Politik des Kultusministers belastet die Lehrkräfte zu stark

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen, Eberhard Brandt, er­klärte zu Beginn des neuen Schuljahres: "Wir registrieren bei den 81.000 Beschäftig­ten der niedersächsi­schen Schulen eine wachsende Unzufriedenheit mit ihren Arbeitsbedin­gungen. Die dünne Personaldecke verursacht eine schlechte reale Unterrichtsversorgung. Die Folgen: eine unhaltbare Überlastung der Leh­rerinnen und Lehrer und ungünstige Lernbedin­gungen. Es wird Zeit, dass der Kultusminister endlich etwas tut und nicht nur Sonntagsreden hält."

27.08.2007 Niedersachsen Pressemeldung GEW Niedersachsen

Die GEW fordert zusätzliche 2.000 Neueinstellungen. Mit 1.000 Stellen sollen die Schulen die Möglichkeit erhalten, Klassen zu verkleinern und etwas Luft für Vertretungsunterricht zu be­kommen. 600 Stellen sieht die GEW für die Entlastung der Kollegien für außerunterrichtliche Aufgaben vor, die Busemann vermehrt eingeführt hat. 400 Stellen sollen den neu eingerichteten Ganztagsschulen zu Gute kommen, denen bis­her der notwendige Ganztagszuschlag vorent­halten wird. Die Landesregierung habe in der mittelfristigen Finanzplanung ursprünglich beschlossen, in 2007 und 2008 weitere Stellen abzubauen. Davon habe sie inzwischen Abstand genommen. Dies dürfe jedoch nicht nur für Wahlkampfzeiten gelten, der Stellenabbau müsse grundsätzlich ein Ende haben. Demogra­phiegewinne müssten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen pädagogischer Arbeit und zur Entlas­tung der Lehrkräfte verwendet werden.

All das Gerede von Qualitätsentwicklung könne der Kultusminister vergessen, wenn er nicht dafür sorge, dass die Bedingungen für eine ordentliche Arbeit in den Schulen stimmten, so der GEW-Vorsitzende.

Außerdem fordert die GEW die Landesregierung auf, im neuen niedersächsischen Beamtenge­setz das Pensionsalter für die Pädagoginnen und Pädagogen bei 65 Jahren zu belassen. Die GEW sieht in einer Heraufsetzung des Pensionsalters vor allem ein Programm zur Kürzung der Pensionszahlungen. GEW – Chef Brandt erwartet von Ministerpräsident Wulff, dass er diese Frage vor den Landtagswahlen entschei­det. Das Innenministerium ist aktuell mit der Erarbei­tung eines niedersächsischen Beamtengesetzes befasst.

Die Altersteilzeit der Beschäftigten der Schulen – ein gut akzeptiertes Erfolgsmodell - müsse unbedingt erhalten bleiben. Dadurch schafften es viele Kollegen in den Jahren vor der Pension ihre Arbeit mit Freude weiter zu führen. Brandt möchte mit Wulff in Verhandlungen über die Weiterführung des beste­henden Modells eintreten. "Weiß die Regierung eigentlich, welche Re­signation sie bei einer ganzen Generation von Lehrkräften auslösen würde, wenn die Altersteil­zeit 2009 auslaufen würde?"

Die Schulpolitik der Landesregierung erfordert nach Ansicht der GEW eine dringende Korrektur: Das Gründungsverbot für Gesamtschulen müsse aufgehoben werden. Die Eltern hätten diese Schulform als Alternative zum gegliederten Schulsystem stärker angewählt denn je. Noch nie hätten so viele Schülerin­nen und Schüler mangels Kapazitäten abgewiesen werden müssen. Aus rein ideologischen Dogmen halte die Regierung an dem Verbot fest; sie müsse endlich pragmatisch werden - so wie CDU und FDP in früheren Jahren.

Verantwortlich: Richard Lauenstein

Ansprechpartner

GEW Niedersachsen

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden