Rügen: 1. Inklusionsjahrgang beendet Grundschule
Anerkennung für Rügener Lehrerinnen und Lehrer: Am Donnerstag, den 17. Juli 2014, erhalten 64 Rügener Grundschullehrkräfte, Sonderschulpädagoginnen und Sonderschulpädagogen, Schulleiterinnen und Schulleiter ein Zertifikat über die erworbenen Kenntnisse zur Umsetzung von Inklusion in der Grundschule. Damit schließt die erste Fortbildungsreihe zum Rügener Inklusionsmodell (RIM) in Bergen auf Rügen mit einer festlichen Veranstaltung ab.
15.07.2014 Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-VorpommernMit dieser Feier wird auch das Engagement der Pädagoginnen und Pädagogen bei der Umsetzung des Rügener Konzeptes für die Inklusion in der Grundschule gewürdigt. Die Zertifikate werden gemeinsam vom Staatlichen Schulamt Greifswald und der Universität Rostock ausgereicht.
Bei der Abschlussveranstaltung soll Bilanz gezogen und auch auf die kommenden Jahre geblickt werden. Bildungsminister Mathias Brodkorb dankt den Lehrerinnen und Lehrern für ihren persönlichen Einsatz und gratuliert ihnen zu den Erfolgen: "Ich bin froh, dass die Ergebnisse bestätigen, dass Inklusion funktioniert."
Das Rügener Modell ist unter der Bezeichnung "Präventive und Integrative Schule auf Rügen" (PISaR) bundesweit bekannt. Auch die dem ersten inklusiv unterrichteten Jahrgang nachfolgenden Grundschuljahrgänge werden in der PISaR inklusiv unterrichtet. Hierbei wirken die Rügener Lehrkräfte des Pilotjahrganges mit. Die in diesen Jahrgängen mitwirkenden Lehrkräfte erhalten weiterhin Fortbildungen, damit Inklusion auch in den weiteren Jahrgängen der Rügener Grundschulen gelingt. Hierzu merkt Bildungsminister Mathias Brodkorb an: "Die Bereitschaft der Lehrkräfte des Pilotjahrganges auf Rügen, ihr in vier Fortbildungs- und Schuljahren erworbenes Know-how an Kolleginnen und Kollegen weiter zu geben, ist hoch anerkennenswert!"
Die inklusive Beschulung geht auch in der Regionalen Schule weiter. Auch hier wird auf die Einrichtung von Sonderschulklassen verzichtet. Alle am Rügener Modell beteiligten Kinder besuchen auch im nächsten Schuljahr weiterhin eine Regelschule und werden dort gemeinsam von Regelschullehrkräften und Sonderpädagoginnen und -pädagogen inklusiv unterrichtet und gefördert.
Inklusion auf der Insel Rügen
Mit dem Einschulungsjahrgang des Schuljahres 2010/2011, der jetzt die vierte Klasse abschließt, werden auf der Insel Rügen keine Kinder mehr in eine Diagnoseförderklasse, eine Sprachheilklasse oder eine Klasse eines sonderpädagogischen Förderzentrums aufgenommen. Stattdessen erhalten Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen einen festen Stundenanteil in der Grundschule, dessen Einsatz in enger Kooperation mit den Pädagoginnen und Pädagogen in der jeweiligen Schule abgestimmt wird. Mitinitiiert und stetig begleitet wurde das RIM durch eine Arbeitsgruppe der Universität Rostock unter der Leitung von Prof. Dr. Bodo Hartke.
Das Rügener Inklusionsmodell
Das Rügener Inklusionsmodell basiert auf aktuellen Forschungserkenntnissen zur inklusiven Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Förderbedarf in den Bereichen Deutsch und Mathematik, Lernen, Verhalten und Sprache. Kernelemente des Konzeptes sind neben der wissenschaftlich begründeten Auswahl von Unterrichts- und Fördermaterialien, die intensivierte Unterstützung für Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Entwicklungsauffälligkeiten auf mehreren Förderebenen sowie regelmäßige Lernstandserhebungen zur Analyse der Lernentwicklung der Kinder. Das Ineinandergreifen dieser Elemente wird auf der Internetseite www.rim.uni‑rostock.de u. a. in einem Video erklärt.
Ist das Rügener Modell erfolgreich?
Um zu prüfen, ob die Umsetzung der Inklusion in den Rügener Schulen erfolgreich gelingt, wurden jeweils zum Schuljahresende umfangreiche Lern- und Entwicklungsstandserhebungen mit den Rügener Kindern durchgeführt. Um Vergleichswerte zu erhalten, erfolgten diese Erhebungen zeitlich parallel mit den Schülerinnen und Schülern des gleichen Jahrgangs der Hansestadt Stralsund und des sprachheilpädagogischen Förderzentrums in Rostock. Es zeigte sich, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf auf Rügen zumindest so gut wie die Stralsunder Schülerinnen und Schüler gefördert werden, und dies trotz höherer Inklusionsquoten auf Rügen. Weiterhin stützen verschiedene Beobachtungen und Daten die Aussage, dass sich das allgemeine Schulleistungsniveau auf Rügen unter dem Einfluss des Rügener Inklusionsmodells verbessert hat. Zum Ende des Jahres 2014 wird ein Bericht der Rostocker Forschergruppe zu den Ergebnissen der Kinder nach Beendigung der Grundschulzeit erwartet.
Die Bedeutung des Rügener Inklusionsmodells für die Weiterentwicklung der inklusiven Schule in M-V
Das innovative Unterrichtskonzept und dessen wissenschaftliche Begleitung führten zu einer Vielzahl an Anregungen und Erkenntnissen für die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Rügener Pädagoginnen und Pädagogen haben gezeigt, dass
- es mithilfe von wissenschaftlich gut bewährten Methoden gelingt, Kinder mit und ohne besonderem Förderbedarf gemeinsam zu unterrichten,
- Fortbildungen zugunsten eines inklusionsorientierten Unterrichts die praktische Umsetzung von Inklusion unterstützen,
- Kinder sich im inklusiven Unterricht wohlfühlen, gern zur Schule gehen und gute Lernfortschritte zeigen,
- die zielgerichtete Teamarbeit in den Rügener Grundschulen ein wesentlicher Schlüssel für den Erfolg inklusiven Unterrichts ist,
Eltern die vielfältige, fachlich kompetente, flexible Unterstützung von Kindern mit Förderbedarf begrüßen und insgesamt zufrieden mit dem neuen Unterrichtskonzept der Rügener Grundschulen sind.
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