didacta 2013

"Schüler können fast über die gesamte Schullaufbahn durch Wettbewerbe gefördert werden"

Wettbewerbe so scheint es, gehören beinahe schon zum Schulalltag. Die Liste der Angebote ist lang: Sie reicht von bundesweiten Wettbewerben über länderspezifische Angebote bis zu regionalen Ausschreibungen. Was zeichnet einen guten Schulwettbewerb aus und wie finden die Schulen die passenden Angebote? Das wollten wir von Dr. Heide Peters wissen. Sie ist Geschäftsführerin des deutschen Auswahlverfahrens zur Internationalen JuniorScienceOlympiade (IJSO) und stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe.

22.02.2013 Artikel

Frau Peters, gelegentlich hat man den Eindruck, die Schulen werden mit Wettbewerbsangeboten geradezu überschüttet. Stimmt das?

Heide Peters: Diese Klage hört man immer wieder. Erstaunlicherweise habe ich bei verschiedenen Befragungen von Lehrkräften und bei Schulleiterbefragungen die Erfahrung gemacht, dass dieses Problem eher zweitrangig ist. Oft wird in den Sekretariaten bereits vieles aussortiert. Daneben gibt es schon an etlichen Schulen Wettbewerbsbeauftragte, die sich um die verschiedenen Angebote kümmern.

Welche Angebote sind das?

Heide Peters: Neben den bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerben gibt es Wettbewerbe auf Landesebene und auf regionaler Ebene. Dort ist es möglicherweise für Schulen am schwierigsten zu prüfen, ob diese Wettbewerbe sinnvoll, seriös und keine Eintagsfliegen sind. Aber den Schulen stehen verschiedene Informationsmöglichkeiten zur Verfügung. Etwa die Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe. Hier haben sich mehr als 20 bundesweite Schülerwettbewerbe zusammengeschlossen. Wir haben dort Qualitätsmerkmale entwickelt, denen wir uns verpflichtet fühlen. Diesen Katalog kann man auf der Internetseite der AG abrufen. Wir tauschen uns auch mit der Kultusministerkonferenz aus, die eine Wettbewerbsliste führt. Lehrer können sich außerdem bei Kollegen erkundigen, die bereits Erfahrungen mit den einzelnen Wettbewerben haben. Außerdem lohnt sich ein intensiver Blick auf die Internetseite des jeweiligen Wettbewerbs: Was ist die Zielsetzung? Wird eine pädagogisch sinnvolle Leistung erwartet? Wer ist der Träger? Ist der Wettbewerb auf Dauer angelegt? Wie ist die Jury zusammengesetzt? Gelten für alle Teilnehmer faire Bedingungen? Auch gibt es in den Kultusministerien der Bundesländer Referenten, in deren Zuständigkeitsbereich das Thema Schulwettbewerbe fällt. Sie sind oft besonders gut über die regionalen und landesspezifischen Wettbewerbe informiert.

Was bringen die Wettbewerbe … … den Schulen?

Heide Peters: Schulen profitieren unter anderem vom Erfolg der Schüler, weil diese Anerkennung auch nach außen dargestellt wird. Das wird immer wichtiger, weil Schulen mittlerweile um Schüler konkurrieren und Eltern sich ziemlich genau informieren, was Schulen über das Alltägliche hinaus bieten und da spielen die Wettbewerbe eine wichtige Rolle.

… den Klassen?

Heide Peters: Klassen oder Gruppen erleben oft einen anderen Zusammenhalt und eine Stärkung. Manchmal werden die Karten anders gemischt als im normalen Klassenkontext. Schüler, die vorher gar nicht aufgefallen sind, zeigen plötzlich ganz neue Seiten und das kann sich positiv auf das gesamte Gefüge auswirken.

… den Schülern?

Heide Peters: Bei den einzelnen Schülern ist der Effekt am größten. Sie erleben meist eine intensive individuelle Förderung außerhalb der Schule, sie kommen früh in Kontakt mit Universitäten und Forschungseinrichtungen und können Erfahrungen sammeln, die sie im Schulalltag nicht machen könnten. Sie können selbst Felder entdecken, die sie interessieren, an denen sie Spaß haben und wo sie sich weiterentwickeln. Ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt und häufig sind Schüler erstaunt, wie sie über ihre eigenen Grenzen hinauswachsen. Sie profitieren auch davon, dass sie mit anderen Schülern zusammenkommen, die ähnliche Interessen haben. Als Schüler kann man fast über die gesamte Schullaufbahn auf diesem Weg gefördert werden.

… den Lehrern?

Heide Peters: Die meisten Wettbewerbe kommen nicht ohne die Betreuungsleistung von Lehrern aus. Lehrer profitieren indirekt, weil sie sich mit Themen befassen, die sie interessieren und die sie so im Unterricht nicht einbinden würden. Sie bekommen aber auch Impulse für den eigenen Unterricht. Sie erfahren außerdem Bestätigung, wenn ihre eigenen Schützlinge weiterkommen und Erfolge haben. Wir verschicken nicht nur an die Schüler, sondern auch an die Lehrkräfte Urkunden. Schön wäre, wenn Lehrer, die sich in diesen Wettbewerben intensiv engagieren, auch Entlastungsstunden bekämen und von den Schulleitungen unterstützt würden. Aber das wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Tatsächlich betreuen viele Lehrkräfte wiederholt ihre Schüler und Klassen bei den Wettbewerben. Das würden sie nicht tun, wenn es nicht auch positive Auswirkungen auf den Schulalltag hätte.

Links

Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe

Wettbewerbe am IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

Dazu auf der didacta

Forum didacta aktuell

Schülerwettbewerbe für Schulentwicklung nutzen- wie geht das? 23.02.2013, 10:45 - 11:45 Uhr
Schülerwettbewerbe werden vorrangig in Verbindung gebracht mit der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern. Damit ist das Potenzial solcher Angebote aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Schülerwettbewerbe können auch wichtige Impulse setzen für schulische Entwicklungsprozesse. Wir wollen diesen "anderen" Blick auf Wettbewerbe schärfen und Chancen und Möglichkeiten für Schulleitungen bzw. Fachschaften diskutieren. Vorgestellt werden in diesem Kontext Ergebnisse einer Pilotstudie der AG bundesweiter Schüler­wettbewerbe. In einem Experten-Hearing wird aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, wie Schülerwettbewerbe zur Schulentwicklung beitragen können.

Es diskutieren Prof. Dr. Heinz Klippert, Pädagogische Schulentwicklung, Dozent am Lehrerfortbildungsinstitut der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz (EFWI) und PD Dr. Heide Peters, Geschäftsleitung Internationale JuniorScienceOlympiade am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel. Moderation: Prof. Dr. Barbara Burkhardt-Reich, Jugend gründet, Geschäftsleitung Steinbeis-Innovationszentrum Unternehmensentwicklung an der Hochschule Pforzheim.


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