Mehr Zeit an Schulen für Ernährungserziehung

Anlässlich des am Samstag, 23. Februar 2008, in München stattfindenden "Tags der Ernährungsbildung" hat die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Waltraud Lučić, gefordert, Kinder über grundlegende Zusammenhänge von Ernährung und Gesundheit aufzuklären. "Das zentrale Problem der Ernährungserkrankung ist nicht nur im Erwachsenenalter stark verbreitet, es nimmt auch im Kindes- und Jugendalter deutlich zu. Hauptursachen sind Bewegungsmangel und eine an den verringerten Energieverbrauch nicht angepasste Ernährung. Viele Kinder sitzen zu viel und bewegen sich zu wenig." Lučić begrüßte die vom Kultusministerium ins Leben gerufene und vom BLLV unterstütze Aktion "Voll in Form", gleichzeitig bedauerte sie, dass es sich dabei um ein Projekt handelt, das Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich stemmen müssen und für das es keine ausreichenden Zeitfenster gibt. "Gäbe es genügend Zeit, könnten auch die Experten, Fachlehrer/innen für Ernährung, sinnvoll eingesetzt werden. Weil die Aufklärung so früh wie möglich einsetzen soll, ist auch an Grundschulen ein Stundenbudget erforderlich."

21.02.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Das Ernährungs- und Essverhalten verfestigt sich bereits im Kindesalter. Einmal erworbene Ernährungsmuster werden häufig ein Leben lang beibehalten. Veränderte Lebenswelten führen dazu, dass Ernährungserziehung immer weniger im Elternhaus stattfindet. "Mehr denn je sind die Schulen gefordert, sich intensiver mit dem Thema Ernährungs- und Gesundheitsbildung auseinander zu setzen", stellte Lučić fest und forderte für diese fundamentale Aufgabe mehr Unterstützung: "Lehrerinnen und Lehrer brauchen vor allem mehr Zeit. Professionell ausgebildete Fachlehrer/innen Ernährung sind zwar vorhanden, sie kommen aber lediglich an Hauptschulen zum Einsatz. Diese Fachkräfte müssen wieder an allen Schularten eingesetzt werden."

Wissenswertes zum Thema gesunde Ernährung kann nicht nur theoretisch vermittelt werden. "Kinder brauchen vor allem den Bezug zur Praxis", betonte Lučić. "Hervorragend geeignet dafür sind rhythmisierte Ganztagsschulen", erklärte sie und plädierte für einen raschen und bedarfsgerechten Ausbau. "Wenn Schüler und Lehrer gemeinsam essen, kann gesundheitserhaltendes und -förderndes Ernährungsverhalten vorgelebt werden. Gemeinsames Essen bietet auch eine gute Möglichkeit zur Kommunikation und kann zur Förderung eines guten sozialen Schulklimas beitragen. Familiäre Defizite können kompensiert werden. In
Ganztagsschulen können außerdem Ernährungsthemen im Unterricht mit schulischer Verpflegung verbunden werden."

Immer mehr Kinder haben immer weniger Freizeit, in der wenigen Zeit, die ihnen bleibt, sind sie oft auf sich allein gestellt. "Kinder müssen neben gesunder Ernährungsweise auch lernen, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Lučić: "Bekanntlich verbringen viele Kinder einen Großteil ihrer Freizeit hinter dem Fernsehgerät oder dem Computer. Viele essen dabei unkontrolliert, zu fett, zu salzig und zu süß. In der Werbung wird suggeriert, dass diese Energiebomben gesund sind." Kinder müssen animiert werden, ihre Freizeit mit Bewegung, Sport und Spiel zu füllen. Ergänzend dazu müssen kulturelle Angebote ihre Freizeitaktivität bereichern.

Die BLLV-Vizepräsidentin forderte daher erneut, mindestens einmal pro Woche Unterricht im Fach "Ganzheitliche Gesundheitserziehung" an allen Schulen einzuführen. "Schülerinnen und Schüler müssen erleben dürfen, was unter gesunder Lebensweise zu verstehen ist. Sie lernen dies nicht allein durch Informationen, sondern durch Training." Das Fach "Ganzheitliche Gesundheitserziehung" sollte daher zum festen Bestandteil im Alltag eines Schülers werden.

Den "Tag der Ernährungsbildung" veranstaltet die Landesfachgruppe des BLLV Ernährung und Gestaltung. Er findet statt am Samstag, 23. Februar 2008, von 10 bis 14 Uhr in der katholischen Hochschulgemeinde an der TU München, Karlstraße 32. Wegbeschreibung im Internet unter www.khg-tum.de. Von 11 bis 12.30 Uhr referiert Prof. Dr. Helmut Heseker zum Thema "Ernährungsbildung in der Schule - Anspruch und Wirklichkeit", von 13 bis 14 Uhr diskutieren u. a. Dr. Wolfgang Ellegast vom Kultusministerium, CSU-Landtagsabgeordneter Joachim Unterländer, SPD-Fraktionsvorsitzender Franz Maget, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Margarete Bause, sowie die BLLV-Landesfachgruppenleiterin Ernährung und Gestaltung, Gertrud Nigg-Klee.


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