Stress im Grundschulalter

Medikamentenmissbrauch an Schulen stoppen

Immer mehr Kinder und Jugendliche schlucken Pillen zur Leistungssteigerung oder Beruhigung. BLLV-Präsidentin Fleischmann fordert mehr freie Zeit für Kinder.

18.04.2016 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
  • © www.pixabay.de

Medikamente zur Leistungssteigerung gehören inzwischen auch an vielen bayerischen Grundschulen zum Alltag von Kindern. „Das ist ein gefährlicher Trend“, erklärte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, heute in München. Sie rät Eltern entschieden davon ab, Kindern Medikamente zur Konzentrationsförderung oder Leistungssteigerung zu verabreichen. „Wir müssen uns vielmehr kritisch mit der Frage auseinandersetzen, ob die Mentalität des ‚schneller, höher, weiter‘ Kindern überhaupt zuträglich ist.“ Andauernde Überanstrengung sei nicht zielführend. Vielen Mädchen und Buben würde es schon helfen, wenn sie ausreichend freie Zeit hätten, in der sie selbst entscheiden, was sie tun oder lassen möchten. Fleischmann forderte das Kultusministerium auf, Schule mehr auf die Bedürfnisse von jungen Menschen auszurichten.  „Die Einnahme solcher Medikamente muss nicht nur unterbunden, sie muss überflüssig werden.“ 

„Viele Kinder kommen sehr aufgeregt in die Schule - sie stehen regelrecht unter Strom. Vor allem an Prüfungstagen ist die Anspannung enorm“, sagte Fleischmann. Um die Mädchen und Jungen zu beruhigen oder um ihre Leistungen zu verbessern, geben viele Eltern Medikamente. Auch ältere Schüler würden zur Tablette greifen, um dem Leistungsdruck gerecht werden zu können. 

Oft sei es aber so, dass es der immense Erwartungsdruck der Eltern sei, der Kinder stresst. „Sie wollen gute Noten und das löst unglaublichen Druck aus.“ Gerade in der Grundschule und in der Unterstufe von Gymnasien und Realschulen seien Heranwachsende noch in einem Alter, wo sie die Eltern nicht enttäuschen, sondern mit guten Leistungen glänzen wollten. „Die Note Drei ist für viele Kindern eine Katastrophe, die Note führt zu Tränen und Verzweiflung. Es sei daher nicht verwunderlich, dass jedes sechste Kind bereits unter massiven  Stresssymptomen leidet, wie Studien belegen.“

„Die Einnahme von Medikamenten löst dauerhaft kein Lern- oder Lebensproblem“, betonte die BLLV-Präsidentin. Im Gegenteil: Häufig führe eine regelmäßige Einnahme solcher Medikamente dazu, dass Lernblockaden und Versagensängste verschärft und letztlich das Selbstwertgefühl der Betroffenen beschädigt würden. „Eltern sollten bedenken, dass Kinder sehr schnell das Gefühl entwickeln, den Alltags- und Schulstress ohne Medikamente überhaupt nicht mehr bewältigen zu können.“ Die Gefahr einer Abhängigkeit sei daher groß. Medikamente hätten zudem Nebenwirkungen zur Folge, die nicht zu unterschätzen seien. 

„Eltern können viel tun, um ihr Kind zu unterstützen“, so Fleischmann. Sie könnten ihm helfen, eine gesunde und stabile Persönlichkeitsstruktur aufzubauen. Sie sollten ihm  vor allem auch freie, unverplante Zeit gönnen - ohne Termine. 


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2 Kommentare

  • 18.04.2016 23:56 Uhr
    Tja, und junge Menschen schlucken die Ursachen und in Folge die Drogen freiwillig?

    Den Satz würde ich so unterschreiben:
    "Immer mehr Kinder und Jugendliche schlucken Pillen zur Leistungssteigerung oder Beruhigung. BLLV-Präsidentin Fleischmann fordert mehr freiere Kinder."

    Ich will, dass meine Kinder freiwillig in der Schule sein dürfen/können - in einem System, dass offensichtlich krank macht.

  • 19.04.2016 07:14 Uhr
    Es ist so bitter. was Kinder und Jugendliche sich antun.
    Dabei wäre das alles gar nicht nötig, wenn wir Kindern beibringen würden, wie sie ihr Potential ausschöpfen- dann gibt es keinen Lern-Stress mehr.
    Und unser Schulsystem sollte aufhören, sinnloses Pauken und Bulimie -LErnen zu fördern.:
    Angelika von Schule sorglos
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