Handschrift wird zur Nebensache
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat im Vorfeld einer Tagung zum Thema "Hauptsache Handschrift" beklagt, dass es Grundschulkindern zunehmend schwer fällt, flüssig und lesbar zu schreiben.
18.04.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V."Mit dem schleichenden Verlust dieses wichtigen und grundlegenden Kulturguts dürfen wir uns nicht abfinden", sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München. Derzeit werde im Kultusministerium am neuen Grundschullehrplan gearbeitet - "dieses Thema gehört dringend auf die Agenda des Expertenteams", forderte Wenzel. Ziel müsse sein, den Prozess des Erwerbs einer Handschrift so in den bayerischen Lehrplan zu implementieren, dass möglichst viele Kinder nach vier Grundschuljahren diese Fähigkeit sicher und gut beherrschten. Für viele Heranwachsende sei die Schule noch der einzige Ort, an dem sie mit der Hand schreiben müssten und diese Fähigkeit gefragt sei. "Im Computer- und Handyzeitalter wird mehr in Tastaturen getippt als sich im Schreiben geübt. Das bleibt nicht ohne Folgen: Das Kulturgut Handschrift wird zur Nebensache."
Aus Sicht des BLLV ist es höchste Zeit, dem wichtigen Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Deshalb veranstaltet der Verband gemeinsam mit der "Allianz für die Handschrift" eine Tagung. "Wir möchten den Kompetenzverlust thematisieren und Lösungen erarbeiten", sagte Wenzel. Zunächst gehe es jedoch darum, das Problem zu erkennen. Es gebe Mittel und Wege, Kinderhandschriften wieder "flott" zu machen - aber sie müssten Eingang in den neuen Grundschullehrplan finden. "Ich bin da zuversichtlich", sagte Wenzel. Derzeit dominiere unter den Experten allerdings leider die methodische und didaktische Diskussion. "Da hält man sich zu viel mit Details auf", bemängelte der BLLV-Präsident.
Damit eine Aufwertung des Schreibenlernens gelingen kann, müssen für die Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen auch entsprechende Rahmenbedingungen erfüllt sein: "Dazu gehört ausreichend Zeit, genügend Personal und Möglichkeiten, mit den Grundschulkindern in Ruhe und ohne Prüfungsdruck zu trainieren. Die jungen Schülerinnen und Schüler sollten Schreibenlernen als Prozess erleben dürfen, an dem sie wachsen und reifen." Um das zu erreichen, müssten jedoch zunächst die Gestalter der Grundschullehrpläne die Bereitschaft zeigen, den Handschriftenerwerb als Wert und grundlegendes Kulturgut anzuerkennen.
Wenzel bemängelte, dass Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten zu wenige Möglichkeiten hätten, ganzheitliches Lernen zu praktizieren. Grundlegende Kulturgüter wie Malen, Singen oder Musizieren gerieten mehr und mehr ins Hintertreffen.
Er wies darauf hin, dass Kinder von einer ordentlichen, sicheren, flüssigen und gut lesbaren Handschrift profitieren würden. So gebe es zahlreiche Hinweise darauf, dass sie deutliche Vorteile in anderen Bildungsbereichen hätten. An den weiterführenden Schulen werde überdies davon ausgegangen, dass Schülerinnen und Schüler die Handschrift sicher beherrschten - "wenn sie Unsicherheiten zeigen, bleiben Probleme nicht aus."
Keine Kommentare vorhanden