Gesundheitsschutz

Forderung nach Wechselunterricht und Lüftungssystemen

Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) steht einem früheren Beginn der Weihnachtsferien neutral gegenüber.

25.11.2020 Baden-Württemberg Pressemeldung Philologenverband Baden-Württemberg
  • © Alexandra Koch / pixabay.com

„Die Ferien sollen früher beginnen, um das Feiern im Familienkreis zu Weihnachten sicherer zu machen? Und das, obwohl die Kultusminister ständig versichern, dass die Schulen sicher seien? Eine interessante Logik!“, so der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl.

Mit einem letzten Schultag am 18.12.2020 oder gar am 16.12.2020 wäre – angesichts einer mittleren Inkubationszeit von 5-6 Tagen – rechnerisch gerade genug Zeit, damit sich bei einer Infektion am letzten Schultag erste Krankheitssymptome rechtzeitig zum Heiligen Abend zeigen. „Gibt das wirklich mehr Sicherheit? Angesichts der Tatsache, dass ca. 60 % der Corona-infizierten Kinder und Jugendlichen (über den genauen Prozentsatz streiten die Wissenschaftler noch) keine Symptome zeigen, ist das doch eine absolute Milchmädchenrechnung! Wenn die Scheinsicherheit durch einen früheren Beginn der Weihnachtsferien bei vielen Familien dazu führt, Weihnachten in der gewohnten Form mit Großeltern und Freunden zu feiern, besteht die große Gefahr, dass die Feiertage zu einer großen Corona-Party werden“, erklärt Ralf Scholl. 

„Der einzige Weg, Weihnachten wirklich sicher zu gestalten, wären flächendeckende Corona-Tests kurz vor Weihnachten.“ Viel wichtiger als die publikumswirksame Scheinlösung eines vorgezogenen Ferienbeginns sind nach Ansicht des Verbands der Gymnasiallehrkräfte nachhaltige Beschlüsse zum Gesundheitsschutz an Schulen. Die Inzidenzwerte sind nach wie vor extrem hoch. Fast 10 % aller Corona-Tests fallen mittlerweile positiv aus.

Daher wiederholt der PhV BW seine Forderung nach regulärem Unterricht in einem rollierenden System mit halber Schülerzahl ab Klasse 7 an allen weiterführenden Schulen. Jede halbe Klasse soll dabei abwechselnd Phasen mit intensivem Präsenzunterricht und mit der Bearbeitung von Aufgaben zuhause haben. „Es darf durch das rollierende System zu keiner noch weiter erhöhten Belastung der Lehrkräfte kommen, die ohnehin durch Corona schon am bzw. über dem Limit sind“, betont der PhV-Landesvorsitzende. „Natürlich ist es unser aller Ziel, die Schulen möglichst weitgehend offen zu halten. Es macht aber keinen Sinn an weiterführenden Schulen, den Unterricht mit kompletten Klassen weiterzuführen, wenn dadurch immer mehr Schüler und Lehrkräfte immer öfter ungeplant und kurzfristig in Quarantäne müssen oder wenn es wegen Superspreader-Events oder massiven Lehrerausfällen zu kompletten Schulschließungen kommt.“ Dann sei es besser, in einer geplanten Weise Präsenzunterricht und häusliche Aufgabenbearbeitung zu kombinieren und in der Schule die wichtigste der AHARegeln – das Abstandsgebot – im Unterricht einzuhalten.

Zudem sollten Raumluftreiniger zur Verminderung der Aerosol-Konzentration in allen Unterrichtsräumen und Sporthallen installiert werden. Dazu erläutert Ralf Scholl: „Selbstverständlich werden Raumluftfilteranlagen nicht als Ersatz für das
notwendige Stoßlüften in den Pausen eingesetzt. Das bleibt weiterhin notwendig. Die Geräte verhindern aber das Ansteigen der aerosolgebundenen Virenlast der Luft in den Unterrichtsstunden und verringern den Zwang zu zusätzlichen Lüftungspausen.“

Aktuelle Entwicklungen an den Schulen machen ein nachhaltiges Handeln der Bildungspolitik aus Sicht des Philologenverbands Baden-Württemberg immer dringender notwendig. So gab es in den vergangenen 14 Tagen vier Superspreader-Events an deutschen Schulen:

  • Grundschule in Mögeln (Sachsen): 63 von 130 Schülern und Lehrkräften positiv getestet
  • Schul-Zweigstelle Billbrookdeich in Hamburg: 94 Schüler und Lehrkräfte positiv getestet
  • Gesamtschule in Lollar (Hessen): 44 Schüler positiv getestet
  • Ida-Ehre-Schule in Hamburg: 55 von 1.200 Schülern und Lehrkräften positiv getestet

Zudem zeigen die Inzidenz-Zahlen des RKI für die 15-19-Jährigen von letzter Woche z.B. für Heilbronn (376), Mannheim (356) und Stuttgart (264), dass die Infektionsrate in dieser Altersgruppe extrem hoch ist – in Mannheim und Stuttgart höher als in jeder anderen Altersgruppe. Ralf Scholl erklärt abschließend: „Um die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte sowie der mit ihnen in Kontakt stehenden Personen bestmöglich zu schützen, reicht es nicht aus, immer nur gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass die Schulen keine Treiber der Corona-Pandemie sind. Stattdessen muss endlich anerkannt werden, dass es auch an den Schulen zu Ansteckungen kommt. Das Coronavirus ist zu einfach aufgebaut, um Versprechen und Beschwörungen von Politikern zu verstehen. Es vermehrt sich konsequent überall dort, wo man ihm eine Chance dazu bietet. Wer das ignoriert, gefährdet fahrlässig sich selbst und alle anderen.“


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