Lehrer zum Billigtarif retten die Hauptschule nicht

Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt das Hauptschulprogramm der Landesregierung "enttäuschend". "305 Stellen verteilt auf vier Jahre und 300 pädagogische Assistenten werden die 1.200 Hauptschulen nicht retten. Die Vorschläge sind Schönheitsreparaturen an der Fassade, die den Hauptschulen nicht wirklich helfen. Warum haben Ministerpräsident Günther Oettinger und Kultusminister Helmut Rau sich nicht gegen die CDU-Fraktion durchgesetzt und den Klassenteiler gesenkt? Das hätte die Unterrichtsqualität in den besonders belastenden städtischen Hauptschulen wirklich verbessert", sagte am Dienstag (26.06.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

26.06.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Durch eine Senkung des Klassenteilers könnten außerdem gut 900 zusätzliche Hauptschullehrerinnen eingestellt werden. "In den vergangenen Jahren wurde bei jeder Gelegenheit dafür geworben, Hauptschullehrer zu werden. Es ist ein Skandal, dass die Landesregierung die Studierenden, die sich für diesen Schwerpunkt anstatt für das besser bezahlte Lehramt an Realschulen entschieden haben, im Regen stehen lässt. Stattdessen sollen hoch qualifizierte junge Lehrer jetzt zum Billigtarif arbeiten", so Dahlem.

Mit der geplanten Kompetenzanalyse alleine werden die Zukunftschancen der Schüler/innen nicht verbessert. "Die Analyse von Stärken und Schwächen gehört für die Lehrerinnen und Lehrer zur täglichen Arbeit. Um die Schülerinnen und Schüler besser auf das Berufsleben vorzubereiten, brauchen die Schulen mehr Zeit zur individuellen Förderung und kleinere Klassen. Dafür reichen 305 zusätzliche Stellen bei weitem nicht. Mit diesem Programm und dem Festhalten an der gegliederten Struktur macht sich Baden-Württemberg bundesweit lächerlich", sagte Dahlem.

Bereits zwei Kultusminister scheiterten mit der Rettung der Hauptschule

Die GEW geht davon aus, dass alle Rettungspläne die Hauptschule nicht retten können und macht sich für integrative Schulen stark. Die Bildungsgewerkschaft erinnert daran, dass in den vergangenen 30 Jahren bereits mehrfach Programme gescheitert sind. "Kultusminister Gerhard Mayer-Vorfelder hat 1980/81 ein Programm gestartet, um die sinkenden Übertrittsquoten auf die Hauptschulen zu stoppen. Danach sind die Übertrittsquoten kurze Zeit gestiegen, um danach weiter zu sinken. Genauso ging es Kultusministerin Marianne Schultz-Hector 1993 mit der Einführung des freiwilligen 10. Schuljahres. An den Hauptschulen wird engagierte Arbeit geleistet, aber wenn diese Schulart von Arbeitgebern und Eltern nicht mehr akzeptiert wird, müssen wir unser Schulsystem auf neue Füße stellen", sagte Dahlem.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden