Neuer Pflichtstundenerlass: Grobes Foul in der Nachspielzeit

In der "Nachspielzeit" ihrer Amtszeit präsentiert die schwarze Rumpfregierung einen neuen Pflichtstundenerlass für Lehrkräfte. "Trotz Verbesserungen für die meisten Lehrerinnen und Lehrer an Regional- und Gemeinschaftsschulen, die eine oder zwei Stunden weniger unterrichten müssen, bleibt der Erlass ein Sammelsurium an Ungerechtigkeiten. Die Landesregierung lässt die Chance verstreichen, die Lehrverpflichtungen für alle Lehrerinnen und Lehrer einheitlich festzulegen, und zwar auf 24 Stunden, um so den gewachsenen Belastungen Rechung zu tragen. Es ist zum Beispiel nicht einzusehen, warum Lehrkräfte an Grundschulen 28 Stunden unterrichten sollen, während sie an Gymnasien 24,5 Pflichtstunden haben", sagte Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Dienstag, 15.09.09 in Kiel. Er forderte die betroffenen Lehrkräfte auf, ihrem Unmut auf Wahlveranstaltungen der Parteien Luft zu machen.

15.09.2009 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

Aus Sicht des GEW-Landesvorsitzenden produziert der neue Erlass mindestens drei große Gruppen von Verlierern:

  • Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen. Sie werden von den Verbesserungen abgehängt, obwohl gerade an den Grundschulen die Belastungen in den vergangenen Jahren durch die verlässliche Grundschule und den jahrgangsübergreifenden Unterricht besonders gewachsen sind.
  • Lehrerinnen und Lehrer an Gesamtschulen. Sie müssen in Zukunft sogar eine halbe Stunde pro Woche länger unterrichten, obwohl gerade die Gesamtschulen in den vergangen Jahren die Trendsetter für ein fortschrittliches Bildungssystem mit Lernen in heterogenen Gruppen waren.
  • Gymnasiallehrkräfte an Gemeinschaftsschulen. Sie müssen in Zukunft 1,5 Pflichtstunden pro Woche mehr unterrichten als ihre Kolleginnen und Kollegen an Gymnasien. Dadurch dürfte es in Zukunft noch schwerer werden, Gymnasiallehrerinnen und –lehrer für die Gemeinschaftsschulen zu gewinnen. Ohne ausreichend Gymnasiallehrerinnen und –lehrer reduziert sich aber in den Augen vieler Eltern die Attraktivität der Gemeinschaftsschulen.

Matthias Heidn wies darauf hin, dass der Erlass vermutlich auch unter der Großen Koalition kaum besser ausgefallen wäre. "Trotzdem hat man den Eindruck: Die schwarze Rumpfregierung will quasi mit einem bösen Foul in der Nachspielzeit den von ihr ungeliebten Schularten Gesamtschule und Gemeinschaftsschule noch einen mitgeben. Schließlich waren beide Schularten der Union schon immer ein Dorn im Auge", so der GEW-Landesvorsitzende.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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