Hessen

"Mehr Freiheit und neue Lehrerstellen für Hessens Schulen"

Im Schuljahr 2011/2012 wird es 500 neue Lehrerstellen geben. Das entspricht einem Finanzvolumen von etwa 30 Millionen Euro. Damit haben die Schulen seit Beginn der Legislaturperiode insgesamt 2150 zusätzliche Stellen erhalten und sind so gut versorgt wie nie zuvor. Hessen liegt im neuen Schuljahr erstmals bei einer Lehrerzuweisung von über 100 Prozent (100,25). Die Selbstständigen beruflichen Schulen werden sogar mit einer 101-prozentigen Lehrerzuweisung ausgestattet. "Dies ist der erste Schritt zu dem auch im Vergleich der Bundesländer außerordentlich ehrgeizigen Ziel einer 105-prozentigen Zuweisung, die wir für das Ende der Legislaturperiode anstreben. Die Landesregierung wird auch in Zeiten zwingend notwendiger Haushaltskonsolidierung am Unterricht und an den Lehrerstellen nicht sparen. Darauf können sich die Schulen in Hessen verlassen, denn hier entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit unseres Landes", sagte die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler heute in Wiesbaden.

03.08.2011 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Alle Stellen der pensionierten Lehrerinnen und Lehrer würden wieder besetzt und darüber hinaus 500 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Von den insgesamt 1812 im Schuljahr 2011/2012 neu zu besetzenden Stellen seien zurzeit lediglich neun noch offen. "Somit liegen wir bei einer Besetzungsquote von aktuell 99,5 Prozent. Das ist ein wirklich hervorragender Wert, den wir in den nächsten Tagen noch weiter steigern werden", sagte die Ministerin. Die Ursache für die sehr wenigen noch nicht besetzten Stellen liege in der Regel in kurzfristigen Absagen von Bewerbern begründet. Henzler dankte ausdrücklich allen Staatlichen Schulämtern und Schulen für ihre hervorragende Arbeit und die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium, ohne die eine solch hohe Besetzungsquote nicht möglich gewesen wäre. "Die Schulen nutzen ihre Möglichkeit, eigenverantwortlich zu handeln und haben etwa ein Drittel der Stellen über schulscharfe Ausschreibungen besetzt", lobte die Ministerin die Schulen.

Trotz der guten Zahlen gebe es jedoch auch in diesem Schuljahr Mangelfächer, in denen es schwer sei, geeignete Lehrkräfte zu finden. An den allgemeinbildenden Schulen seien dies insbesondere die Fächer Mathematik, Physik und Chemie, an den Beruflichen Schulen vor allem der Bereich Metalltechnik. Im Bereich Elektrotechnik habe sich die Situation gegenüber den Vorjahren hingegen etwas entspannt, aber es handle sich immer noch um ein Mangelfach. Deshalb komme der Gewinnung von Quereinsteigern nach wie vor große Bedeutung zu.

Den Ausbau von Ganztagsangeboten werde die Landesregierung konsequent fortsetzen. "Im Schuljahr 2011/2012 kommen 75 neue Ganztagsangebote hinzu. An weiteren 64 Schulen werden Angebote erweitert. Damit verfügen im neuen Schuljahr 788 Schulen, das sind rund 46 Prozent aller öffentlichen Schulen der Primarstufe, der Sekundarstufe I und der Förderschulen, über ein Ganztagsangebot", so Henzler. Hierfür stünden insgesamt 1386 Lehrerstellen zur Verfügung, was einem Finanzvolumen von ca. 83 Millionen Euro entspräche.

"Mit unseren Maßnahmen schaffen wir in Hessen optimale Lernbedingungen für alle Schülerinnen und Schüler", sagte die Ministerin. Deshalb werde auch die Verkleinerung der Klassen fortgesetzt, "die wir vor zwei Jahren mit den Eingangsklassen der Grundschulen und der weiterführenden Schulen begonnen haben." Zusätzlich trete zu Beginn dieses Schuljahres eine neue Klassengrößenverordnung in Kraft, die den Schulen mehr Spielraum bei der Klassenbildung gebe. Orientiert an der jeweiligen Situation vor Ort, könnten die Schulen künftig eigenverantwortlich über die Bildung von Klassen und den Einsatz von Personal entscheiden. Steige zum Beispiel in einer Grundschule von Klasse 2 zu Klasse 3 die Schülerzahl von 25 auf 26, so erhalte die Schule die Zuweisung für zwei Klassen, also zusätzlichen 26 Stunden gegenüber dem Vorjahr. "Die Schulen können nun selbst entscheiden, ob sie zwei Klassen bilden oder lieber den Klassenverband erhalten wollen und das zusätzliche Personal zum Beispiel für individuellen Förderunterricht einsetzen", so Henzler.

Dies sei ein Baustein auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit und Gestaltungsfreiheit für die einzelnen Schulen, damit sie sich noch besser am jeweiligen Bedarf der Schülerinnen und Schüler ausrichten könnten. Bei der Unterrichtsgestaltung erhielten die Schulen mehr Freiheit, indem sie sich künftig nicht mehr nach strikten Lehrplänen richten müssten. "Ab dem Schuljahr 2011/ 2012 werden Kerncurricula mit abschlussbezogenen Bildungsstandards Grundlage für den Unterricht", sagte Henzler. Allerdings könnten sich die Schulen auch weiterhin an den bisherigen Lehrplänen orientieren, um ihnen die nötige Zeit zu geben.

Darüber hinaus könnten die Schulen bereits seit dem 1. Januar 2011 ein so genanntes "Kleines Budget" bewirtschaften, in dem die bisher getrennten Budgets für Lernmittel, für Vertretungsmittel im Rahmen des Programms "Verlässliche Schule", für IT-Vertretungsmittel sowie für Fortbildungen zusammengefasst seien. Für Schulen, die noch stärker eigenverantwortlich arbeiten wollten, halte das neue Schulgesetz die Möglichkeit bereit, sich in "Selbstständige Schulen" (SES) beziehungsweise "Selbstständige berufliche Schulen" (SBS) umzuwandeln. Dies setze ein eigenes pädagogisches Konzept der Schule und einen Beschluss der Schulkonferenz voraus. Es sei geplant, dass Selbstständige Schulen das "Kleine Budget" vom Jahr 2012 an zu einem "Großen Budget" erweitern könnten. Sie könnten dann auch über ihre freien Personalmittel eigenverantwortlich verfügen. "Ab diesem Schuljahr starten in einem ersten Schritt 17 berufliche Schulen in die erweiterte Selbstständigkeit", sagte die Ministerin.

"Ein guter Unterricht benötigt Schulen, die langfristig und nachhaltig planen können, indem sie über ausreichend Mittel verfügen und ihr pädagogisches Profil selbst entwickeln und gestalten können. Deshalb schaffen wir in Hessen alle Voraussetzungen für eine funktionierende selbstständige Schule. Eine zentralstaatliche Verlagerung von Kompetenzen an den Bund wird es hingegen mit der Landesregierung nicht geben", sagte Henzler. Die Finanzierungsverantwortung und die Aufgabenverantwortung müssten beieinander liegen. Sonst seien die erforderlichen Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten für einen möglichst wirksamen Einsatz der Mittel nicht in dem notwendigen Maß vorhanden.

"Ich werde auch keine funktionierende Hauptschule abschaffen", stellte die Kultusministerin klar. In Hessen gebe es 268 Schulen mit einem eigenständigen Bildungsgang Hauptschule. Bereits heute verfügten etwa 50 Prozent der Auszubildenden im Handwerk über einen Hauptschulabschluss. Natürlich sei die Schullandschaft gewissen Änderungen unterworfen, etwa durch die demographische Entwicklung oder ein verändertes Schulwahlverhalten der Eltern, so Henzler. Dem trage Hessen mit der neuen Schulform der Mittelstufenschule Rechnung. Im Schuljahr 2011/2012 werde es 18 neue Mittelstufenschulen geben, davon seien sieben kooperative Gesamtschulen. Die Mittelstufenschule sei ein freiwilliges Angebot, das es Schulen ermögliche, die Bildungsgänge Haupt- und Realschule unter einem Dach anzubieten. Dabei werde es nach gemeinsamen Eingangsklassen in den Klassen 5 bis 7 abschlussbezogen einen mittleren Bildungsgang und einen projektorientierten Bildungsgang geben. "Wir wollen Kinder und Jugendliche mit eher praktisch ausgerichteten Begabungen durch einen stark projektorientierten Unter-richt sowie die Einbindung der beruflichen Bildung motivieren und sie nicht frustrieren, indem wir es uns einfach machen und sie bis zum Ende ihrer Schullaufbahn gemeinsam mit den Realschülern unterrichten. Das Ziel der hessischen Landesregierung ist, dass alle Jugendlichen einen Schulabschluss und die Ausbildungsreife erreichen", sagte die Ministerin.

Eine weitere Antwort auf rückläufige Schülerzahlen vor allem in ländlichen Regionen stelle die Möglichkeit dar, dass sich einzelne Schulen zu Verbundschulen zusammenschließen könnten. Bei Verbundschulen würden Schulen zu einem Hauptstandort mit mehreren Außenstellen zusammengefasst. "Das ist für kleine Schulen ein sinnvoller Weg zur Erhaltung des Schulstandorts", sagte Henzler.

Erfreulich sei, dass die Ferien-Lehrerarbeitslosigkeit, wie bereits in den beiden Jahren zuvor, auch in diesem Jahr gering sei. "Nach den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren im Juli 2011 328 Lehrerinnen und Lehrer arbeitslos gemeldet. Ich bin sehr froh über diese Ent-wicklung. Es war mir immer ein besonderes Anliegen, dass seit 2009 befristet angestellte Lehrerinnen und Lehrer in den Sommerferien weiter beschäftigt werden", sagte die Ministerin. Dies ist der Fall, sofern sie bereits mindestens 39 Wochen tätig waren und der Vertretungsgrund fortbestehe. Vor dieser Regelung habe die Lehrerarbeitslosigkeit in den Sommerferien im Jahr 2008 noch bei etwa 1800 gelegen.


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