Hessische Schulen erhalten 500 Autobiographien von Paul Spiegel

"Es ist eine zentrale Aufgabe von Schule, bei allen Schülerinnen und Schülern ein kritisches Geschichtsbewusstsein zu etablieren. Zeitzeugnisse sind dabei unschätzbar wichtig, weil sie uns helfen, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen, die jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Orientierungshilfe geben."

11.05.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Mit diesen Worten bedankte sich Ministerialdirigent Martin Günther, Abteilungsleiter im Hessischen Kultusministerium, für 500 Exemplare der Autobiographie des jüngst verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland Dr. h. c. Paul Spiegel, die den hessischen Schulen von dem Griesheimer Unternehmer Michael Keller geschenkt wurden. Günther nahm die Bücher heute im Rahmen einer Feierstunde stellvertretend für die Hessische Kultusministerin Karin Wolff entgegen.

Günther würdigte die Schenkung als "wertvollen Beitrag zum Geschichtsunterricht", da das Buch Schülerinnen und Schüler einen wichtigen Einblick in das jüdische Leben in Deutschland gewähre und sich nicht nur auf die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs beschränke, sondern auch den Neubeginn der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland beschreibe. Spiegel schildert in seiner Autobiographie "Wieder zu Hause? – Erinnerungen" das Schicksal seiner Familie während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft sowie den Neuaufbau der jüdischen Gemeinden in Deutschland und die Zeit seiner Präsidentschaft.

Stellvertretend für die rund 450 hessischen Schulen der Sekundarstufe I und II, die jeweils ein Exemplar der Biographie erhalten, nahmen Vertreter der Carl-von-Ossietzky-Schule in Wiesbaden und des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums Gießen jeweils einen Klassensatz des Buches in Empfang. Beide Schulen setzten sich in besonderem Maße mit der deutschen Vergangenheit und jüdischer Geschichte auseinander, so Günther. Das Wiesbadener Oberstufengymnasium unterhält seit vielen Jahren eine Schulpartnerschaft mit Israel, das Gießener Gymnasium belegte beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten im letzten Jahr als beste hessische Schule den dritten Platz.

Neben Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und einem Schulleiter der beiden Gymnasien nahmen auch Dr. Jakob Gutmark, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden und Vertreter des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, sowie Vertreter der Staatlichen Schulämter in Gießen und Wiesbaden an der Veranstaltung teil.


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