Massenpetition zur Grundschule Thema im Landtag

Am Donnerstag wird sich der Bayerische Landtag mit der größten bildungspolitischen Petition seit Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie 2001 befassen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hatte von Februar bis Juli dieses Jahres im Rahmen seiner Grundschulaktion "Grundschule ganz STARK - Unsere Kleinen ganz GROSS" weit über 100.000 Unterschriften für Verbesserungen im Grundschulbereich gesammelt. Die Unterzeichner fordern mehr Förderung, kleinere Klassen und Gruppen, gleiche Besoldung für alle Lehrer, eine bessere Lehrerbildung, die freie Schulwahlentscheidung - vor allem aber eine längere gemeinsame Schulzeit.

10.11.2009 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Die Grundschulkampagne wurde von zahleichen landesweit stattfindenden Veranstaltungen und Aktionen begleitet, an denen tausende Eltern, Großeltern, Lehrer und Schulleiter teilgenommen hatten. "Wir erwarten mit Spannung, wie der Landtag mit dieser Petition verfahren wird", betonte BLLV-Präsident Klaus Wenzel im Vorfeld der Landtagssitzung. Der BLLV erwartet zahlreiche Unterstützer/innen, die der Sitzung beiwohnen werden. Auch Wenzel wird mit Verbandskollegin und Leiterin der Grundschulaktion, Simone Fleischmann, vor Ort sein, beide werden für eine Stellungnahme zur Verfügung stehen. Die Petition soll um 9.15 Uhr aufgerufen werden, die Sitzung findet im Konferenzsaal statt.

"Die hohe Beteiligung in relativ kurzer Zeit ist ein beeindruckender Beleg dafür, dass Bürgerinnen und Bürger Schulpolitik gestalten wollen", sagte Wenzel. "Wenn sich Tausende über viele Wochen hinweg engagieren und sich auch aktiv für Verbesserungen einsetzen, darf die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Die Politik sollte die Botschaft nicht nur hören, sondern als Ermutigung für grundlegende Reformen im Bildungsbereich verstehen. "Viele Menschen haben kein Verständnis mehr für die bildungspolitische Blockadehaltung, die auf dem Rücken ihrer Kinder ausgetragen wird. Sie haben es satt, Kinder in der Grundschule leiden zu sehen."

Wenzel und Fleischmann stellten fest, dass sich viele Menschen in Bayern mit den zentralen Forderungen des BLLV nach mehr Förderung, kleineren Klassen und einer freien Schulwahlentscheidung solidarisiert haben. Auch die angemahnten Verbesserungen in der Lehrerausbildung halten viele für bitter nötig, genauso wie die Gleichbehandlung aller Lehrkräfte. "Besonders freut uns aber, dass unser Ziel, in Bayern eine längere gemeinsame Schulzeit für alle Kinder durchzusetzen, von vielen mit getragen wird", erklärten beide. "Wir fühlen uns gerade auch in dieser zentralen Forderung von vielen unterstützt. Viele Eltern und viele Lehrer/innen wünschen sich ein Ende des Übertrittsdrucks, weil sie wissen, dass dabei emotionale Fähigkeiten ins Hintertreffen geraten, der Leistungsdruck steigt, die Motivation sinkt und die Nachhilfe boomt." In der Petition heißt es dazu: "Die Auslese von neun- und zehnjährigen Kindern ist unverantwortlich. Sie demotiviert und lässt jährlich Zehntausende Kinder als Verlierer zurück." Das belaste das Familienklima und die Lernmotivation von Kindern.

Solange die Grundschule nur vier Jahre dauert, verlangen die Unterzeichner/innen der Petition eine grundlegende Vereinfachung des Übertrittsverfahrens. Danach sollen nach einem Beratungsgespräch mit dem Grundschullehrer bzw. der Grundschullehrerin die Eltern in eigener Verantwortung über die Schullaufbahn ihres Kindes entscheiden dürfen. Die Grundschulreform bezeichnete Wenzel als "hilflosen und zum Scheitern verurteilten Versuch, an einem kranken System herumzudoktern."

Mit der BLLV- Grundschulkampagne war und ist es gelungen, die Grundschule über Wochen und Monate hinweg in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stellen. "Sie hat es verdient, denn keine Schulart wirkt sich so fundamental auf Bildungsbiografien aus", sagten Wenzel und Fleischmann.

Weitere Informationen zur Grundschulaktion sowie die Petition im Wortlaut unter grundschule.bllv.de


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