Minister Tesch: Gute Resonanz auf KMK-Aufruf zum bundesweiten Projekttag zum 9. November in Mecklenburg-Vorpommern

"Ich bin beeindruckt von der Kreativität, mit der Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Projekte zum 9. November umsetzen. Da werden Fluchtversuche untersucht, Zeitzeugen befragt, symbolisch eine Mauer gebaut und wieder eingerissen, in alten Dokumenten für Ausstellungen recherchiert. Das Thema "20 Jahre friedlichen Revolution" bietet reichlich Stoff, sich mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen", so Kultusminister Henry Tesch, der in seiner Eigenschaft als diesjähriger Präsident der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) diesen bundesweiten, jährlich wiederkehrenden Projekttag zum 9. November in der KMK initiiert hatte.

03.11.2009 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Diese Initiative ist in Mecklenburg-Vorpommern auf eine gute Resonanz gestoßen. Eine Schnellumfrage im Oktober hatte ergeben, dass bereits mehr als die Hälfte aller Schulen dem Aufruf der KMK gefolgt sind und ganz spezielle Projekte zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des 20. Jahrhundert erarbeitet haben. Dabei sind sowohl alle Regionen als auch alle Schularten vertreten. Über die Empfehlung hinaus beteiligen sich auch Grundschulen daran. Hinzu kommen die vielen Aktivitäten, die dazu ohnehin im Unterricht und in langfristigen Projekten vorgesehen sind.

Als Initiator des deutschlandweiten Projekttages hat Minister Tesch für den 8. und 9. November rund 200 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern aus allen Schulamtsbereichen als Anerkennung für ihr Engagement nach Schwerin eingeladen, um sich ganz intensiv in Diskussionsrunden und Workshops mit der DDR-Geschichte auseinander zu setzen. Dazu hat das Bildungsministerium gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen ein umfangreiches Programm vorbereitet.

So wird Minister Tesch am 8. November vor der Begrüßung der Schülerinnen und Schüler im Schweriner Speicher die Ausstellung "Die Mütter der Solidarnosc" von Andrzej Lazowski vor dem Kultusministerium am Marstall in Schwerin offiziell eröffnen. Diese Ausstellung ist ebenso wie die Fotoausstellung "Die Grenze" von Jürgen Ritter im Foyer des Bildungsministeriums in den Projekttag integriert.

Am 9. November haben die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, an insgesamt 17 Workshops teilzunehmen. Z.B. wird Minister Tesch gemeinsam mit dem Filmemacher Dietrich Zarft über dessen Film "Mit dem Rad Geschichte erfahren – Spurensuche an der ehemaligen innerdeutschen Grenze" mit Schülerinnen und Schülern diskutieren. Der Landesrabbiner William Wolff wird Schülerinnen und Schülern in der Synagoge das Jüdische Leben in Schwerin näher bringen. Zeitzeugen berichten über die Staatssicherheit und Justiz im Norden der DDR. Journalisten informieren über "Geschichten aus der Geschichte – Wie Fernsehen zu historischen Themen entsteht." "Wendepunkte" können im Bereich Kreativworkshop im Tonstudio in der Schule der Künste umgesetzt werden. (Gesamtes Workshopangebot in der Anlage)

Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer aus folgenden Schulen sind zum Projekttag ins Bildungsministerium eingeladen:

Schulamt Greifswald:

  • Hansa-Gymnasium Stralsund, Klasse 10 b, mit dem Projekt "Auf der Mauer, auf der Lauer…". Untersucht wird die Geschichte und gesellschaftliche Entwicklung in der ehemaligen DDR.

  • Regionale Schule mit Grundschule Ducherow, Klasse 8, mit dem Projekt: "Brennpunkt Mauerbau". Das Projekt beinhaltet u. a. Workshops: Rock`n Roll am "Weißen Hirsch", "Das ist nicht mehr mein Staat – Weggehen oder bleiben?"

Schulamt Rostock:

  • Käthe-Kollwitz-Gymnasium Rostock mit dem Projekt "Der Herbst 1989". Ein ausgezeichnetes Projekt in der 11. Klasse erarbeitet seit längerem aus den Stasi-Akten die Geschichte eines gescheiterten Fluchtversuches mit einem U-Boot. Zusätzlich ist ein Modell des U-Boots gebaut und begründet worden, warum die technischen Mängel des U-Boots zum Stranden führen mussten.

  • Christopherusgymnasium – CJD Rostock mit dem Projekt "The Wall –East Side and West Side"

Schulamt Neubrandenburg:

  • Gymnasium Carolinum, Klasse 10, mit dem Projekt "Töpferstraße" zur Aufarbeitung der Geschichte der Stasihaftanstalt in Neustrelitz

  • Kooperative Gesamtschule Stavenhagen mit dem Projekt Spurensuche.

Schulamt Schwerin:

  • Goethegymnasium Ludwigslust mit dem Projekt Domino‑Aktion-Mauerfall. Eine Schülergruppe hat für die Domino-Aktion-Mauerfall am 9.11.2009 in Berlin 1000 Dominosteine (250x100x40 cm) künstlerisch gestaltet, die als Sieger aus einem internen Schulwettbewerb mit über 60 Beiträgen hervorgegangen ist.

  • Gymnasiales Schulzentrum Dömitz, Klasse 11, u. a. mit einem Projekt über die Dorfrepublik Rüterberg

Weitere Beispiele für Projekte rund um den 9. November an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern.

  • Berufliche Schule - Technik Schwerin: Die gesamte Schule wird am Projekttag einbezogen. Geplant sind u. a. Besuche an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Selmsdorf, bei der BStU-Außenstelle Görslow, Zeitzeugengespräche, Auseinandersetzungen mit Ausstellungen (Botschaftsflüchtlinge, 20 Jahre friedliche Revolution) und mehreren Filmen, Arbeit mit dem "DDR-Geschichtskoffer" und eine Dokumentation der ehemaligen Montagsdemo-Strecke in Schwerin.

  • In der Grundschule Tarnow im Landkreis Güstrow steht eine Diskussion mit Zeitzeugen zum Thema: "Die Bildung der Landwirtschaftlichen Produktions­genossenschaften in Mecklenburg-Vorpommern" auf dem Programm.

  • Schüler der Regionalen Schule mit Grundschule Krakow am See stellen im Rahmen des Jugendprogramms "Zeitensprünge" in einer Ausstellung das Projekt "Wende 89 in Krakow am See" vor, außerdem nehmen sie am zentralen Jugendgeschichtstag in Berlin mit einer Präsentation ihrer Projektarbeit teil.

  • Grundschule "Hans Christian Andersen" Neubrandenburg: Ein Projekttag zum Thema "Freiheit ist so …!" beginnt mit einer Schülervollversammlung. In den 4. Klassen gibt es ausführliche Diskussionen mit Zeitzeugen.

  • Integrierte Gesamtschule Neustrelitz "Walter Karbe": Die gesamte Schule beteiligt sich an Projekten zu 1989, z. B. zum Abzug der sowjetischen Truppen, zur Lokalzeitung, zu den wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, zu Veränderungen im Sport, in der Sprache und in der Alltagskommunikation.

  • Die Regionale Schule Gadebusch bereitet eine Ausstellung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls vor.

  • Die conventer Schule Rethwisch will in ihrem "MauerProjekt" auf dem Schulhof symbolisch eine Mauer errichten mit Informationsfeldern, die über die DDR, Mauerereignisse, Menschenschicksale, den Verlauf der friedlichen Revolution und das eigentliche Grenzregime anschaulich berichten. Alle Schülerinnen und Schüler sind aufgerufen, Bausteine für diese Mauer zu gestalten. Für den 9. November ist an der Schule der "Mauerfall" mit nachhaltigem Eindruck vorgesehen.

Minister Tesch: "Die friedliche Revolution in der DDR von 1989/1990 ist das beste Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich politisch zu engagieren. Der Mut und die Zivilcourage derer, die im Herbst 1989 auf die Straße gegangen sind, hinterlassen auch heute noch einen tiefen Eindruck bei den Schülerinnen und Schülern. Mit diesem Datum sind aber auch andere Ereignisse in der deutschen Geschichte verbunden wie z. B. die Novemberrevolution 1918/19, der Putschversuch 1923, die Reichspogromnacht 1938… Der 9. November bietet in einzigartiger Weise die Chance, die Kontinuitäten und Brüche der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und darüber hinaus mit Schülerinnen und Schülern zu diskutieren. Es ist also eine bewusste Schwerpunktsetzung im Sinne einer nachhaltigen Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Wirkungen von Demokratie und Diktatur in Deutschland."

Mehr als 150 weitere Aktionen des Bildungsministeriums gemeinsam mit der Landeszentrale für Politische Bildung und der Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen sind unter www.friedliche-revolution-1989.de eingetragen.


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