Mit Werteerziehung vor Radikalismus schützen

"Traditionelle Werte und Normen dürfen ihre Verbindlichkeit nicht verlieren. Ohne das Einhalten klarer Vorgaben, ohne Disziplin und die Vermittlung grundlegender Werte wie Toleranz und Solidarität kann das Miteinander in Schulen nicht gelingen." Darauf hat die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Waltraud Lucic, bei der heutigen Veranstaltung "Für Toleranz - gegen das Vergessen" im Jüdischen Zentrum München hingewiesen.

29.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Eingeladen hatte der BLLV in Kooperation mit dem "Bayerischen Bündnis für Toleranz". Die Tatsache, dass in Bayern in zunehmendem Maße rechtsradikale Aktivitäten zu beobachten sind, bezeichnete Lucic als "in hohem Maße alarmierend." Sie forderte, alle jungen Menschen mit entsprechenden Präventivmaßnahmen davor zu schützen. "Das Einhalten von Werten spielt dabei eine entscheidende Rolle und muss in allen gesellschaftlichen Bereichen konsequent vorgelebt werden. Vor allem Schulen müssen Orte sein, an denen Kinder und Jugendliche spüren können, dass sie etwas ´wert´ sind und dass sie unabhängig von ihren Noten geschätzt werden." Lucic sprach sich für den flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau rhythmisierter Ganztagsschulen aus: "Sie können Orte sein, an denen Jugendliche negativen Einflüssen nicht ungeschützt ausgeliefert sind."

"Viele Kinder kennen die einfachsten Regeln des Miteinanders nicht mehr", stellte Lucic fest. Lehrerinnen und Lehrer müssen oftmals Basisarbeit leisten." Sie vermitteln den jungen Menschen, wie wichtig das Einhalten von Regeln, gegenseitiger Respekt und Toleranz sind. Die meisten Schüler/innen nehmen diese Vorgaben dankbar an und empfinden sie nicht als Gängelei. "Leider machen sie die Erfahrung, dass das, was in der Schule gilt, außerhalb der Schule vielfach keine oder nur geringe Bedeutung hat. Werte verlieren mehr und mehr an Bedeutung und Verbindlichkeit. Wertevorstellungen driften immer weiter auseinander. Gesellschaftliche Verbindlichkeiten wie soziale Verantwortung und Solidarität nehmen ab. "Eine Tatsache, die viele Heranwachsende verunsichert - und viele Lehrkräfte zermürbt."

Die Spannungen und Widersprüche, denen junge Menschen heute ausgesetzt sind, sind so extrem, dass sie viele überfordern. Lucic: "Schon in der Schule erfahren Kinder und Jugendliche, dass Armut ausgrenzt und die soziale Herkunft über Bildungsbiografien entscheidet." Wer nicht "mithalten" kann, wird schnell zum Außenseiter. "Junge Menschen, die sich an den Rand gedrängt fühlen oder keine Perspektive sehen, lassen sich leichter radikalisieren", warnte die BLLV-Vizepräsidentin. Sie wies auch darauf hin, dass viele Kinder auch deswegen Halt, Stabilität und Sicherheit verlieren, weil ihre Familien zerbrechen. "Die Zahl der Ein-Kind-Familien wächst ebenso wie die der Alleinerziehenden. Auch gemeinsam verbrachte Zeit wird rar, weil Eltern wenig Zeit haben. Zu viele Kinder und Jugendliche sind sich selbst überlassen und verbringen zu viel Zeit vor Fernsehgeräten und Computer."

Kinder und Jugendliche sind heute einer Flut von Informationen weitgehend ungeschützt ausgeliefert. "Es gibt Schülerinnen und Schüler, die länger vor Fernseher und Computer sitzen als in der Schule", berichtete sie. Unkontrollierter Medienkonsum macht Kinder nicht nur nervös, wortarm, fantasielos und ängstlich. Er kann auch dazu führen, dass eine Mentalität der sofortigen Bedürfnisbefriedigung entstehen kann."

Die Folgen machen vor der Schule nicht halt: In den Klassenzimmern kommt es oftmals zu sozialen Spannungen, zu verbalen und körperlichen Aggressionen, Unterrichtsstörungen oder Disziplinprobleme. "Das belastet und stresst nicht nur die Schüler, sondern auch viele Lehrer extrem", erklärte Lucic.


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