Mit Schulsozialarbeit Kindern helfen
Anlässlich des Weltkindertages am 20. September unter dem Motto "Achtung für Kinder", hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel, eine deutliche Aufstockung der Schulsozialarbeit an Bayerns Schulen gefordert. "Der Bedarf steigt, doch der Ausbau der Stellen verläuft zäh und das Angebot reicht bei weitem nicht aus."
19.09.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Er warf der Staatsregierung vor, eigene Beschlüsse nicht konsequent genug umzusetzen. So wurde bereits 2003 angekündigt, innerhalb von zehn Jahren 350 Stellen für Jugendsozialarbeit zu schaffen. Obwohl diese Zahl das absolute Minimum bedeutet und deutlich erhöht werden müsste, wurde die Umsetzung der Ankündigung nach zwei Jahren ausgesetzt. Im Jahr 2006 schließlich gestand man statt der versprochenen 35 Stellen pro Jahr lediglich sieben zu. Der geltende Doppelhaushalt 2007/08 sieht 64 weitere Stellen vor. "Das ist Schulsozialarbeit in viel zu geringen Dosen", kritisierte der BLLV-Präsident. Nach dem Plan der Staatsregierung müssten bereits 175 Stellen geschaffen sein. Bis Ende 2008 sind es aber erst 126 Stellen. "Die anstehenden Probleme sind mit dieser Art des Personalausbaus jedenfalls nicht zu bewältigen. Dem Aufruf von UNICEF zum Weltkindertag, Persönlichkeiten von Kindern ernst zu nehmen und sie zu unterstützen, wird die Politik so nicht gerecht." Wenzel forderte einen zügigen, flächendeckenden Ausbau an allen Schularten. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit sich oder ihrem Umfeld Probleme haben, wird nicht geringer. Im Gegenteil. Experten verzeichnen eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten: Gesundheitliche und psychische Störungen, Disziplinschwierigkeiten und Gewaltbereitschaft nehmen zu. Nach einer Studie von Prof. Joachim Bauer von der Universität Freiburg wurden im Laufe eines Schuljahres 53 Prozent aller Hauptschullehrer Ziel verbaler Attacken und Mobbing.
Zehn Prozent haben die mutwillige Beschädigung ihres Eigentums erlebt, acht Prozent wurden konkret mit körperlicher Gewalt bedroht. Wenzel: "Immer öfter entlädt sich angestauter Frust in der Schule, zumal die Kinder dort weitere Demütigungen in Form nicht erreichter Leistungen erfahren. Lehrerinnen und Lehrer werden Opfer verbaler und auch körperlicher Attacken, viele leiden unter erschwerten Arbeitsbedingungen, nicht selten werden sie davon regelrecht krank. Ein unhaltbarer Zustand. Dennoch muss klar sein, dass nicht die Kinder schlecht sind, in der Regel ist es ihre Situation. Viele leiden unter zunehmender Ausgrenzung und Bindungslosigkeit. Hinzu kommen Demütigungen, die zu emotional-sozialen Defiziten führen können und in Aggressionen münden. Das streng gegliederte, auf Noten und Berechtigungen fixierte Schulsystem, das Schüler aufteilt und ausgrenzt, verstärkt diese Befindlichkeiten."
Einen Ausweg sieht Wenzel in dem flächendeckenden Ausbau von Schulsozialarbeit, die gezielt eingreifen und qualifizierte Hilfe anbieten kann, aber auch präventiven Charakter haben muss. "Die Kinder und Jugendlichen brauchen Zuwendung, Beachtung und das Gefühl, nützlich zu sein." In Schulen kann das nur dann vermittelt werden, wenn es die dafür erforderliche Zeit gibt, vor allem aber geschultes Personal, das diese Aufgabe professionell bewältigen kann. "Der BLLV sieht die Lösung jedenfalls nicht in der Formel: Wer stört, fliegt raus."
Moderne Schulsozialarbeit ist nach dem Verständnis des BLLV mehr als Betreuung und Versorgung, sie ist auch Bildungsarbeit. Das Ziel muss die Integration sein. Um ein sinnvolles und bedarfsgerechtes Angebot an Schulsozialarbeit sicherzustellen, muss
- Schulsozialarbeit in allen Schulstufen und Schularten, nicht nur in Brennpunktschulen geleistet werden. Der Einstieg in die Grundschule ist zu begrüßen.
- der Bereich Schulsozialarbeit dem Kultusministerium zugeordnet werden. Denn Schulsozialarbeit ist Bildungsarbeit.
- die Finanzierung gesichert sein.
- das Personal kräftig aufgestockt werden. Für eine wirksamere sozialpädagogische Arbeit sind deutlich mehr Stellen für Sozialpädagoginnen und -pädagogen erforderlich.
- das Programm offensiver und konsequenter ausgebaut werden. Es ist allemal kostengünstiger möglichst früh und intensiv in die pädagogische Arbeit zu investieren als später in die Rehabilitation.
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