Mehr Schülerinnen und Schüler in Hamburg – Stadtteilschule legt zu

Schulsenator Ties Rabe hat die aktuelle Schuljahresstatistik vorgelegt. Demnach sind die Schülerzahlen in den allgemeinbildenden Hamburger Schulen im Schuljahr 2013/14 um 3.138 auf 187.334 deutlich angestiegen.

04.02.2014 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Rabe: "Es gibt in Hamburg erfreulicherweise mehr Kinder. So wurden 2013 15.327 Kinder eingeschult, 446 mehr als im Vorjahr. Das ist der höchste Wert der letzten fünf Jahre. Zudem gehen Hamburgs Kinder und Jugendliche früher zur Schule und bleiben länger dort." So besuchen 8.264 Kinder die Vorschule, 565 mehr als im Vorjahr. 1.103 Schülerinnen und Schüler nutzen die erstmals geschaffene Möglichkeit, ihren Schulabschluss durch eine freiwillige Schulzeitverlängerung in Klasse 10 zu verbessern. Und 23.968 bereiten sich in den Oberstufen der Stadtteilschulen und Gymnasien auf das Abitur vor, 1.371 mehr als im Vorjahr. Ties Rabe: "Besonders die Stadtteilschulen und die Ganztagsschulangebote haben zu der Attraktivitätssteigerung beigetragen. Die staatlichen Stadtteilschulen steigern ihre Schülerzahl um 2.320 auf 56.718, überholen damit die staatlichen Gymnasien (48.505) und staatlichen Grundschulen (55.635) und steigen zur größten Schulform auf."

Stadtteilschule steigt zur größten Schulform auf

Senator Rabe: "Die Stadtteilschule legt vor allem deshalb zu, weil viele Jugendliche freiwillig länger die Schulbank drücken, um einen besseren Schulabschluss zu schaffen. So stieg die Zahl der Zehntklässler an den staatlichen Stadtteilschulen im Vergleich zum Vorjahr um 1.103 an und die Zahl der Oberstufenschüler um 693. Ich freue mich über diese Entwicklung: Mehr Unterricht verbessert die Bildung und die Schulabschlüsse." Bei der Schulwahl nach Klasse 4 liegt das Gymnasium unverändert knapp vorn: In Jahrgangsstufe 5 besuchen 45,8 Prozent der Schülerschaft an staatlichen Schulen die Stadtteilschulen, 50,1 Prozent die Gymnasien, 3,1 Prozent die Sonderschulen und 1,0 Prozent die 6-jährigen Grundschulen. Dieses Verhältnis verschiebt sich in Jahrgangsstufe 7: Hier werden die Stadtteilschulen von 52,8 Prozent der Schülerschaft besucht, die Gymnasien von 43,5 Prozent und die Sonderschulen von 3,7 Prozent.

Aufgrund von zwei Neugründungen im Schuljahr 2013/14 (Stadtteilschule Humboldtstraße, Schule Maretstraße) und drei weiteren Neugründungen im Schuljahr 2012/13 (Stadtteilschulen Rissen, Meiendorf und Veddel) stieg die Zahl der staatlichen Stadtteilschulen auf 59, davon haben 13 eine eigene Grundschulabteilung. 53 der 59 Stadtteilschulen sind mittlerweile zur Ganztagsschule entwickelt worden, gegenüber 2010 wurde die Zahl fast verdoppelt (2010: 28 Ganztagsschulen). 47 Stadtteilschulen führen bereits eine eigene Oberstufe: 27 organisieren ihre Oberstufe eigenständig, 15 kooperieren mit anderen Stadteilschulen, vier mit einem Gymnasium und eine mit einer Berufsbildenden Schule. Sieben seit dem Schuljahr 2010/11 neu gegründete Stadtteilschulen sind noch nicht bis zur Oberstufe hochgewachsen. Die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten an Stadtteilschulen stieg von 2.363 auf 2.747.

Zahl der Lehrkräfte auf Rekordniveau

Senator Rabe: "Mehr Oberstufen, mehr Ganztagsangebote, mehr Schülerinnen und Schüler – und mehr Lehrkräfte: Die Stadtteilschule ist jetzt gut aufgestellt. Mit 8,9 Pädagogen pro 100 Schülerinnen und Schüler ist die Stadtteilschule von den drei allgemeinen Schulformen jetzt am besten ausgestattet. Zum Vergleich: An den Grundschulen arbeiten pro 100 Schülerinnen und Schüler 8,4 Pädagogen, an den Gymnasien 6,7. Insgesamt sind den allgemeinbildenden Schulen in diesem Schuljahr 12.662 Lehrerstellen und 1.641 Stellen für sonstige pädagogisch-therapeutische Fachkräfte zugewiesen, das sind 8,5 Pädagogen auf 100 Schülerinnen und Schüler."

97 Prozent Ganztagsschulen: Ausbau so gut wie abgeschlossen

Der Ausbau der Ganztagsschulen ist so gut wie abgeschlossen. 97 Prozent der staatlichen Grundschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien haben jetzt Ganztagsangebote (Vorjahr 69%): 200 der 203 Grundschulen und Grundschulabteilungen, 53 der 59 Stadtteilschulen und alle 60 Gymnasien, darunter 5 Gymnasien mit kompletten Ganztagsangeboten. Schulsenator Ties Rabe: "In den letzten drei Jahren wurden 161 Grund- und Stadtteilschulen zu Ganztagsschulen erweitert, mehr als doppelt so viele wie in den gesamten 25 Jahren davor. In diesem Schuljahr haben sich die Eltern von 37.000 Grundschulkindern für die neuen Ganztagsangebote entschieden, das sind rund 70 Prozent. Diese hohe Anmeldequote zeigt, dass der Ausbau der Ganztagsangebote dringend notwendig war. Auch der deutliche Anstieg der Vorschüler ist darauf zurückzuführen, dass es jetzt in fast allen Vorschulen Ganztagsangebote gibt. Nach dem rasanten Ausbau geht es künftig darum, Schritt für Schritt einzelne Anfangsprobleme zu überwinden und die Qualität stetig zu verbessern."

Schulklassen noch einmal verkleinert

Die Klassengrößen in den staatlichen Grundschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien wurden im vierten Jahr hintereinander verkleinert. Die im Rahmen des Schulfriedens vereinbarten Klassenobergrenzen werden im Durchschnitt deutlich unterschritten und liegen im laufenden Schuljahr bei 26,1 am Gymnasium (Sollobergrenze 28), 21,9 an den Stadtteilschulen in den Klassen 5/6 (Sollobergrenze 23), 23,9 an den Stadtteilschulen in den Klasse 7-10 (Sollobergrenze 25), 17,6 an Grundschulen mit Sozialindex 1/2 (Obergrenze 19) und 21,7 an Grundschulen mit Sozialindex 3-6 (Obergrenze 23). Schulsenator Ties Rabe: "So kleine Schulklassen hatte Hamburg noch nie. Damit hat die SPD ihr Versprechen im Rahmen des Schulfriedens eingelöst und die Klassengrößen in allen Schulformen deutlich abgesenkt. Kleine Klassen ermöglichen es den Lehrkräften, individuell auf jede Schülerin und jeden Schüler einzugehen und so den Lernerfolg zu verbessern."

Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf wird im Schuljahr 2013/14 mit 12.857 angegeben, im Vergleich zu 2009/10 wäre das ein Anstieg um 50 Prozent in nur vier Jahren. Im Zuge einer Stichprobe erwiesen sich jedoch mehr als ein Drittel der Nennungen als Fehleinschätzungen. Deshalb werden die Zahlen zurzeit wissenschaftlich untersucht. Die Gründe für den Anstieg haben auch damit zu tun, dass sich im Zuge der Inklusion die Diagnosemaßstäbe verschoben haben. Nur so ist das Phänomen zu erklären, dass die allgemeinen Schulen im laufenden Schuljahr einen Zugang von 1.075 sonderpädagogisch förderbedürftigen Schülern melden, obwohl die Sonderschulen im gleichen Zeitraum gerade nur 317 Sonderschüler verloren haben.

Schulabschlüsse aufgrund eines Sondereffektes verändert

1.515 Schülerinnen und Schüler erlangten den Hauptschulabschluss (Vorjahr: 2.546), 3.198 den Realschulabschluss (Vorjahr: 3.318), 563 die Fachhochschulreife (Vorjahr: 400), und 8.195 Schülerinnen und Schüler das Abitur (Vorjahr: 7.783). Die Zahl der Schüler ohne Schulabschluss sank von 993 im Vorjahr auf 697. Dies ist jedoch zum größten Teil dadurch zu erklären, dass erstmals viele Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 9 an Stadtteilschulen in die Jahrgangstufe 10 übergegangen sind, statt die Schule zu verlassen. Entsprechend hat die Zahl der Schulentlassenen - und hier insbesondere derjenigen mit eher niedrigen Abschlüssen - stark abgenommen. Erst im nächsten Schuljahr wird sich zeigen, welchen Effekt die freiwillige Verlängerung der Schulzeit auf die Schulabschlüsse hat.

383 staatliche und 94 private Schulen

Das staatliche Schulwesen umfasst insgesamt 383 Schulen: 190 Grundschulen, 59 Stadtteilschulen, 60 Gymnasien, 13 Sonderschulen, 13 Regionale Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ), 44 Berufsbildende Schulen und vier Schulen der Erwachsenenbildung. Im nicht-staatlichen Bereich gibt es 94 Schulen: 30 Grundschulen, 27 Stadtteilschulen (einschließlich sechs Rudolf-Steiner-Schulen), elf Gymnasien, fünf Sonderschulen, 20 Berufsbildende Schulen und eine Schule der Erwachsenenbildung. Im Vergleich zum Schuljahr 2012/13 ist die Anzahl aller Schulen (staatlich und nicht-staatlich) von 488 auf 477 zurückgegangen. Dies liegt an den organisatorischen Veränderungen im Bereich der staatlichen Sonderschulen: Die Förder- und Sprachheilschulen wurden in den Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) gebündelt. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler an nicht-staatlichen allgemeinbildenden Schulen beträgt 10,6 Prozent und ist damit stabil gegenüber den Vorjahren (2012/13: 10,6%; 2011/12: 10,5%).

Mehr Schülerinnen und Schülern lassen sich für Auslandsjahr beurlauben

Im Vergleich zum Schuljahr 2012/13 wurden 161 weitere Schülerinnen und Schülern an den staatlichen Schulen für einen Schulbesuch im Ausland beurlaubt, die Zahl stieg damit um 22,5 Prozent auf insgesamt 878 Beurlaubungen. Bei 697 Beurlaubungen handelt es sich um ganzjährige Auslandsaufenthalte (Vorjahr: 576). Der Anstieg an Beurlaubungen findet sich sowohl an Stadtteilschulen (+ 25,2%) als auch an Gymnasien (+ 21,7%). Die meisten Beurlaubungen erfolgen weiterhin am Gymnasium in den Jahrgangstufen 10 und 11 und in der Stadtteilschule in der Jahrgangsstufe 11. Diese Zahlen widersprechen der Behauptung, der achtjährige Bildungsgang des Gymnasiums G8 biete für Auslandserfahrungen keine Gelegenheiten mehr.

Schülerzahl an Hamburgs berufsbildenden Schulen gesunken

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den staatlichen Berufsbildendenden Schulen ist im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent auf insgesamt 52.254 (minus 2.458) gesunken. Dieser Rückgang ist erwartungsgemäß maßgeblich auf Reformmaßnahmen im Übergangsbereich zurückzuführen. Deren Ziel ist es, sogenannte Warteschleifen abzubauen und jungen Menschen einen möglichst schnellen Zugang zur beruflichen Ausbildung zu ermöglichen. Des Weiteren korrespondiert die gesunkene Schülerzahl in diesem Jahr damit, dass zum Schuljahresende 2012/13 einmalig deutlich weniger Schülerinnen und Schüler nach der Sekundarstufe 1 der Stadtteilschulen abgingen (s. o.).

Über 75 Prozent der Berufsschülerinnen und -schüler in beruflicher Ausbildung

Mehr als 75 Prozent (39.387) aller Schülerinnen und Schüler an den berufsbildenden Schulen sind in beruflicher Ausbildung, die meisten in der dualen Ausbildung (36.274), 2.914 in einer vollqualifizierenden Berufsfachschule. Entsprechend dem bundesweiten Trend ist die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in der dualen Ausbildung an Hamburger Berufsschulen um 4,2 Prozent (minus 579) gesunken.

Mehr als 16 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchten die Berufsbildenden Schulen, um dort ihren Schulabschluss oder ihre berufliche Qualifikation zu verbessern. Im Einzelnen besuchen 5,6 Prozent (2.910) die Höhere Handelsschule oder ein Berufliches Gymnasium zum Erwerb der Fachhochschul- bzw. Hochschulreife, 2,2 Prozent (1.142) besuchen nach ihrer Berufsausbildung eine Fachoberschule oder Berufsoberschule zum Erwerb der Fachhochschul- bzw. Hochschulreife. Weitere 8,4 Prozent (4.364) erwerben in der Fachschule eine höhere berufliche Qualifikation nach dem ersten Berufsabschluss.

8,5 Prozent (4.451) aller Berufsschülerinnen und -schüler besuchen ein Angebot zum Übergang in Ausbildung, davon 2.162 die dualisierte Ausbildungsvorbereitung. Aufgrund des Zustroms unbegleiteter junger Flüchtlinge ist die Schülerzahl in der Vorbereitung für Migrantinnen und Migranten um 171 auf 733 gestiegen.

Auch im Rahmen der dualen und der vollzeitschulischen Ausbildung können Hamburger Berufsschülerinnen und -schüler ihren Schulabschluss verbessern. Im Schuljahr 2012/13 haben insgesamt 20.703 Schülerinnen und Schüler an den staatlichen Berufsbildenden Schulen ihren Bildungsgang beendet, davon 18.010 erfolgreich mit Abschlusszeugnis.

Immer mehr Ausbildungsanfänger haben Hoch- oder Fachhochschulreife

In der Dienstleistungsmetropole Hamburg ist der Anteil anspruchsvoller Ausbildungsberufe für junge Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen sehr hoch. 2013/14 stieg der Anteil der Ausbildungsanfänger mit Hoch- oder Fachhochschulreife deshalb um weitere 2 Prozentpunkte auf 38,1 Prozent, während der Anteil mit mittlerer Reife um 2 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent sank. Auch im Handwerk steigt die Abiturientenquote weiter an auf 16,5 Prozent - die höchste in Deutschland. Erfreulicherweise bleibt der Anteil der Anfängerinnen und Anfänger in der dualen Ausbildung mit dem ersten Bildungsabschluss (sog. Hauptschulabschluss) mit 23,6 Prozent stabil. Das durchschnittliche Alter der Anfängerinnen und Anfänger in der dualen Ausbildung liegt mit 20,4 Jahren leicht unter dem Durchschnitt des letzten Jahres (20,6).

Die Zahlen der Schuljahresstatistik werden unter www.hamburg.de/schulstatistiken im Internet veröffentlicht.


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