Bayern

Mittelschule findet nicht nur Zustimmung

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat Bürgermeister und Schulleiter aus ganz Bayern zur Umwandlung von Haupt- in Mittelschulen befragt. Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass Mittelschulen als Lösung schulpolitischer Probleme unterschiedlich und von Schulleitern eher kritisch bewertet werden. So sind 73% der Bürgermeister davon überzeugt, mit einer Mittelschule ein wohnortnahes Schulangebot sichern zu können. 52% der Schulleiter glauben jedoch nicht daran, mit dieser Maßnahme die Schule für die nächsten zehn Jahre am Ort halten zu können.

22.12.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Als Gründe für den dramatischen Rückgang der Schülerzahlen und bevorstehende Schulschließungen werden zu 90% steigende Übertrittszahlen auf Gymnasien und Realschulen an genannt, 60% machen dafür auch die demografische Entwicklung verantwortlich. "Allen Beteiligten ist klar, dass sich früher oder später viele Schulen nicht retten lassen - egal, ob sie nun Haupt- oder Mittelschule heißen", schlussfolgert BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Die investierten Gelder seien bereits heute als Fehlinvestition anzusehen. "In Zeiten knapper Kassen ein denkbar kurzfristiges und in keiner Weise nachhaltiges schulpolitisches Vorgehen."

Der BLLV hatte stets weitergehende Konzepte vorgeschlagen, die von der Staatsregierung jedoch rigoros abgelehnt wurden. "Schulleiter machen nun aus der Not eine Tugend und geben ihr Bestes", betonte Wenzel. "Sie wollen natürlich möglichst lange und möglichst erfolgreich ihre Schule aufrecht erhalten. Gleichzeitig ist ihnen aber auch bewusst, dass sie gegen Windmühlen kämpfen - viele Standorte werden sich mit dem Konzept der Staatsregierung nicht halten lassen."

Der BLLV führte die Befragung im Oktober 2010 durch. "Wir haben uns mit einem Fragenkatalog an 827 Bürgermeister und 863 Schulleiter von Haupt- bzw. Mittelschulen gewandt. Der Rücklauf war mit 50% erfreulich hoch. Es liegen von 839 Personen Antworten vor", teilte Wenzel mit. "Wir wollten wissen, wie die neue Mittelschule ankommt, welche Schwierigkeiten es bei der Umsetzung gab und was sich die Beteiligten von der neuen Schulart erhoffen - oder nicht."

Drei Viertel der Bürgermeister und Rektoren hatten ihre Hauptschulen bereits zum Schuljahr 2010/11 in Mittelschulen umgewandelt. Bei weiteren 22% ist dieser Schritt für das nächste Schuljahr geplant. Nur bei 17 Befragten gab es noch keine Überlegungen dazu. 92% der Umwandlungen erfolgten im Rahmen eines Schulverbundes; 27% in großen Verbünden mit vier und mehr Schulen. Nur 8% der Hauptschulen konnten direkt in Mittelschulen überführt werden.

Knapp die Hälfte der Befragten äußerte, dass der Schulverbund ohne große Probleme auf den Weg gebracht werden konnte. In anderen Fällen war die Einigung der beteiligten Bürgermeister schwierig oder die Verteilung des Bildungsangebots auf die verschiedenen Standorte strittig. Skepsis oder Widerstände bei den beteiligten Eltern, Kollegien, Kommunen oder der Wirtschaft waren eher gering. 50% aller befragten Bürgermeister und Schulleiter erhoffen sich eine bessere Akzeptanz der Schule bei den Eltern, 40% rechnen mit Verbesserungen des Bildungsangebots.

Bürgermeister und Rektoren, die Zweifel an einer Bestandssicherung ihrer Schule haben, wurden gefragt, wie sie sich eine nachhaltige Lösung der Probleme ihrer Schule vorstellen könnten. Bei Mehrfach-Antwortmöglichkeit setzten zwei Drittel die Hoffnung auf kleinere Klassen und mehr Lehrerstunden. Dabei erwarten aber nur insgesamt 27% die Lösung der Probleme allein durch eine solche Ressourcenmehrung. 40% halten zusätzlich zur besseren Ausstattung eine Weiterentwicklung der Schulstruktur für notwendig. 45% sehen eine nachhaltige Problemlösung gegeben, wenn alle Schüler bis zur 10. Klasse die Schule besuchten (Rektoren häufiger als Bürgermeister) und 42%, wenn die Schule einen "echten" Realschulabschluss anbieten könnte (Bürgermeister etwas häufiger als Rektoren). Nach Abzug der Doppelnennungen bei diesen beiden Antwortmöglichkeiten bleiben 67%, die eine Weiterentwicklung der Schulstrukturen als Lösung der Schulprobleme wünschen. Diese Einschätzung schlägt sich folgerichtig bei zwei Drittel der Bürgermeister und Rektoren in der Bereitschaft nieder, neue Anträge beim Kultusministerium zu stellen, die über das Konzept der Mittelschule hinausgehen. 12% der Befragten haben keine Hoffnungen mehr, dass ihre Schule noch gerettet werden kann


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