Positionierung des Vorsitzenden des Landesschülerrates, Marcel Pytka, zur allgemeinen gewaltbelasteten Situation an Schulen in Sachsen- Anhalt

Im Moment vergeht kein Tag, an dem nicht von irgendwelchen verhaltensauffälligen und gewalttätigen Schülern und damit verbundenen Straftaten an Sachsen- Anhaltischen Schulen berichtet wird.

06.04.2006 Sachsen-Anhalt Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

Die Medien fokussieren aus ihrem Informationsbedürfnis heraus nur die schlechten Ereignisse und vergessen dabei auch die lobenswerten, jedoch schlecht verkäuflichen, ebenfalls hervorzuheben.

Ich stelle mich als Vorsitzender des Landesschülerrates und letzten Endes als Vorsitzender einer Interessenvertretung, welche sich mit den schwächsten und oft beschämten Schülerinnen und Schülern des Landes Sachsen- Anhalt beschäftigt, gegen die generalisierte Schlechtrederei von Schulen unseres Landes.

Dass die Situation in den Schulen leider oft nicht so ist, wie sie von Schülern, Eltern und letzten Endes auch Lehrern gewünscht wird, steht ohne Zweifel fest. Man darf sich jedoch nicht hinreißen lassen und sich solchen Hiobsbotschaften wie den Vorkommnissen in Gardelegen oder Berlin blind anschließen. Ich bin der Meinung, dass auf jede Schule, die solche negative Publicity in die Schlagzeilen bringt, auch viele andere kommen, die ebenso Schlagzeilen schreiben könnten, nur eben gute, nein, hervorragende.

Ich kann diese ständig immer lauter werdende Rumreiterei auf den "bösen, schlimmen, schlechten und dummen" Schülern nicht länger nachvollziehen! Schülerinnen und Schüler unseres Landes haben in den letzten Jahren hervorragendes geleistet und haben es auch verdient, gelobt zu werden.

Dass es allerdings schlimm und moralisch nicht tragbar ist, auch nur eine Schule mit einem fragwürdigen "Schulprogramm" zu dulden, ist ebenfalls allen einleuchtend.

Man darf aber unserer Meinung nach nicht der Hysterie verfallen und das Allheilmittel in einem schnellen Zuwachs von Schulsozialarbeitern suchen, sondern muss das Problem regional begrenzt anpacken und vor Ort nach jeweils anderen Lösungswegen suchen, welche nicht von oben verordnet werden können.
Die Politik ist hierbei jedoch nicht aus ihrer Verantwortung zu entlassen und gefragt, den Weg für langfristige Projekte zur Gewaltbewältigung und einer vernünftigen Normen- und Wertebildung an Schulen zu ebnen!

Die steigende Gewaltbereitschaft und das zunehmende Abgestumpftsein von Lehrern und Eltern gegenüber alltäglich gewordenen Übergriffen bereitet mir große Sorge.

Ich rufe alle Schüler, Eltern und Lehrer dazu auf, sich selbst und ihre Kinder zu sensibilisieren und Signale bei Jugendlichen ernst zu nehmen!

Öffnen Sie die Augen und verschließen Sie diese nicht nur aus Angst vor dem, was sie sehen könnten!

Marcel Pytka
www.landesschuelerrat-lsa.de


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