Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung: Überfällig und sinnvoll
Zufrieden zeigte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit den Eckpunkten für eine neue Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Schleswig-Holstein. Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud "Wara" Wende hatte sie am Donnerstag, 12.9. 2013 in Kiel präsentiert.
12.09.2013 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein"Nach langen Jahren des Stillstandes macht Bildungsministerin Wende endlich Schluss mit der absurden Ausbildung von Lehrkräften für Schularten, die es schon lange nicht mehr gibt", sagte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. "Die einheitliche Studiendauer von zehn Semestern für alle Lehramtsstudiengänge, die Stärkung des Praxisbezugs, die stärkere Orientierung aller Studiengänge an der Individualität der Schülerinnen und Schüler sind wichtige Meilensteine für eine bessere Ausbildung, ebenso die Einführung eines gemeinsamen Lehramtes für Gemeinschaftsschulen und Gymnasien."
Der GEW-Landesvorsitzende freute sich besonders darüber, "dass die Aufteilung in "niederes" und "höheres" Lehramt in Schleswig-Holstein mit dieser Reform ein Ende hat". Logischerweise müsse sich daraus auch eine einheitliche Besoldung nach der Besoldungsgruppe A 13 für alle Lehrkräfte ergeben.
Matthias Heidn machte jedoch auch deutlich: Wenn die Reform Erfolg haben solle, bräuchten die Universitäten mehr Personal. Außerdem müssten die Eckwerte dem Praxistest unterzogen werden: "Erst die Praxis wird zeigen, ob die Lehramtsstudiengänge in Kiel und Flensburg für junge Menschen attraktiv genug sein werden, damit sie den Beruf der Lehrerin oder des Lehrers ergreifen. Erst die Praxis wird zeigen, ob an der Universität Flensburg die Fachlichkeit nicht zu kurz kommt und ob die Universität Kiel wirklich damit Ernst macht, der Pädagogik im Studium genügend Raum zu bieten. Erst die Praxis wird zeigen, ob es zwischen den beiden Universitäten nicht zu einem Kampf um die Studierenden für das gemeinsame Lehramt an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien kommen wird."
Der GEW-Landesvorsitzende setzte sich dafür ein, bei der Umsetzung der Eckpunkte die Interessen der Studierenden im Auge zu behalten. "Wir halten eine Stärkung des Praxisbezugs im Studium für absolut unabdingbar. Aber die Einführung eines Praxissemesters kann nur gelingen, wenn die Studierenden sich zum Beispiel keine Sorgen darum machen müssen, wie sie die Fahrt zur Ausbildungsschule finanzieren sollen. Die Einführung eines landesweiten Semestertickets gehört zu dieser Reform also gleich dazu."
Einen ironischen Seitenhieb auf die Universitäten Kiel und Flensburg konnte sich der Gewerkschafter nicht verkneifen: "Es mutet schon sonderbar an, dass 14 Jahre nach dem Beginn des Bologna-Prozesses zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums die Ministerin die Selbstverständlichkeit herausstreichen muss, dass die beiden Universitäten, die keine hundert Kilometer auseinander liegen, in Zukunft die Studienleistungen ihrer Studierenden gegenseitig anerkennen wollen. Das nennt sich dann wohl Fortschritt in der europäischen Hochschullandschaft."
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