Neuer Schub für Hessens Hauptschulen - Karin Wolff hält Regierungserklärung im Hessischen Landtag
"Die neue Hauptschule in Hessen wird ein eigenständigeres, stärker an der Berufspraxis orientiertes Förderangebot haben, das sich von anderen Schulformen klar abhebt. Die Kombination von Schule und Betrieb mit drei Tagen in der Schule und zwei Tagen im Betrieb für die abschlussgefährdeten Schülerinnen und Schüler von bislang 111 hessischen SchuB-Klassen ist ein Erfolgsmodell. Diesen Schub wollen wir auf alle hessischen Hauptschulen übertragen, um sie attraktiver zu machen, ihre Schülerinnen und Schüler für den Arbeitsmarkt fit zu machen, ihnen gute Lebenschancen und weitere Abschlüsse zu ermöglichen", sagte Kultusministerin Karin Wolff heute bei der Regierungserklärung "Neuer Schub für Hessens Hauptschulen" im Wiesbadener Landtag.
08.03.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenDer Weg zur neuen Hauptschule sei insofern mit einem Systemwechsel verbunden, als bisher nur besonders leistungsschwache Schülerinnen und Schüler mit schlechten Noten und oft katastrophalem Verhalten in SchuB-Klassen aufgenommen worden sind, "bei denen frühzeitig absehbar ist, dass sie ohne SchuB keinen Hauptschulabschluss erreichen werden". Hessens SchuB-Klassen seien unbestreitbar erfolgreich:
- Von 206 Schülerinnen und Schülern, die seit 2004 erstmals an SchuB-Maßnahmen teilgenommen und durchgehalten haben, haben 188 einen Hauptschulabschluss erreicht, 71 davon sogar den qualifizierenden Hauptschulabschluss.
- Nur 9 Prozent dieser SchuB-Schülerinnen und Schüler haben keinen Abschluss erreicht, aber 57 Prozent den Hauptschul- und 34 Prozent den qualifizierenden Hauptschulabschluss.
- Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ersten SchuB-Durchgangs hatten bis Juli 2006 bereits 68 verbindliche Zusagen für Ausbildungsplätze, 11 für Arbeitsplätze und weitere 57 haben weiterführende Schulen besucht.
- Zusätzlicher Schwung durch SchuB habe auch in der Presse seinen Niederschlag gefunden: "Letztes Jahr hatte ich keine Lust mehr auf Schule, aber mit dem Projekt SchuB ist das was anderes" (Offenbach Post vom 23. Januar 2007), "Die Erfolgserlebnisse während der Praktika lösen … einen Motivationsschub aus, der sich auch positiv auf das schulische Verhalten auswirkt" (Frankfurter Rundschau vom 5. Dezember 2006).
Fazit von Karin Wolff: "Trotz erheblich schlechterer Einstiegs-Noten haben SchuB-Absolventen massiv bessere Ausbildungsplatz-Chancen als deren bisherige Mitschüler in den Regelklassen." Diesen Erfolg wolle die Landesregierung auf alle hessischen Hauptschulen übertragen. Auch das Profil der Realschulen in Hessen soll geschärft werden: "Das darf nicht die Sandwich-Schulform zwischen Hauptschule und Gymnasium sein. Die Realschule braucht ein allgemein bildendes Profil mit den Schwerpunkten Sprachen, Informationstechnologie und Wirtschaft sowie Übergangsmöglichkeit in die Gymnasiale Oberstufe", erklärte die Kultusministerin. "Eltern sollen frei wählen können, welche Schulform für ihre Tochter oder ihren Sohn die richtige ist", bekräftigte sie die Politik der Landesregierung für Wahlfreiheit im Schulwesen.
Bei einer Bestätigung im Amt wolle die Landesregierung "in den nächsten acht bis zehn Jahren schrittweise dafür sorgen, dass an allen Schulen in Hessen ein freiwilliges Ganztagsangebot von 7:30 bis 17:00 Uhr vorgehalten wird", versprach Karin Wolff. Mit ihrer Mehrheit im Landtag habe die Landesregierung in den vergangenen Jahren erreicht, dass:
- die frühere Blockade jeglicher neuer Anträge auf Einrichtung neuer Ganztagsschulen beendet wurde.
- Grundschulen gesetzlich in das Ganztagsprogramm aufgenommen wurden.
- die Streichung der gebundenen Ganztagsschule aus sozialdemokratischer Zeit zurückgenommen wurde.
- dass nicht mehr nur 132, sondern 523 ganztägige Angebote im Sommer 2008 erreicht werden können – ausgestattet mit 950 Stellen und 45 Millionen Euro jährlich.
- die Regionen des Landes und die Schulformen nicht mehr völlig ungleich behandelt werden.
Eine "Einheitsschule à la Ypsilanti" lehnte Hessens Kultusministerin vehement ab: Die SPD habe keine Gelegenheit ausgelassen, Hauptschule und Hauptschüler schlecht zu reden und tue dies weiter. Der hessischen SPD-Chefin warf sie ein "realitätsfernes Menschenbild" vor, wenn sie in Wahlkampfreden davon spreche, dass bereits im Alter von zehn Jahren die Entscheidung falle, "ob ein Kind ´Müllmann oder Pilotin´, ´Lagerarbeiter, Pianist oder Ingenieur´, "Pilot oder Maurer´ wird" und gar behaupte: "Wenn ein Kind nicht aufs Gymnasium kommt, geht der Weg nach unten". Tatsache sei, dass in Hessen Hauptschulabgänger mit anschließender Ausbildung zum Meister studieren dürfen.
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