Bayern

Hohe Auszeichnung für Frühstücksprojekt 'denkbar'

Das BLLV-Frühstücksprojekt denkbar ist mit dem Award der Cleven Stiftung "fit4future 2013" ausgezeichnet worden. Mit dem Preis ehrt die Stiftung einmal im Jahr Projekte, die sich um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verdient machen. Er wird jeweils für ein Projekt in den Kategorien "Ernährung", "Bewegung" und "Ernährung/Bewegung" vergeben.

07.11.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Waltraud Lucic, und Projektleiterin, Edeltraut Jornitz-Foth, nahmen den Preis in der Kategorie "Ernährung" am Dienstagabend bei einer Gala in Bad Griesbach in Empfang. "Die Auszeichnung spornt uns an, weiterzumachen", erklärte Lucic. Bislang hätten sich über 100 Schulen in Bayern an dem Frühstücksprojekt beteiligt. "Wir haben weit über 5.000 Kinder und Jugendliche an allen Schularten erreicht." Lucic sieht in den Zahlen eine Bestätigung dafür, dass der Bedarf im wohlhabendenden Bayern offensichtlich sehr groß sei. "Wir könnten noch wesentlich mehr Schulen begleiten, doch dafür brauchen wir noch mehr Unterstützung." Lucic dankte allen Beteiligten, die sich mit hohen Einsatz um das Projekt bemühten. "Dazu gehören nicht nur die Kolleginnen in München, die die denkbar organisatorisch begleiten, sondern vor allem auch die Schulen vor Ort. Ohne engagierte Schulleitungen und Frühstückslotsen, ohne das Engagement vieler Eltern und Kommunen wäre das Frühstücksprojekt nicht möglich."

Lucic hofft, dass die Auszeichnung der Cleven Stiftung Anlass für Politik und Unternehmen ist, das Projekt weiter zu unterstützen. "Unsere Kapazitäten sind begrenzt, gleichzeitig steigt der Bedarf." Es mache sie betroffen, dass die Zahl der Kinder, die hungrig in die Schule kämen und nicht ausreichend zu essen bekämen, steige. Lucic appellierte an die Bayerische Staatsregierung, solche Informationen nicht einfach hinzunehmen, sondern zu handeln. Armut grenze aus - Ausgrenzung dürfe aber in einem christlich-sozialen Bundesland nicht toleriert werden. "Wir waren zwar schon vor Projektbeginn davon ausgegangen, dass in einigen Schulen bis zu 70% der Kinder mit leerem Magen im Unterricht sitzen würden, sind dann aber doch erschrocken, wie konsequent unsere Einschätzung bestätigt wurde."

Ziel der denkbar sei es, pragmatisch und unbürokratisch zu helfen. Auf den Weg gebracht haben die denkbar die Benefizaktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks in Kooperation mit der BLLV-Kinderhilfe. Das Schulfrühstück wird auch vom Bayerischen Kultusministerium in Form von Anrechnungsstunden unterstützt.

Derzeit leben rund 150.000 Mädchen und Jungen an der Armutsgrenze - jedes vierte Kind in Bayern. "Viele von ihnen haben nicht genug zu essen und nehmen auch nicht an einem kindgerechten Leben teil, weil es sich ihre Eltern nicht leisten können. Wir wissen, dass Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien anhaltend mangelernährt sind und oft hungrig in die Schule oder in den Kindergarten kommen." Sie seien unkonzentriert und schnitten im Leistungsvergleich deutlich schlechter ab als gut versorgte. "Wie sich herausgestellt hat, gibt es aber auch viele Kinder aus besser gestellten Familien, die allein gelassen werden und ihren Alltag mehr oder weniger selber bewältigen müssen", betonte Lucic. Das Schulfrühstück denkbar wende sich deshalb an alle, die Hilfe brauchen und Hilfe annehmen wollten. "Unser Ziel ist es, eine flächendeckende und schulartübergreifende Versorgung aufzubauen, wobei die Schulen die Freiheit haben, die finanziellen Zuwendungen so einzusetzen, wie es vor Ort am sinnvollsten ist." Armut und Verwahrlosung seien leider in vielen Familien zum Thema geworden - "wir dürfen das nicht ignorieren, sondern stehen in der Pflicht zu helfen."

"Die Schulen können Bedarf anmelden und erhalten vor allem konzeptionelle Unterstützung, um allen Kindern, die zu Hause kein Frühstück bekommen, einen gesunden Imbiss anbieten zu können", erklärte Lucic. Wie das Frühstück zubereitet, wo und wann es eingenommen werde, regle die Schule selbst. Begleitet werde das Ernährungsprojekt von "Frühstückslotsen", die vor Ort beim Organisieren helfen, sich um Details kümmern und die Lehrkräfte entlasten. Sie erhalten für ihren Einsatz eine geringe Aufwandsentschädigung. Die Heranwachsenden erhielten Informationen über ganzheitliche Lebensweise. "Von Anfang an wurde den Schulen bei Gestaltung und Durchführung des Schulfrühstücks kein allgemeinverbindliches Patentrezept an die Hand gegeben. Wie sich zeigt, kommen an den geförderten Schulen unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Organisationen und Gruppierungen als Frühstückslotsen zum Einsatz. Senioren, Eltern, Verwandte helfen mit, genauso wie Lehrkräfte, Fördervereine, Kirchen oder Jugendliche, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. Wichtig ist uns lediglich, dass die Kinder einen Bezug zum jeweiligen Frühstückslotsen aufbauen können - nur so werden sie gerne am Schulfrühstück teilnehmen."

Auf Anfrage vermitteln wir Ihnen gerne Schulen, in denen das Projekt denkbar umgesetzt wird. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an das Projektteam denkbar im BLLV, Tel: 089/ 72100 864.

Weitere Informationen zum Schulfrühstück finden Sie auf der BLLV-Homepage unter www.denkbar.bllv.de oder unter www.facebook.com/bllv.kinderhilfe


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