PISA-Test Finanzwissen: 15 Prozent der Schüler wissen wenig über Finanzen
(red/pm) Wieviel mehr kostet mich mein neues Fahrrad, wenn ich es auf Raten zahle? Stehen die Versandkosten eines Produkts in einem günstigen Verhältnis zu seinem Preis? Mit Fragen dieser Art beschäftigten sich 29.000 Schüler im Alter von 15 Jahren im Rahmen des ersten PISA-Tests für Finanzwissen. Das Ergebnis: Einer von sieben Schülern hat Schwierigkeiten, selbst alltägliche Kaufentscheidungen zu treffen. An dem Test beteiligten sich 13 Länder aus der OECD sowie fünf weitere Staaten.
09.07.2014 ArtikelDeutschland, Österreich und die Schweiz waren allerdings nicht dabei. Geprüft wurde zum Beispiel, ob die Schüler Rechnungen lesen, Bankauszüge verstehen oder die längerfristigen Kosten eines Kredits erfassen können. Dabei stellte sich heraus, dass Teilnehmer mit guten Resultaten im PISA Lese- oder Mathe-Test häufig auch über ein gutes Finanzverständnis verfügen. Jungen und Mädchen schnitten in den meisten Ländern etwa gleich ab.
<iframe width='484' height='620' frameBorder='0' src='http://www.compareyourcountry.org/pisa?cr=oecd&lg=en&page=20'></iframe> Das höchste Durchschnittsergebnis im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung erzielte Shanghai (China), gefolgt von der Flämischen Gemeinschaft Belgiens, Estland, Australien, Neuseeland, der Republik und Polen. Alle erreichten Ergebnisse, die über dem Durchschnitt der teilnehmenden OECD‑Länder und ‑Volkswirtschaften liegen.
Nur jeder zehnte Schüler in den teilnehmenden OECD‑Ländern und ‑Volkswirtschaften ist in der Lage, die schwierigsten Aufgaben der PISA‑Erhebung 2012 über finanzielle Allgemeinbildung zu lösen. Sie können Finanzprodukte mit Merkmalen, die nicht sofort ersichtlich sind, wie z. B. Transaktionskosten, analysieren, nichtroutinemäßige Finanzaufgaben, wie die Berechnung des Saldos in einem Kontoauszug unter Berücksichtigung der Überweisungsgebühren, lösen und haben Kenntnisse über das allgemeine Finanzumfeld, wie z.B. die Auswirkungen der Einkommensteuerstufen.
Im Gegensatz dazu erzielten durchschnittlich 15% der Schülerinnen und Schüler Leistungen, die in der PISA‑Skala für finanzielle Allgemeinbildung unter dem Grundkompetenzniveau liegen. Diese Schülerinnen und Schüler können bestenfalls den Unterschied zwischen Bedürfnissen und Wünschen erkennen, einfache Entscheidungen über Ausgaben des täglichen Lebens treffen, den Zweck gewöhnlicher Finanzdokumente, wie z. B. einer Rechnung, erkennen und einfache Aufgaben in den Grundrechenarten (Addition, Subtraktion oder Multiplikation) in Kontexten durchführen, mit denen sie wahrscheinlich vertraut sind.
Sozioökonomisch begünstigte Schülerinnen und Schüler erzielten in den teilnehmenden OECD‑Ländern und ‑Volkswirtschaften durchschnittlich 41 Punkte mehr als weniger begünstigte Schüler. Estland ist das einzige Teilnehmerland mit überdurchschnittlichen Leistungen, in dem der Zusammenhang zwischen finanzieller Allgemeinbildung und sozioökonomischem Status unterdurchschnittlich stark ausgeprägt ist.
Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund schnitten in den OECD‑Ländern und ‑Volkswirtschaften im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung durchschnittlich etwas besser ab als Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die in Bezug auf den sozioökonomischen Status, die zu Hause gesprochene Sprache und die Leistungen in Mathematik und Lesekompetenz ähnliche Merkmale aufweisen. Der Abstand zwischen Schülern mit und Schülern ohne Migrationshintergrund ist im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung in der Flämischen Gemeinschaft Belgiens, in Estland, Frankreich, Slowenien und Spanien größer als im OECD‑Durchschnitt.
Das Geschlechtergefälle im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung war bei den 15‑Jährigen im Gegensatz zur Erwachsenenbevölkerung gering. Mit Ausnahme Italiens waren in allen teilnehmenden Ländern und Volkswirtschaften keine Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen festzustellen. In den OECD‑Ländern und ‑Volkswirtschaften gab es im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung mehr besonders leistungsstarke und mehr besonders leistungsschwache Jungen als Mädchen.
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