Man nennt sie Schulschwänzer
(bikl) Schätzungsweise 300 000 Schüler drücken sich in Deutschland regelmäßig vor der Schule. Und es werden immer mehr, warnte bereits im vergangenen Jahr der Direktor der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Prof. Dr. Helmut Remschmidt. Jetzt hat das Deutsche Jugendinstitut aktuelle Zahlen über die Schulverweigerer vorgelegt.
24.10.2005 Artikel"Man nennt sie 'Schulschwänzer'" heißt die Studie, die das Deutsche Jugendinstitut (DJI) heute in München vorstellte. Mädchen seien genauso betroffen wie Jungen, erklärte der Leiter der Studie, Frank Braun und räumte auch gleich mit einem Vorurteil auf: "Die Kriminalitätsbelastung dieser Gruppe ist nicht größer als für den Altersdurchschnitt insgesamt."
Das Schwänzen beginnt schon früh
Befragt wurden 300 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, die teils über Monate oder gar Jahre die Schule geschwänzt hatten. Bei jedem zehnten Schüler habe das Schwänzen vor dem 12. Lebensjahr begonnen, bei zwei Dritteln war es etwas später, nämlich zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr.
Schulen sind oft hilflos
Vor allem die Schulen reagierten oft hilflos. So sei ein Viertel der Schwänzer durch Nicht-Beachtung bestraft worden und bei 16 Prozent sei die Strafe gar ein Ausschluss vom Unterricht gewesen, berichtete Braun. Ein Lob ging an die Eltern. Viele von ihnen hätten sich konstruktiv verhalten. Mehr als die Hälfte habe sich an die Schule gewandt und mehr als 40 Prozent hätten ihr Kind von sich aus sogar in ein entsprechendes Projekt gebracht. Das zeige, dass man auf die Eltern zählen könne, wenn die geeigneten Angebote vorhanden seien.
Projekte statt Polizeieinsatz
Mit Polizeieinsätzen und Bußgeldern allein sei dem Problem nicht beizukommen. Langfristigen Erfolg brächten Projekte, die gezielt auf die Schüler eingingen und versuchten, die Gründe der Schulverweigerung zu lösen.
Coole Schule
Eines dieser Angebote ist das Projekt Coole Schule, in dem es um "Lust statt Frust am Lernen" ging. An diesem Projekt der Deutschen Bank-Stiftung und des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge hatten Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg und Niedersachsen teilgenommen. Es ist zum Jahresende 2004 ausgelaufen und konnte eine außerordentlich gute Bilanz vorweisen. Bis zu 95 Prozent der Schüler aus dem Projekt Coole Schule besuchten anschließend wieder eine Regelklasse.
Hilfen für Lehrer
Für Lehrer gibt es mittlerweile auch Fachliteratur zu diesem Thema. So hat zum Beispiel die niedersächsische Schulpsychologin Gertrud Plasse einen "Fahrplan" für Lehrkräfte und die Schule insgesamt entwickelt. In ihrem Buch "Schwänzen: Eingreifen, nicht wegsehen" klärt die Autorin nicht bloß über die Ursachen für das Schwänzen auf, sondern zeigt konkret, was Lehrerinnen und Lehrer tun können, wenn Schüler ihrer Klasse auffallend häufig fehlen. Mehr über dieses Buch bei lernklick.de
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