Ideologische Bildungspolitik statt Vernunft - erfolgreiche Gesamtschulen als Verlierer der Schulplatzlotterie

Die Berliner Bildungspolitik wird durch Ideologie geprägt und nicht durch Vernunft. Der heutige "Kompromiss" der SPD mit den Linken und die Einigung auf die Verteilung 60:10:30 (60 % der Plätze vergibt die Schule direkt / 10 % Härtefallregelung / 30 % Losquote) bzw. 65:35 (kein Härtefall / 65 % vergibt die Schule / 35 % Losquote) wird seitens des Landeselternausschusses abgelehnt.

11.06.2009 Pressemeldung Landeselternausschuss Berlin (LEA Berlin)

Was wurde aus den Vorschlägen des Bildungssenators "Dem Kriterium "Schulproramm/Schulprofil" soll zukünftig eine größere Bedeutung bei der Aufnahme zukommen, wenn es mehr Anmeldungen gibt als Schulplätze vorhanden sind."? Wie kann das Schulprofil eine Rolle spielen, wenn ein Drittel der Schüler/innen zugelost werden? Werden künftig auf der Eliteschule des Sports sprachbegabte, aber übergewichtige Schüler versuchen ihre Liebe zur Leichtathletik zu finden? Wird man bald am Französischen Gymnasium musisch begabte Schüler ohne jeglichen Bezug zur französischen Sprache unterrichten müssen?

Der Landeselternausschuss hatte vorgeschlagen, dass die Schulen im Zuge ihrer Eigenständigkeit 75 % der Schüler/innen auswählen. Dies wäre ein von allen Beteiligten tragbarer Kompromiss gewesen. Zustimmung fand dieser Vorschlag gestern auch innerhalb der SPD-Fraktion. Die Koalition will nach den heutigen Gesprächen den Schulen jedoch nur noch 60 % zubilligen. Bis zu 35 % der Schulplätze sollen per Los verteilt werden, wenn kein Härtefall eintritt.

Der Berliner Senat wäre gut beraten derartige Entscheidungen nicht leichtfertig zu treffen. Anderenfalls ist davon auszugehen, dass mit Beginn der nächsten Legislaturperiode das Schulgesetz erneut geändert werden müsste.

Ungeachtet dessen erinnert der Landeselternausschuss den Bildungssenator an seine Äußerungen in der Berliner Morgenpost am 30.05.09:

Zitatanfang: "Der Elternwille bezieht sich auf die Wahl einer Schulform, nicht auf die Wahl einer ganz bestimmten Schule. Das ist jetzt auch so. Wenn jemand an der Wunschschule keinen Platz bekommt, erhält er an einem anderen Gymnasium einen Platz." Zitatende.

Die Sekundarschulen profitieren von der hohen Losquote beim Übergang auf ein Gymnasium nicht, denn der Schüler kommt nach verpasster Loschance nicht auf eine Sekundarschule, sondern auf ein anderes Gymnasium.

Die bereits jetzt erfolgreichen Gesamtschulen und künftigen Sekundarschulen werden zu den Verlierern gehören. Denn auch an den Sekundarschulen wird gelost, wenn die Anmeldezahl größer ist als die vorhandenen Schulplätze. Die beliebten - da erfolgreichen - Gesamtschulen müssen den Eltern der künftigen Schüler somit erklären, dass im beträchtlichen Maße Fortuna über eine Aufnahme an die Schule entscheiden wird. Wenn ihnen das Glück nicht hold ist, dann landen sie auf einer der neuen Sekundarschulen, die sich bisher das Vertrauen der Eltern und Schüler (noch) nicht erarbeiten konnten. Viele gesamtschulbefürwortende Eltern (vor allem Eltern mit leistungsstarken Kindern) werden das Risiko, per Lospech auf einer ehemaligen verbundenen Haupt-/Realschule (künftige Sekundarschule) zu landen, nicht eingehen und lieber den Weg auf das Gymnasium wählen.

In den siebten Klassen der Sekundarschulen dürften somit künftig etliche Plätze frei bleiben. Die Gymnasien werden gerade in den 7. Klassen aus allen Nähten platzen.


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