehörschutz vorgeschrieben. "Beim Sport oder während der Pausen wird dieser Wert immer wieder erreicht, wenn nicht gar überschritten."

Die Folgen des Lärms sind massiv: Abgesehen von krank machendem Stress beeinflusst er auch die Konzentrationsfähigkeit der Schüler negativ, insbesondere werden vor allem diejenigen Schülerinnen und Schüler benachteiligt, die an Lernstörungen oder körperlichen Beeinträchtigungen leiden, aus bildungsfernen Familien kommen oder die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen. Lärmbelästigung gehört zu der am häufigsten genannten Belastungsart des Lehrerberufs: "Lärmimmissionen im Klassenzimmer werden nicht nur direkt als akustische Signale wahrgenommen, sie setzen vielmehr indirekt einen Folgeprozess in Gang, der zu psychoemotionalen und psychosozialen Belastungen von Lehrern und Schülern führt. Diese haben besonders negative Auswirkungen auf Arbeitsbereitschaft, Konzentration, Ausdauer, auf das kommunikative Verhalten und Beziehungen im zwischenmenschlichen Verhältnis."


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