Sächsische Schüler geben Sportunterricht gute Noten

(bikl/idw) In Sachsen sind mehr als 70 Prozent der Schüler mit ihrem Sportunterricht zufrieden. So die aktuellen Ergebnisse des ersten Teils der Studie "SportQ", die das Instituts für Sportwissenschaft der TU Chemnitz im Auftrag des Sächsischen Kultusministeriums durchgeführt hat. Allerdings vermissen die Schüler Trendsportarten wie Inline-Skating und Klettern im Schulsport.

19.03.2008 Sachsen Artikel
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Die vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus 2006 in Auftrag gegebene Studie "SportQ" umfasst drei Teilmodule, die auf eine Untersuchung der Fitness sächsischer Schüler, der Qualität und Wirksamkeit des Sportunterrichts in Sachsen und der Umsetzung der aktuellen Sportlehrpläne abzielt. Für die Schülerbefragung wählten die Chemnitzer Sportwissenschaftler je zehn Gymnasien und Mittelschulen aus dem Regierungsbezirk Chemnitz aus; 1.102 Schüler der Klassenstufen fünf, sieben und neun haben sich beteiligt. Die Lehrerbefragung wurde als Vollerhebung aller Sportlehrer in Sachsen angelegt. "Der Rücklauf der Lehrerbefragung liegt bei 58 Prozent, wodurch die Studie repräsentative Ergebnisse für den gesamten Freistaat liefert", erklärt Prof. Dr. Albrecht Hummel, vom Institut für Sportwissenschaft der TU Chemnitz.

Alternative Sportarten selten

Wie bereits die sächsische Schulsportuntersuchung 2002/03 ergab, sind mehr als 70 Prozent der Schüler mit ihrem Sportunterricht zufrieden. Ein Viertel der Schüler gaben dem Sportunterricht im laufenden Schuljahr sogar die Note "sehr gut". Dabei bewerteten Jungen ihren Sportunterricht positiver als Mädchen. Der Unterricht wird insgesamt als bewegungsreich und relativ anstrengend eingeschätzt.

"Die Ergebnisse unserer Studie weisen auf eine Diskrepanz zwischen Schülerwünschen und dem Sportartenangebot im Unterricht hin. So werden aus Schüler- und Lehrersicht vor allem traditionelle Sportarten wie Gerätturnen, Volleyball, Leichtathletik und Fußball am häufigsten unterrichtet. Die heutige Generation Schüler wünscht sich jedoch auch Trendsportarten wie Inline-Skating und Klettern im Schulsport", so Prof. Hummel. Aus Lehrersicht ist diese Diskrepanz erklärbar: Da der Sportunterricht überwiegend in der Turnhalle und auf dem Sportplatz stattfindet, sind die Möglichkeiten zur Umsetzung von alternativen Sportarten begrenzt. Die Lehrer weisen darauf hin, dass Schwimmhallen, Freibäder, freie Gelände oder Wintersportgebiete nur im Rahmen von Exkursionen, Sporttagen oder Projekten genutzt werden können.

Trotzdem sind mehr als 80 Prozent der Schüler mit den materiellen und räumlichen Bedingungen des Sportunterrichts zufrieden. Kritisiert wurden allerdings, wie bereits 2003, die ungenügend ausgestatteten, baufälligen und maroden Sportanlagen, die zu kleinen und zu alten Turnhallen und Umkleideräumen sowie die unzureichenden sanitären Anlagen.

Jungen sind aktiver als Mädchen

75 Prozent sächsischer Schüler haben pro Woche mindestens drei Schulstunden Sport. Was den außerunterrichtlichen Schulsport betrifft, so bieten 40 Prozent der befragten Schulen sportbezogene Arbeitsgemeinschaften an, die von circa zehn Prozent der Schüler wahrgenommen werden.

Einen Sportförderunterricht gibt es, nach Angaben der Lehrer, an 42 Prozent der Mittelschulen und Gymnasien. "In Anbetracht sinkender motorischer Leistungen von Schülern, findet der Sportförderunterricht noch immer an zu wenigen Schulen statt, obwohl sich das Angebot im Vergleich zur Untersuchung von 2003 mehr als verdoppelt hat", so der Projektkoordinator Thomas Borchert. Im Mittel sind Jungen in ihrer Freizeit zwei bis vier Stunden pro Woche sportlich aktiv, Mädchen bewegen sich dagegen nur ein bis zwei Stunden. 15 Prozent der Schüler treiben nur selten Sport. Auch bei der Mitgliedschaft im Sportverein zeigen sich Unterschiede, und zwar hinsichtlich des Bildungsniveaus: "Ungefähr 60 Prozent der Gymnasiasten betreiben eine oder mehrere Sportarten in einem Sportverein, bei den Mittelschülern sind es nur etwa 45 Prozent. Die beliebteste Sportart bei den Jungen ist nach wie vor Fußball, Mädchen bevorzugen Leichtathletik und Volleyball", berichtet Michael Rieß, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt.

Lehrpläne führen nicht gradlinig zur praktischen Realisierung

Im Schuljahr 2004/05 wurde in Sachsen eine neue Generation von Lehrplänen für den Sportunterricht an sächsischen Mittelschulen und Gymnasien verbindlich. Mit diesem zeigen sich sächsische Sportlehrer mehrheitlich "sehr zufrieden". Lediglich 2,5 Prozent verwenden den aktuellen Sportlehrplan nach eigenen Angaben noch nicht. "Die Ursachen dafür liegen zum einen in Unterrichtsroutinen, persönlichen Interessen und Erfahrungen der Sportlehrer, die sich im Verlauf der Berufskarriere manifestiert haben. Zum anderen zeigt sich hier ein wesentliches Problem der Lehrplanarbeit, das darin besteht, dass die Lehrplantexte nicht gradlinig zur praktischen Realisierung führen", so Prof. Hummel.

Weitere Untersuchungen

Im Dezember 2007 startete das zweite Teilmodul der Studie "SportQ". Ziel ist es, den "Zusammenhang zwischen motorischer Leistungsfähigkeit und dem sozioökonomischen Status sächsischer Schüler" zu analysieren. Das dritte Teilmodul, das im zweiten Quartal 2008 beginnen wird, untersucht die Wirksamkeit von Schulsport auf das individuelle gesundheitsbezogene Bewegungs- und Ernährungsverhalten von Schülern. Die Ergebnisse der gesamten Studie wird das Sächsische Staatsministerium für Kultus Ende 2009 präsentieren.


Weiterführende Links

  • Homepage des Projektkoordinators Thomas Borchert

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