Raser auf dem Schulweg

(bikl) Wenn es um den Schutz der Kinder im Straßenverkehr geht, lassen deutsche Autofahrer Konsequenz vermissen. Das zeigt eine von der Continental AG im Rahmen ihrer Sicherheitsoffensive in Auftrag gegebene Studie.

19.08.2005 Artikel
  • © Continental

Zwar ist fast jedem (98 Prozent) der von TNS-Infratest Befragten klar, dass zu schnell fahrende Autos Kinder auf ihrem Schulweg gefährden. Aber nur jeder Zweite reduziert die Geschwindigkeit auch deutlich, wenn er durch ein Schulgebiet fährt. Die Notwendigkeit einer Geschwindigkeitsbegrenzung sieht nur jeder Vierte. Frauen verhalten sich hier nicht anders als Männer.

Lediglich 18 Prozent aller Befragten halten es für notwendig, in Schulgebieten immer bremsbereit zu sein. Auf Schulbusse achten sogar nur noch vier Prozent. Laut Bundesverband der Unfallkassen waren im Jahr 2004 in Deutschland fast 60.000 Schüler auf dem Weg zur Schule im Straßenverkehr verunglückt. Von allen Schulwegunfällen ereignete sich etwa jeder siebte auf dem Weg zur Grundschule.

Wichtig: Schülerlotsen

Die Studie zeigt, dass schon kleine Maßnahmen zur Schulwegsicherung effektiv sein können: 92 Prozent der Befragten gaben an, dass Transparente oder Hinweisschilder, die zu besonderer Rücksicht auf Schulanfänger aufrufen, sie in ihrer Fahrweise beeinflussen. Auf die Frage, welches geeignete Maßnahmen seien, um den Schulweg für Kinder möglichst sicher zu machen, wurde am häufigsten (43 Prozent) die Betreuung der Kinder durch Schülerlotsen genannt. 37 Prozent erwähnten die Verkehrserziehung als geeignete Strategie der Schulwegsicherung, jeder Fünfte sprach sich für spezielle, abgesicherte Geh- und Radwege aus.

Zusätzliche Maßnahmen notwendig

"Es dauert lange, bis Kinder die Regeln und Gefahren im Straßenverkehr kennen. Das 'verkehrssichere' Kind gibt es nicht und lässt sich auch mit Verkehrserziehung nicht erreichen. Darum müssen Verkehrssicherheitsmaßnahmen nicht nur beim Kind, sondern auch bei seiner Verkehrsumwelt ansetzen", erklärte Pressesprecher der Continental AG, Hannes Boekhoff. Seit Beginn der Aktion "Wir belohnen Ihre Sicherheit" vor fast einem Jahr hat das Unternehmen schon mehr als 18 Projekte, die der Schulwegsicherheit dienen, gefördert - von Aktionstagen bis zu Baumaßnahmen im Umfeld von Schulen.

Kinder erkennen Gefahren nicht

"Zur Vermeidung von Unfällen benötigen Kinder eine Reihe von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erst Schritt für Schritt im Laufe der Kindheit und der Jugend ausgebildet werden", sagte Prof. Dr. Maria Limbourg, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Essen. "Je nach Alter und Entwicklungsstand sind bei Kindern die für die Bewältigung des Straßenverkehrs relevanten Fähigkeiten überhaupt nicht oder nur unvollständig vorhanden." Kinder entwickelten erst im Alter von etwa acht Jahren ein vorausschauendes Bewusstsein für Gefahren im Straßenverkehr. Vorher würden sie diese entweder überhaupt nicht oder zu spät erkennen.

Kein Kavaliersdelikt

Gefährlich für Kinder ist vor allem die Selbsteinschätzung der Autofahrer: Obwohl sie wissen, dass sie zu schnell durch Schulgebiete fahren, empfinden sie das offenbar als Kavaliersdelikt. Denn nur knapp zwei Prozent der Befragten gaben an, dass es rücksichtslose Verkehrsteilnehmer sind, die Kinder auf dem Weg zur Schule gefährden.


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